Demo in Luzern: Zwölf Organisationen fordern gesellschaftlichen Neustart
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Der Demonstrationszug führte am Samstagnachmittag durch die Stadt Luzern. (Bild: jal)

Schulterschluss auf der Strasse Demo in Luzern: Zwölf Organisationen fordern gesellschaftlichen Neustart

2 min Lesezeit 7 Kommentare 05.09.2020, 18:55 Uhr

So geht es nicht weiter: Zahlreiche Menschen forderten am Samstag auf den Strassen Luzerns einen gesellschaftlichen Wandel. Eine Rückkehr zum Status quo sei nach der Coronakrise keine Option.

«Planet B oder Plan B»? – «Wir haben die Wahl» – «Weniger haben wollen macht glücklich.» Diese und zahlreiche weitere Denkanstösse waren am Samstagnachmittag in Luzern zu lesen.

Bei strahlendem Spätsommerwetter haben schätzungsweise 250 Menschen in der Stadt Luzern demonstriert. Unter dem Motto «Jetzt! Einen ökologischen und solidarischen Neustart» verlangen sie, dass die Weichen für eine bessere Zukunft gestellt werden.

Bereits am Freitagabend gingen in vielen Schweizer Städten, auch in Luzern, junge Menschen für das Klima auf die Strasse (zentralplus berichtete).

Nicht zurück zum Normalzustand

Im Unterschied dazu war die Kundgebung am Samstag deutlich breiter aufgestellt. Insgesamt zwölf Organisationen riefen zur Demonstration auf. Nebst einer ökologischen Neuausrichtung stellten sie auch soziale Forderungen.

So sollen beispielsweise Menschen, die weniger als 5000 Franken im Monat verdienen, 100-Prozent-Lohnersatz bei Kurzarbeit erhalten. Verlangt wird weiter, dass die Care-Arbeit genauso wie die systemrelevanten Berufe – wie etwa die Pflege – eine grössere Wertschätzung erfahren. «Klatschen genügt nicht», sagte ein Redner am Samstag.

«Nach der Coronakrise zurück zum Status quo zu kehren, ist keine Option», heisst es in einem Schreiben der Organisatoren. Sie kritisieren, dass der bisherige Normalzustand den Profit und das Wachstum vor die Solidarität stelle, nicht alle Menschenleben den gleichen Wert hätten und die Klimakrise nicht ernst genommen werde.

Die Coronakrise beweise, dass die Politik agieren könne, wenn der Wille vorhanden sei. Die Gesellschaft habe zudem gelernt, wie wichtig Solidarität sei und was das Wort «systemrelevant» bedeutet. «Es ist Zeit für einen tiefgreifenden, mutigen, strukturellen Wandel.»

Maskenpflicht wurde eingehalten

Zur Demo aufgerufen hatten der Luzerner Gewerkschaftsbund, die Juso, die SP, die Jungen Grünen, die Grünen, die Gruppe Resolut, der kurdische Kulturverein, die Gruppen Luzern im Wandel und Psychologists for Future, das Solinetz sowie der Frauen- und Klimastreik.

Sie erwarteten im Vorfeld mehrere hundert Teilnehmer. Angesichts dessen war vereinzelt Enttäuschung über die Mobilisierung zu spüren. Die bewilligte Kundgebung führte vom Luzerner Torbogen zum Helvetiaplatz Richtung Bahnhofstrasse.

Wegen den Corona-Schutzmassnahmen wurden die Teilnehmer gebeten, Masken zu tragen. Dem Aufruf kamen sie nach, die Organisatoren verteilten sogar aktiv Schutzmasken. Dass in Luzern ein Vermummungsverbot gelte, wie ein Sprecher zu Beginn sagte, sorgte entsprechend für Erheiterung.

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7 Kommentare
  1. Hugo Ball, 06.09.2020, 20:27 Uhr

    Ich bin mir nicht sehr sicher, ob die demonstrierenden Kurden verstanden haben, wofür die Regenbogenfahne und die gesellschaftlichen Ideen, die damit assoziiert werden, steht. Da sie doch in ihren Herkunftsregionen im Einzugsgebiet Grossraum Naher und Mittlerer Osten und noch viel ausgeprägter in der Diaspora selbst, doch in äusserst patriarchalen und traditionsorientierten Gesellschaften leben, die man durchaus aus einer pragmatischen Sicht als tendenziell homophob bezeichnen könnte.

  2. Gruesse vom Einhorn Schlachthaus, 06.09.2020, 15:07 Uhr

    Immerhin gabs diesmal keine brennenden Autos!

    1. Shin Megami, 06.09.2020, 23:45 Uhr

      Wann gab es denn an einer Luzerner Demonstration brennende Autos?
      Ist das so eine Fantasie von Ihnen?

  3. Andreas Peter, 06.09.2020, 00:09 Uhr

    Ja,, die jungen Leute.
    So etwas haben wir früher auch gemacht, gegen irgend etwas «täubele» ohne Sinn und Verstand.
    Darüber wurde aber früher nicht in der Zeitung berichtet und ich denke, das war gut so.
    Naja, 250 Leute von 12 Organisationen ist jetzt auch nicht so der Brüller.
    Ich verstehe auch nicht, was so etwas in der Schweiz soll. Wir können doch abstimmen oder Initiativen ergreifen, wozu denn auf die Strasse gehen?

    1. stofe, 06.09.2020, 10:56 Uhr

      die können halt nicht mehr auf einem Bänkli stillsitzen und eine halbe Stunde aufs Wasser schauen. Ständig muss etwas laufen, alle paar Minuten aufs Natel schauen, studieren was man spätabends nach allen Terminen noch machen könnte …..Da ist etwas aufmüpfen doch eine willkommene Abwechslung.

    2. Boris Rossi, 06.09.2020, 23:48 Uhr

      Und die alten Leute sitzen nur gelangweilt am Computer rum und schreiben sinnlose weltfremde Kommentare auf zentralplus…
      Wenigstens setzen sich die Jugendliche für die Erde ein.
      Sie, Herr Andreas, machen rein gar nichts!

    3. Dunning-Kruger, 07.09.2020, 13:22 Uhr

      Man kann sich sehr wohl für eine intakte Umwelt, soziale Gerechtigkeit und Freiheit für alle einsetzen, ohne dass die Notwendigkeit bestünde, an einem Marsch teilzunehmen, wo das politische Narrativ vorallem von der demokratiefeindlichen, extremistischen und in ihrem Anspruch nach totalitären Antifa bestellt wird!

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