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Delilahs: «Wir sind Punk-Rocker, die mit Pop experimentieren»
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Releasen bald ihr viertes Album: Die Delilahs um Daniel Fischer, Isabella Eder, Muriel Rhyner und Philipp Rhyner (v.l.n.r.). (Bild: lob)

Zuger Band bald mit neuem Album am Start Delilahs: «Wir sind Punk-Rocker, die mit Pop experimentieren»

7 min Lesezeit 18.03.2018, 16:01 Uhr

Über zehn Jahre Bandgeschichte, aber noch kein bisschen müde: Anfang Mai bringen die Delilahs mit «Ideal» Album Nummer vier heraus. Für die ersten Proben nach den Studioaufnahmen ging es für drei Tage nach Engelberg – zentralplus ist ihnen in die Abgeschiedenheit gefolgt.

Neben den Studiosessions bleibt den vier wenig Zeit, die Songs aus dem neuen Album zu proben. Darum hat sich die Band in Klausur begeben. Für drei Tage finden sich alle vier Bandmitglieder – Muriel Rhyner (Gesang, Bass), Isabella Eder (Gitarre, Gesang), Philipp Rhyner (Gitarre) und Daniel Fischer (Schlagzeug) – deshalb im Gasthaus Grünenwald in Engelberg ein.

Wertvolle Bandzeit

«Da ist nichts rundherum, wir müssen uns also zwangsweise miteinander auseinandersetzen», lacht Muriel Rhyner. «Wenn wir uns treffen, steht meistens Pflichtstoff an: ein Interview, eine Promo, ein Gig. In diesen Tagen wollen wir nun auch Zeit haben, um wirklich mal wieder für uns zu sein und zu reden.» Und natürlich soll fleissig Musik gemacht werden, denn Sessions mit der vollzähligen Band sind rar. «Wir wohnen an verschiedenen Orten und haben nebenbei unsere Arbeit und weitere Projekte am Laufen», erklärt die Sängerin weiter.

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Am letzten Probetag dürfen wir den Delilahs über die Schultern schauen. Die Band bewohnt das charmante und bunte Kulturhaus während dieser Tage allein. Nach einem kurzen Spaziergang durch die unteren Stockwerke finden wir die Delilahs am Tisch versammelt, nutzen die Chance und legen gleich vor der nächsten Probesession mit dem Interview los.

zentralplus: Delilahs, das neue Album heisst «Ideal» – woher der Name? Die ideale Platte?

Muriel Rhyner: Nein, in erster Linie kommt der Name daher, dass wir Ideale hinterfragen. Wir spielen mit Klischees und den aufgesetzten Rollen für Frauen und Männer – das spiegelt sich auch auf den neuen Fotos fürs Album.

Das Spiel mit Klischees ist auch Thema des neuen Pressebildes der Delilahs.

Das Spiel mit Klischees ist auch Thema des neuen Pressebildes der Delilahs.

(Bild: zvg)

Isabella Eder: Andererseits … So haben wir das gar noch nie betrachtet. Man könnte schon sagen, dass «ideal» auch auf uns zutrifft – wir haben uns mit der ganzen Produktion sehr wohl gefühlt. Es ist das erste Album, welches wir ganz ohne Label auf den Markt bringen. Und innerhalb der Band stimmt es total, nachdem es zeitweise – auch mit unserer Bandgeschichte – ein Auf und Ab war.

«Wir haben uns gefunden, aber nicht definiert.»

Philipp Rhyner

zentralplus: Ein paar Mal werdet ihr bestimmt noch proben, im Mai geht es dann richtig los mit der Tour. Aufgeregt?

Daniel Fischer: Schon auch, aber vor allem herrscht Vorfreude. Wir haben nun seit vier Jahren erstmals wieder neue Songs produziert. Das ist musikalisch eine Herausforderung, weil wir uns erst wieder aufeinander abstimmen müssen. Andererseits bringt es dich selber erneut in Wallung.

