Dem Feldhasen geht es auch bei uns nicht gut
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Nur selten zu sehen: der Feldhase. (Bild: Adobe Stock)

Wieso der Osterbotschafter leidet Dem Feldhasen geht es auch bei uns nicht gut

5 min Lesezeit 12.04.2020, 14:47 Uhr

Er ist das Symbol von Ostern schlechthin: Doch auch in den Kantonen Luzern und Zug sind die Bestände des Feldhasen sehr tief. Dabei wäre eigentlich klar, wie ihm geholfen werden könnte.

Er kann extrem schnell rennen – bis zu 70 Kilometer die Stunde –, schlägt die unmöglichsten Haken, ist ein Versteckkünstler und obendrein auch noch äusserst fruchtbar. Und grössere Konflikte verursacht er in der Regel kaum. Alles sehr gute Voraussetzungen, um problemlos überleben zu können, eigentlich.

Die Realität ist eine andere. Dem Feldhasen – von ihm ist die Rede – geht es in den Kantonen Luzern und Zug, wie auch in weiten Teilen der übrigen Schweiz, nicht gut. Seine Bestände sind bedroht; er steht auf der roten Liste.

Eigentlich muss das nachdenklich stimmen, ist doch dieser typische Kulturfolger schon seit ewigen Zeiten auf unseren Äckern und Feldern zu Hause. Davon zeugen unzählige Flurnamen, Redewendungen und Geschichten. «Hasenguetnacht» nennt sich zum Beispiel ein abgelegener Hof hoch oberhalb von Walchwil im Kanton Zug. Das muss wohl sprichwörtlich ein Ort sein, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen.

Das Problem der intensiven Landnutzung

«Gemäss Zahlen aus den Bestandesschätzungen der 122 Luzerner Jagdgesellschaften hat der Feldhasenbestand im Kanton Luzern in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich abgenommen», sagt Peter Ulmann, Abteilungsleiter in der Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern. «Die Zahlen sind von rund 2’500 Tieren um die Jahrtausendwende bis heute auf rund die Hälfe gesunken.»

«Die Junghasensterblichkeit ist durch die intensive Landnutzung und durch die grosse Zahl von Beutegreifern so hoch, dass kaum mehr Junghasen überleben.»

Peter Ulmann, Kanton Luzern

Die Gründe des schweizweiten Hasenrückganges seien in den letzten zehn Jahren intensiv untersucht worden. «Kurz zusammengefasst kann festgestellt werden, dass die Junghasensterblichkeit dieser sehr fruchtbaren Tierart durch die intensive Landnutzung und durch die grosse Zahl von Beutegreifern so hoch ist, dass kaum mehr Junghasen überleben.» Mit Beutegreifern sind Greifvögel, Krähen, Füchse und Marderartige gemeint.

Im Hinterland oder im Napfgebiet findet man ihn noch

Aufgrund dieser Erkenntnisse sei 2019 durch verschiedene Kantone ein landwirtschaftliches Förderprogramm unter dem Titel «Getreide in weiter Reihe» initiiert worden, erklärt Peter Ulmann. Der Kanton Luzern mache da auch mit. Coronabedingt werde eine Erfolgskontrolle aber vermutlich erst im Jahr 2021 starten können.

Ursprünglich seien die Feldhasen vor allem in Tallagen mit Getreideanbau zu Hause gewesen, so Ulmann. «Heute sind im Kanton Luzern die besten Hasenbestände eher in etwas erhöhten Lagen, zum Beispiel im Luzerner Hinterland oder im Napfgebiet, zu finden.» Nach Gesetz sei der Feldhase jagdbar. Durch ein von der Jägerschaft mitgetragenes Moratorium wird er im Kanton Luzern aber seit 2019 nicht mehr bejagt (siehe Box).

«Eine traurige Realität»

Im Kanton Zug finde man den Feldhasen noch in den Berggebieten des Kantons und im Bereich der Reussebene, erklärt Priska Müller, Leiterin Amt für Wald und Wild. Mit den Berggebieten sind der Zuger- und Walchwilerberg, der Gottschalkenberg und die Gebiete um Neuheim, Menzingen und Unterägeri gemeint. In diesen Berglagen seien die Bestände über die letzten 20 Jahre stetig abnehmend.

