<p>Nur eine Handvoll Glencore-Demonstranten versammelte sich vor dem Chamer Lorzensaal.</p>
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Nur eine Handvoll Glencore-Demonstranten versammelte sich vor dem Chamer Lorzensaal. (Bild: woz)

Nur ein paar Versprengte zeigten sich in Cham Demo gegen Glencore: Für Zuger Linke keine Priorität

3 min Lesezeit 6 Kommentare 24.05.2017, 15:48 Uhr

Die Kritik gegen Glencore verstummt nicht. Und dennoch fanden sich am Mittwoch kaum Protestler vor dem Chamer Lorzensaal ein, wo der Zuger Rohstoffgigant seine Generalversammlung abhält. Nicht dabei war auch die Zuger Linke. Wir gehen den Gründen nach.

Es hat schon irgendwie einen ironischen Touch. Zahlenmässig tigern fast mehr Journalisten mit Mikro, Foto- und Fernsehkamera auf dem Platz vor dem Chamer Lorzensaal herum, die bei Glencore-Kritikern Stimmen einfangen wollen, als dass sich Konzerngegner versammeln und demonstrieren.

Es wirkt wie absurdes Strassentheater, was sich da abspielt. Während im Foyer Glencore-Aktionäre zum Teil in schicker Robe zum Gläschen greifen – wie man durch die Scheibe erkennen kann – und die Manager des Rohstoffgiganten vor bewachten Hintereingängen aus dunklen Limousinen in den Lorzensaal huschen, schwenken Alex Granato und sein Kollege Cristiano Azevedo fast mutterseelenallein die Flagge der Unia.

«Wir wollen uns mit den Arbeitern und Gewerkschaften in den Ländern solidarisieren, wo Glencore Minen unterhält – damit Glencore mehr für die Gesundheit seiner Arbeiter unternimmt und die Arbeitssicherheit der Leute garantiert», meint der Gewerkschafter. Das sei nach wie vor ein dunkles Kapitel. Sagt’s und lässt sich gerne fotografieren.

Gleich daneben interviewt eine Journalistin Kemal Özkan von IndustriALL Global Union, einer internationalen Gewerkschaft in Genf. Genauer gesagt lässt sie den Funktionär, der ein Plakat mit der Aufschrift «Glencore must respect workers rights» («Glencore muss die Rechte der Arbeiter respektieren») vor seinen Bauch hält, einfach gebetsmühlenartig seine Version der Dinge ins Mikro sprechen.

Mutterseelenallein: Alex Granato und Christiano Azevedo von der Unia.

Mutterseelenallein: Alex Granato und Cristiano Azevedo von der Unia.

(Bild: woz)

«Wir fordern von Glencore, dass das Unternehmen seine Arbeiter endlich besser behandelt. Und dass es die Fakten so erfüllt, wie diese in den Nachhaltigkeitsberichten immer so schön formuliert werden. Es besteht nämlich eine grosse Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit», so Kemal Özkan zu zentralplus. Neben ihm demonstrieren Kollegen aus Kanada. Ein ganz schön weiter Weg bis nach Cham.

So weit so gut. Aber wo sind eigentlich Zuger Gewerkschafter oder Linke, um gegen Glencore zu protestieren? Sind die hiesigen Linken inzwischen zu etabliert oder ist Glencore schlicht und einfach kein Thema mehr für sie?

«Es ist halt auch eine Zeitfrage.»

Andreas Lustenberger, Alternative – die Grünen Zug

Andreas Lustenberger von den Alternativen – die Grünen Zug «bedauert es», dass keine Zuger Linken zur Demo vor der Generalversammlung von Glencore erschienen sind. «Es ist halt auch eine Zeitfrage – zumal sich viele junge Linke in den vergangenen Wochen eben intensiv für die Wohnrauminitiative eingesetzt haben.» Da müsse man dann Prioritäten setzen. «Und jedes Mal eine Demo zu organisieren, das nützt sich in der Wirkung auch ab», ist der Baarer Politiker überzeugt.

Umso begeisterter zeigt sich Lustenberger, dass zur Veranstaltung bei Doku-Zug zahlreiche Besucher gekommen seien, um sich über den «Schattenbericht» zu Glencore aus der Sicht peruanischer und bolivianischer NGO-Vertreter und Menschenrechtsorganisationen zu informieren (zentralplus berichtete).

«Solche neuen Fakten sind gutes Futter für unsere weitere politische Tätigkeit», sagt Lustenberger. Wobei er einräumt, dass gerade wenn Aussage gegen Aussage zwischen Glencore und seinen Kritikern stünde, es umso wichtiger sei, über fundiert recherchierte Fakten zu verfügen. «Glencore ist und bleibt natürlich auch in Zukunft ein Thema für uns.»

Hereinspaziert – hier dürfen nur Glencore-Aktionäre rein.

Hereinspaziert – hier dürfen nur Glencore-Aktionäre rein.

(Bild: woz)

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6 Kommentare
  1. Jonas Feldmann, 29.05.2017, 10:55 Uhr

    Übrigens wurde der Protest am Wochenende «nachgeholt», direkt vor dem Glencore-Hauptsitz:
    https://www.facebook.com/junge.alternative/photos/a.272392542781517.68151.265643696789735/1496358837051542/?type=3&theater

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  2. Hans Peter Roth, 27.05.2017, 12:40 Uhr

    Das Zentralplus-Programm akzeptiert offenbar kein copy-paste. Deshalb nochmals mein vollständiger Kommentar handgetippt:

    Übrigens: Das Duden Online-Wörterbuch schreibt zum Wort «Protestler» (im Artikel von Wolfgang Holz verwendet):

    «Protestler, der
    Wortart: Substantiv, maskulin
    Gebrauch: umgangssprachlich, oft abwertend»

    >Sprache ist oft verräterisch.

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  3. Hans Peter Roth, 27.05.2017, 12:32 Uhr

    Übrigens: Das Duden-Online-Wörterbuch schreibt zum Wort «Protestler» (im Artikel von Wolfgang Holz verwendet):

    Sprache ist oft verräterisch.

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  4. Hans Peter Roth, 27.05.2017, 12:23 Uhr

    Gute Planung und Vorbereitung ist das A+O jeder gelungenen Kundgebung. Wäre ich rechtzeitig über die Demo informiert gewesen, hätte ich meinen Physio-Termin vom Mittwoch vormittag verschoben und wäre nach Cham gereist.

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  5. Daniel Wehner, 26.05.2017, 14:17 Uhr

    Und Wo ist die SP?

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  6. Jonas Feldmann, 24.05.2017, 16:12 Uhr

    Das kommt jetzt vielleicht etwas überraschend, aber: Auch «Linke» sind ab und zu (beispielsweise an einem Mittwoch Morgen) verhindert, etwa weil sie arbeiten, Präsenzzeiten an der Uni oder in der Schule einhalten müssen oder sonst irgendwo engagiert sind. Ich persönlich hätte heute gerne lautstark gegen die menschenverachtenden Praktiken der Glencore protestiert, aber ich kann (und möchte) meine Freitage und Ferien nicht nach der Glencore-GV richten…

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