Philipp Rhyner: Es war super, das erste Mal seit dem Studio wieder live zu spielen. Ich glaube, niemand von uns kann es noch erwarten, damit endlich auf die Bühne zu gehen!

Wir mussten erst etwas suchen – dann haben wir die Band versammelt am Küchentisch entdeckt. Und sie freuen sich, bald auch mit den Zuger und Luzerner Fans abzurocken:

zentralplus: Die erste Album-Single «Bricks» klingt ähnlich wie Songs aus eurem letzten Album «Past true Lust». Habt ihr euch bewusst in diese Richtung entwickelt und dem Punk Ade gesagt?

M. Rhyner: Bewusst in diese Richtung entwickelt haben wir uns definitiv, ja. Vor allem, nachdem eben unser letztes Album «Past True Lust» entstanden ist. Für mich als Songwriterin ist der Punkrock nicht genug, da ist noch viel mehr in meinem Kopf. Vom Punk verabschiedet haben wir uns keinesfalls, sondern die Projekte aufgeteilt. Live spielen wir sicher rockiger als im Studio und mit «Delilahs 77» machen wir nach wie vor Punk, und das sehr oft.

P. Rhyner: Und damit können wir auch unsere Wurzeln richtig ausleben. Unser Stil ist die logische Weiterführung des letzten Albums und der Punkt, wo wir vorerst hinwollen. Aber wir lassen uns treiben: In ein paar Jahren werden wir vielleicht wieder ganz anders klingen. Ich würde sagen, wir haben uns gefunden, aber nicht definiert.

Fischer: Wir sind Punk-Rocker, die mit Pop experimentieren. So ist es eigentlich (lacht).

«Seit die Band aus zwei Frauen und zwei Männern besteht, müssen wir auf jeden Fall lauter schreien, um richtig wahrgenommen zu werden.»

Muriel Rhyner

zentralplus: Also keine Songs, die bewusst nur fürs Radio sind?

M. Rhyner: Nein. Wir machen schon seit Jahren radiotaugliche Musik, fernab vom richtigen Punk, das ist eigentlich nichts Neues. Wir werden zwar, vor allem in Zug, schon gespielt, da dürfen wir uns nicht beklagen. Oft packen Radios aber irgendwelche älteren Nummern aus, anstatt die neuen Songs zu pushen. Was uns manchmal ganz schön verwundert und – zugegeben – auch etwas nervt. Seit die Band aus zwei Frauen und zwei Männern besteht, müssen wir auf jeden Fall lauter schreien, um von den Medien oder Radios richtig wahrgenommen zu werden.

zentralplus: Apropos Radio: Beim SRF 3 wart ihr letztens für den «Besten Schweizer Rocksong» nominiert – und habt auf Facebook diese «Ehre» mit einem ironischen Post über euren Stil kommentiert. Wart ihr nicht auch etwas stolz?

Auf der Facebook-Page haben die Delilahs ihre Nomination sichtlich amüsiert kommentiert:

Eder: Jein. Natürlich war es cool, dass wir zu den Nominierten gehören. Allerdings haben sie beim SRF einen unserer ältesten Songs rausgesucht, aber mit 2014 datiert, was nicht wirklich stimmt. Und was die Diskussion über den Stil betrifft, finden wir es gerade lustig, das ironisch zu sehen.

M. Rhyner: Ich habe die Melodien und die Popmusik schon immer geliebt. Es wird aber immer sehr negativ gesehen, sobald dir jemand sagt, du machst Pop, ist das eine Beleidigung. Ich fasse es mittlerweile aber als Kompliment auf. Wir machen, finde ich, gute, ehrliche Popmusik, mit zum Teil auch recht pointierten Texten.

zentralplus: Apropos alte Songs – gibt es das noch, dass jemand an ein Konzert kommt, der den «Formationswechsel» noch nicht mitbekommen hat?

Fischer: Ja, tatsächlich kommt an fast jedem Konzert jemand angelaufen und meint: «Das waren doch mal drei Frauen?»

zentralplus: Wünscht ihr euch deshalb wieder mehr Präsenz in Radio und Medien?