Umweltverbände kritisieren Jagd

Dass man den Feldhasen in der Schweiz überhaupt noch jagen darf, wird von Umweltorganisationen kritisiert. Franziska Rosenmund von Pro Natura sagt, die Revision des Schweizerischen Jagd- und Schutzgesetzes stelle für den Feldhasen «eine verpasste Chance» dar: «Noch immer werden in der Schweiz jedes Jahr rund 1600 Feldhasen erlegt. Das Parlament hätte mit der Revision des Jagd- und Schutzgesetzes bedrohte Tierarten besser schützen müssen. Stattdessen wird der Artenschutz ausgehöhlt.» Pro Natura findet, dass der Feldhase hätte unter Schutz gestellt werden müssen.

Reinhard Schnidrig vom Bundesamt für Umwelt entgegnet, die Kantone würden die Verpflichtung zum regionalen Schutz des Feldhasen ernst nehmen. Aktuell hätten 11 von 26 Kantonen den Feldhasen ganzjährig geschützt – darunter Zug – und 8 Kantone hätten die Jagdzeit gegenüber dem Bundesgesetz verkürzt. In den restlichen sieben Kantonen sei der Abschuss zwar möglich, aber die Jäger würden freiwillig darauf verzichten. Gemäss Schnidrig wäre ein Jagdverbot im Bundesgesetz dann angezeigt, wenn er gesamtschweizerisch wegen der Jagd unter Druck sei. Das sei aber nicht der Fall. «Die Ursache für den Rückgang des Feldhasen ist die massive Lebensraumveränderung im Agrarraum.»

Im «Zuger Tiefland», also im Gebiet der Reussebene, würden sie auf tiefem Niveau verharren, erklärt Priska Müller. Ein vom Kanton Zug 2017 in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zu folgendem Schluss: «Es ist eine traurige Realität, dass vor allem in kleineren und stark isolierten Zählgebieten die Feldhasen aus der Schweizer Landschaft verschwunden sind. Der Kanton Zug bildet hier keine Ausnahme.»

Ein Hoffnungsschimmer

Es gibt aber auch im Kanton Zug Bestrebungen, den Feldhasen zu fördern. So hat Pro Natura vor kurzem die Aktion Hase & Co. gestartet. Diese sei auch in der Region Zürich/Zug angelaufen, sagt Larissa von Buol, Projekteiterin bei Pro Natura Zürich: «Im Januar 2019 startete die nationale Pro-Natura-Kulturlandaktion Hase & Co. So kommt es erfreulicherweise zu einer engen Kooperation zwischen den Pro-Natura-Sektionen Zürich und Zug.» Ein mögliches Thema der Aktion sei die Feldhasenförderung.

In der Gemeinde Hünenberg komme dieser noch vor. «Geplant ist, den Lebensraum des Feldhasen durch verschiedene Massnahmen wie die Ansaat von Getreide in ‹weiten Reihen› oder das Anlegen von Bund- und Rotationsbrachen aufzuwerten.» 

Versuche mit anderer Anbaumethode

Auch das LBBZ Schluechthof in Cham versucht, den Feldhasen mit gezielten Projekten zu fördern: «Wir haben auf Anregung des WWF im Vernetzungsprojekt Cham in der Region Frauenthal/Islikon/Hatwil erstmal versuchshalber drei Weizenfelder in sogenannter ‹Getreide in weiter Reihe› angelegt, was in andern Kantonen auch schon praktiziert wurde», erklärt der LBBZ-Berater Raymund Gmünder.

«Aufgrund dieser Versuche haben wir dann zusammen mit dem Landwirtschaftsamt diese Methode analog weiterer Kantone als mögliches Angebot für eine Massnahme im Rahmen der Vernetzungsprojekte aufgenommen.» Der Landwirt wird dafür mit 1’000 Franken pro Hektare entschädigt.

Drei Hasen gleichzeitig gesichtet

Die Idee dahinter sei einfach. «Mit dem heute intensiven Getreideanbau sind die Felder dicht und kompakt und dadurch nicht mehr attraktiv für Arten, die ihre Jungen am Boden aufziehen.» Die Idee mit der neuen Massnahme sei es, beides miteinander zu verbinden: Platz zu schaffen und trotzdem einen modernen Getreideanbau zu ermöglichen. «Davon würden auch andere Arten profitieren, wie zum Beispiel die Feldlerche.»

Aktuell habe es in der Region Frauenthal-Hatwil höchstens noch ganz wenige Hasen. In der Nähe der Chamau auf Hünenberger Boden seien im letzten Frühling aber drei Hasen gleichzeitig gesichtet worden. Deshalb sagt Raymund Gmünder: «Ich hoffe, dass diesen Hasen mit diesem Weizenfeld ein zusätzliches Angebot gemacht werden kann.»

Blau eingefärbt sind die Fördergebiete für Feldhase und Feldlerche im Kanton Zug.

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