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Die Fenster des Anstosses: das farbige Hotel Schweizerhof. (Bild: Elge Kenneweg)

Müssen die farbigen «Schweizerhof»-Fenster weg?

Der Streit um die farbig beleuchteten Fenster des Stadtluzerner Hotels Schweizerhof erregt die Gemüter. Viele Bürger ärgern sich über die Haltung der Stadt. Diese verlangt, dass die Beleuchtung entfernt wird, weil sie nicht dem städtischen Beleuchtungskonzept Plan lumière entspricht. Doch weil die Besitzerfamilie rund um Hotelier Patrick Hauser nicht klein beigibt, muss sich nun das Verwaltungsgericht mit dem Fall befassen. In unserem Pro & Contra duellieren sich Dieter Geissbühler und Robert Casagrande.

Fröhliche Farbigkeit alleine genügt nicht

Es mag ja nachvollziehbar sein, dass für viele Leute dies ein unbedeutendes Problem ist und die Stadt Luzern ganz sicher grössere Probleme hat. Im vorliegenden Fall zeigen sich drei wichtige Missverständnisse zur Rolle eines Gebäudes in seinem Kontext.

Missverständnis Nummer eins: Fenster sind nicht nur Augen nach aussen.

Die Fenster von Gebäuden sind seit jeher Vermittler zwischen innen und aussen. Sie ermöglichen den Blick nach aussen, genauso wie sie den vom Bewohner meist sehr präzise gesteuerten Blick nach innen eröffnen. Jean Nouvel hat das beim The Hotel sehr subtil zum Thema gemacht. Die von ihm aufgebaute Szenografie spielt damit, dass sie zwischen dem Hotelgast und dem Betrachter von aussen einen Dialog aufbaut. Die zweidimensionale Lichtgestaltung an der Fassade des Hotels Schweizerhof bleibt dekorativ, das heisst, ihr fehlt die Tiefe, die Interaktion zwischen innen und aussen. Sie wird zum Screenshot.

Missverständnis Nummer zwei: Luzern ist nicht Las Vegas.

Während dieser Screenshot für Las Vegas zum urbanen Kommunikationsmedium geworden ist und das Spezifische dieser Stadt ausmacht, verkommt ein solches Ansinnen in Luzern zur Plattitude. Ihr fehlt der Zusammenhang zum Spezifischen von Luzern. Es geht also um die Frage der Message. Ihr haftet etwas Marketinggesteuertes an, das sich ausschliesslich auf das Hotel Schweizerhof bezieht: Hauptsache ich werde schon vom KKL oder vom Bahnhof aus als Individuum wahrgenommen. Dazu werde ich zum Exhibitionisten. Und wie beim Exhibitionismus generell, stellt sich die Frage des Masses und der Glaubwürdigkeit. Beides ist hier kritisch zu beurteilen.

Missverständnis Nummer drei: Ein Gebäude ist mehr als Privateigentum.

Jedes Gebäude, aber ein Hotel im Besonderen, steht an der Schnittstelle zwischen dem privaten und dem öffentlichen Raum. Der «Schweizerhof» kann nicht nur auf die Bedürfnisse des Besitzers eingehen, sondern muss auch seiner Rolle als Bestandteil des kollektiven Raumes gerecht werden. Das Gebäude schafft dies mit seiner heutigen Gestaltung auf überzeugende Weise, die «fröhliche» Farbigkeit allerdings stört die vornehme Zurückhaltung, mit der sich das Haus am Tag in das Stadtbild einfügt.

Der von der Stadt Luzern erarbeitete Plan lumière versucht, als Regelwerk eine solche kollektive Aussage über den Stadtkörper umzusetzen. Solch bunte Ausreisser wie sie das Hotel Schweizerhof nun ausstrahlt, vermitteln ein völlig falsches Bild. In Luzern geht es um die Authentizität einer Geschichte respektive der Versuch, sich dieser anzunähern. Darum müssen wir äusserst vorsichtig damit umgehen, wie wir dieses Bild in die Zukunft tragen, und gerade darum ist die Diskussion darüber, wie solche Gestaltungen gemacht sind, alles andere als eine beiläufige Randerscheinung.

Das Verhalten der Stadt ist ein Skandal

Die farbigen Fenster des Hotel Schweizerhof müssen unbedingt erlaubt sein. Es geht nicht, dass der Staat oder diesem Fall die Stadt entscheiden kann, was in einem Schaufenster ausgestellt werden darf.

Das Äussere ist für einen Betrieb wichtig, da sich die Kunden meistens über visuelle oder emotionale Kontakte entscheiden. Wenn ein Kunde sich durch eine gut beleuchtete Vitrine angesprochen fühlt, geht er in ein Geschäft und kauft ein.

Auffallen ist wichtig

Jedes Hotel soll anders sein. Der erste Eindruck ist wichtig, und eine Fassade, eine überdimensionale Reception oder individuelle Zimmer sind ein wichtiges Puzzleteil, das darüber entscheidet, ob ein Hotel Erfolg hat oder nicht. Luzern lebt vom Tourismus. Dies ist eine sanfte Industrie und trägt mit 26 Prozent zum Volkseinkommen der Stadt bei.

Die Leute, die dies verbieten wollen, gefährden den Wohlstand von Luzern und sind sich nicht bewusst, dass die Schweiz nur Erfolg hat, wenn sie aussergewöhnlich ist. In Luzern haben die Hotelpioniere eine fantastische, etwas protzige, aber auffallende Kulisse geschaffen. Die Stadt hat Dank viel privatem Sponsoring nachgedoppelt und ein KKL geschaffen.

Politik soll wirtschaftsfreundlicher werden

Ich wünschte mir, dass die Politik wirtschaftsfreundlicher entscheiden würde und nicht nur neue Reglemente und Gesetze einführt. Luzern muss ein guter Dienstleister sein, der die Infrastruktur schafft, damit die Besitzer und Geschäftstreibenden einen Anreiz haben, in die Liegenschaften und Objekte zu investieren und nicht den «Verleider» bekommen.

Die Familie Hauser hat einen wichtigen Beitrag zum touristischen Erfolg Luzerns beigetragen, und es ist ein Skandal, dass die Stadt die Konfrontation sucht.

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