Auf dem Schwarzmarkt werden ESAF-Tickets völlig überteuert angeboten. (Bild: zvg / Montage)
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Auf dem Schwarzmarkt werden ESAF-Tickets völlig überteuert angeboten. (Bild: zvg / Montage)

ESAF findet kein Rezept gegen Ticket-Abzocke

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Im Netz kursieren überteuerte Tickets für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Zug. Das OK des Schwingfestes will dies zwar nicht tolerieren. Mit konkreten Massnahmen tun sich die Veranstalter allerdings schwer, obwohl das Problem bereits 2016 in Estavayer bestand.

Elias Wyrsch

Auf «Ricardo» werden weiterhin Tickets fürs Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) zu astronomischen Preisen angeboten (zentralplus berichtete). So findet man beispielsweise zwei Sitzplätze für beide Tage zu einem Preis von 1’600 Franken. Der offizielle Preis dafür würde zwischen 300 und 490 Franken liegen. Damit steht dieses Angebot nicht allein im Raum. Die meisten Anbieter auf der Versteigerungsplattform verlangen bei einem Sofortkauf das Doppelte bis Vierfache des originalen Preises.

Auf der Plattform für Online-Inserate «Tutti» sieht es ähnlich aus. Dabei betonte das OK des ESAF vergangene Woche, dass solche Verkäufe nicht in ihrem Sinne seien (zentralplus berichtete). Der Medienverantwortliche des ESAF, Freddy Trütsch, betont, dass der Weiterverkauf nicht grundsätzlich missbilligt werde.

«Jeder Veranstalter ist damit konfrontiert»

Die Kritik richte sich gegen jene Verkäufer, die nur profitieren wollen und den «echten Fans» die Plätze wegnehmen. Das OK gehe aber davon aus, dass es mit den überteuerten Verkäufen nach dieser Welle erst einmal vorbei ist.

«Wir hoffen, dass durch unsere Massnahmen und die klare Kommunikation unsererseits der illegale Handel auf ein Minimum zurückgeht», so Trütsch. Ganz könne man es wohl nie verhindern. Damit seien jedoch Veranstalter jedes Festes konfrontiert.

Von personalisierten Tickets sieht man ab

Ob man die entsprechenden Personen belangen könne, sei fraglich, meint der Medienverantwortliche. Mit Ricardo habe man zwar Kontakt aufgenommen, allerdings berufe sich die Plattform auf das Datenschutzgesetz und man könne sie nicht dazu zwingen, Nutzerdaten herauszurücken.

Die angekündigten Massnahmen, wie der Verfall der Gültigkeit solcher Tickets, würden auf jeden Fall überall, wo möglich, durchgezogen. Im Vorfeld wurde auch die Variante mit registrierungspflichtigen, also persönlichen Tickets im OK besprochen. Davon wurde aber aus verschiedenen Gründen abgesehen.

Der Aufwand ist zu gross

«Personalisierte Tickets würden den Abgleich mit einem Ausweis beim Eintritt nach sich ziehen», so Trütsch. Das bringe einen riesigen Aufwand mit sich. Es beginne aber bereits bei der Ausstellung der Tickets, die auf diese Weise eine höhere administrative Anstrengung verlangen würde. Auch der Eidgenössische Schwingerverband habe deshalb davon abgeraten.

Die Idee personalisierter Tickets hatte man bereits beim ESAF 2016 in Estavayer aus den gleichen Gründen verworfen. Der OK-Präsident Albert Bachmann erklärte damals gegenüber den Medien ausserdem: «In der Schwingerfamilie ist es normal, dass man die Tickets weitergeben kann. Mit der Personalisierung wäre das nicht mehr möglich.»

Dieselben Probleme in Estavayer

Auch 2016 wurden auf etlichen Plattformen wie Ricardo, Tutti oder Anibis ESAF-Tickets zu hohen Preisen angeboten. Damals wurden etwa für zwei Zweitagespässe mit Rasensitzplatz 799 Franken verlangt. Der offizielle Preis lag bei 460 Franken.

«Da würde man sicher nicht einfach stillschweigend zusehen.»

Freddy Trütsch, ESAF Medienverantwortlicher

«Es geht dabei auch um die Verhältnismässigkeit», so Trütsch. Es seien jeweils nur eine Handvoll Tickets, die auf diese Weise weiterverkauft werden. Im Vergleich zu der Gesamtzahl der Tickets wäre deshalb ein derartiger Mehraufwand unverhältnismässig, meint er.

Fälschungen sind kein Problem

Bei Schwarzmarkthändlern, die im August vor Ort Tickets überteuert anbieten würden, sei eine Intervention einfacher. «Da würde man sicher nicht einfach stillschweigend zusehen», sagt Trütsch. Er sei sich aber äusserst unsicher, ob es jemand wagen würde, sich direkt vor die Arena zu stellen, um Tickets zu verkaufen. «Gerade nachdem wir unsere Haltung dazu so klar kommuniziert haben», ergänzt er.

Zumindest mit Fälschungen der Tickets muss man sich wohl kaum herumschlagen. Bei den Sitzplätzen wäre eine Fälschung eher sinnlos, man müsste auf einen freien Platz hoffen. Würde der eigentliche Besitzer des Platzes reklamieren, würde ein Fälscher wohl auffliegen. Bei den Stehplätzen würde das unter Umständen funktionieren, allerdings habe man laut Trütsch an vergangenen Eidgenössischen keine Probleme diesbezüglich gehabt.

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