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Massnahmen machen Betrieb unmöglich Dem Luzerner Nachtleben droht erneut die Schliessung

Philipp Waldis (links) und Marco Liembd (rechts) rechnen damit, dass die neuen Massnahmen wieder zu Schliessungen führen. (Bild: zvg)

Wegen der hohen Fallzahlen und der Omikron-Variante verschärft der Bundesrat die Corona-Massnahmen. Trotz Covid-Zertifikat gilt in öffentlichen Innenräumen bald wieder Maskenpflicht. Für Clubbesitzer kommt das einem «Berufsverbot» gleich.

Tanzen, ausgelassen Feiern oder mit Freunden zu Konzerten abgehen. Seit Juni ist das Nachtleben zur Freude der zumeist jungen Partygänger wiederbelebt. Mit den geplanten Massnahmen des Bundes scheint es sich jedoch bald wieder ausgetanzt zu haben (zentralplus berichtete).

Alexander Büchli, Geschäftsführer der Schweizer Bar- und Clubkommission, sagt gegenüber der «NZZ», die verschärften Vorschriften kämen einem «Berufsverbot» gleich. Wie sich zeigt, steht er mit dieser Einschätzung nicht alleine da. Auch Luzerner Club- und Barbetreiber tun sich mit den geplanten Verschärfungen schwer.

«Eine verordnete Schliessung wäre uns lieber»

Besonders besorgniserregend werden die neuen Massnahmen für hiesige Clubbesitzer, wie die Nachfrage von zentralplus zeigt. «Ein konsequentes Tragen der Maske auf einer dynamischen Tanzfläche mit angetrunken Gästen wäre wohl kaum durchführbar», sagt Philipp Waldis, Inhaber des «Vegas Club» an der Krienser Ringstrasse. Mit dem «Lounge & Gallery»-Club in Zug wäre er gleich doppelt betroffen.

Er schliesst sich den Einschätzungen Büchlis an: «De facto kommt es einem Berufsverbot gleich und uns wäre in solch einem Fall eine verordnete Schliessung unter Berücksichtigung der Härtefallmassnahmen lieber.»

«Es ist wie wenn man einem Hallenbad den Betrieb quasi ermöglicht, ihnen jedoch verbietet, das Schwimmbecken mit Wasser zu füllen.»

Philipp Waldis, Inhaber des Krienser «Vegas Club»

Während des Sommers 2020 hätte ihnen der Zuger Gesundheitsdirektor Martin Pfister bestätigt, dass eine Maskenpflicht in einem Club nicht umsetzbar sei. Nun ist dieser noch vor den Vorschriften des Bundes mit 3G-plus in Innenräumen vorgeprescht (zentralplus berichtete). «Es ist wie wenn man einem Hallenbad den Betrieb quasi ermöglicht, ihnen jedoch verbietet, das Schwimmbecken mit Wasser zu füllen», so Waldis.

Stattdessen würde Waldis wie Büchli die 2G-Pflicht bevorzugen. Doch auch diese sei nicht ohne. Damit bestehe die Gefahr, «dass sich die ausgeschlossenen Gäste auf privaten Partys ohne Zertifikatskontrolle treffen und dass somit die Ansteckungsgefahr steigt».

Zudem hat der «Vegas»-Besitzer vor dem Club ein Gratistestangebot lanciert, mit dem er bisher sehr gute Erfahrungen gemacht hat (zentralplus berichtete). Dass dieses bei der Einführung von 2G wegfallen würde, sieht Waldis kritisch: «Diese Möglichkeit der Pandemiebekämpfung den Jugendlichen zu entziehen, erachte ich als gefährlich und kontraproduktiv.» 

«Schüür» hat bereits mit Schliessungen gerechnet

Etwas nüchterner sieht das Ganze der «Schüür»-Geschäftsleiter Marco Liembd. Das Luzerner Konzerthaus an der Tribschenstrasse habe bereits mit Verschärfungen gerechnet: «Falls irgendjemand in dieser Branche von einer erneuten Schliessung 2021 überrascht ist, dann überrascht dies vor allem mich.»

Deshalb macht er sich nicht allzu viele Gedanken wegen der etwaigen Maskenpflicht: «Wir sollten uns über die zwei Wochen bis zur definitiven Schliessung nicht zu viel den Kopf darüber zerbrechen.» Bevorzugen würden jedoch auch er eher die 2G-Pflicht: «Wir sind aber noch immer keine Virologen. Es gilt zu tun, was die Pandemie verlangt», kommentiert er die Massnahmen.

«Ähnliche Massnahmen hatten wir bereits im Sommer 2020. Und da kam es anschliessend zu einem Lockdown.»

Elias Fuchs, Inhaber des «Bruch Brothers»

Er will jedoch so lange wie möglich noch Konzerte im Saal anbieten, wenn nötig halt ohne Barbetrieb. «Wir ziehen als Schüür-Familie weiter an einem Strick und nehmen alles, was auf uns zukommt, entgegen. Klar ist – wir kommen da durch.» So wie es aussehe, werde ihr Plan, während der Pandemie die Schüür umzubauen aufgehen, so Liembd (zentralplus berichtete).

Statt Livekonzerte wieder reinen Barbetrieb

Auch in der Rockerbar «Bruch Brothers» an der Luzerner Baselstrasse geht’s der Musik an den Kragen. «Die neuen Massnahmen bedeuten für uns, dass es sich nicht lohnt, Konzerte zu veranstalten», so Inhaber Elias Fuchs. Da sie keine Tickets verkaufen, sind sie auf den Getränkeverkauf angewiesen, um die Bands und das Personal zu entlöhnen. Wie bereits im Sommer letzten Jahres will Fuchs deshalb wieder auf den reinen Barbetrieb umstellen.

Doch auch dieser hat seine Tücken: «Die Massnahmen umzusetzen ist machbar, nur halt sehr mühsam.» Das Arbeiten zu Zeiten der strengen Maskenpflicht habe nämlich keinen Spass mehr gemacht, erzählt Fuchs. «Den ganzen Abend lang hat man nur Polizist gespielt. Zudem war es auch für Gäste nicht lustig, wenn sie den ganzen Abend nur mimimi hören.»

Statt einer erneuen Schliessung will Elias Fuchs das Bruch-Brothers wegen den drohenden Massnahmen als Bar-Betrieb weiterführen.
Elias Fuchs rechnet mit grossen Einbussen, da Besuchermagnete wie Livekonzerte künftig wieder ausfallen werden.

Der Einführung einer allfälligen 2G-Pflicht steht Fuchs mit gemischten Gefühlen entgegen: «Einerseits werden mit einer 2G-Pflicht viele Leute ausgegrenzt. Andererseits muss man auch mal etwas Neues ausprobieren. Ähnliche Massnahmen hatten wir bereits im Sommer 2020. Und da kam es anschliessend zu einem Lockdown.»

Im Gegensatz zu Freunden, welche ihre Betriebe ob den drohenden Massnahmen wieder zumachen, will Fuchs weitermachen: «Wir rechnen sicher mit extremen Einbussen. Aber das ist ja jetzt schon länger so. Wir probieren trotz der Einschränkungen den Betrieb offenzuhalten und hoffen, die Leute kommen trotzdem.»

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