P. Rhyner: Ja und nein. Klar wäre es cool, wenn die neuen Songs gespielt werden.

Fischer: Andererseits würde dann vielleicht im «Blick» mal wieder Thema, wo wir in den Ausgang gehen oder irgendso ein Schwachsinn. Diese «Glanz und Gloria»-Tauglichkeit, auf die können wir verzichten, finde ich.

In der Gaststube des Kulturhaus Grünenwald wurden die neuen Songs fleissig eingeübt.

In der Gaststube des Kulturhauses Grünenwald wurden die neuen Songs fleissig eingeübt.

(Bild: lob)

M. Rhyner: Das würde dann vermutlich auch wieder ein paar Hater mehr auf den Plan rufen. Im Stil von «Hast du gesehen, was die Olle wieder gemacht hat?» Wir nerven die Leute lieber mit unserer Musik als mit unseren Privatleben (lacht).

zentralplus: Zu etwas ganz anderem: Ihr habt in der Galvanik eine Folge «KitchenCase» aufgenommen, die Ende März ausgestrahlt wird. Da zeigt ein Koch meistens Unternehmen, wie man schnell und frisch Verpflegung zaubert. War bei euch Koch-Nachhilfe nötig?

M. Rhyner: Nein, wir wurden angefragt und haben dann gerne mitgemacht. Wenn wir proben oder zusammen sind, streiten wir uns aber eher ums Kochen, als dass sich jemand drücken will.

Eder: Besonders Muriel und Phillipp. Die schneiden beide zum Beispiel leidenschaftlich gerne Zwiebeln (lacht).

zentralplus: Was gab es als Menü?

P. Rhyner: Spinattaschen, Lachs und Crêpes. Am Lachs hatte ich weniger Freude. Und die Crew hat nicht mitgegessen, sondern Pizza bestellt. Das hat uns schon etwas irritiert.

Eder: Und den Crêpe-Teig hinzukriegen, war gar nicht so einfach. Aber es war eine lustige Erfahrung.

Die Delilahs in Action.

Die Delilahs in Action.

(Bild: lob)

zentralplus: Was esst ihr auf Tour am liebsten?

Fischer: Eher leicht verdauliche Gerichte, vor allem vor den Auftritten. Ein Fresskoma wär da nicht so produktiv.

Eder: Obwohl wir heute Älpler Magronen gekocht haben. Und gestern Fajitas …

P. Rhyner: Das war ja auch nur für die Proben, wie brauchen Energie (lacht).

zentralplus: Ihr habt in einem früheren Interview mal gesagt, dass ihr nicht wisst, wie lange ihr noch in Zug bleibt. Nun seid ihr noch da – wollt ihr auch bleiben?

M. Rhyner: Ich wohne noch in Zug, habe vor allem im letzten Jahr aber zum Beispiel sehr viel Zeit in Österreich im Studio und bei meinem Freund im Emmental verbracht. Ausserdem bin ich öfters auch bei meinen Eltern im Tessin. Deshalb bin ich selten ohne Koffer unterwegs – das ist fast schon eine Lovestory zwischen uns beiden. Zug bleibt meiner Meinung nach unser Fokus, unsere Heimat. Aber mit tut es gut, immer auch wieder andere Orte zu sehen.

zentralplus: Nach dem neuen Album – was wünscht ihr euch als Band für die Zukunft?

P. Rhyner: Dass wir in dieser Konstellation weitermachen können. Es macht nämlich riesig Spass.

Eder: Nochmals eine richtig geile, ausverkaufte Tour.

M. Rhyner: Genau. Zwar werden in Zukunft auch Themen wie Familienplanung auf uns zukommen, wir möchten aber eigentlich alle, dass es die Delilahs noch lange geben wird. Ich wünsche mir Konzerte, an denen die Besucher auch kräftig mitsingen! Das sind Gänsehautmomente.

Zum Abschluss ein kleiner Vorgeschmack gefällig? So klingt die erste Album-Single «Bricks»:

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