Stefan Schulthess, Geschäftsführer der SGV-Gruppe, setzt auf eine massvolle Entwicklung des Unternehmens. (Bild: bic)
Wirtschaft Tourismus

Stefan Schulthess, Geschäftsführer der SGV-Gruppe, setzt auf eine massvolle Entwicklung des Unternehmens. (Bild: bic)

Wegen Unmut: Luzern verzichtet auf zusätzliches Touristenschiff

6min Lesezeit

Die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) scheint ihr Wachstumspotenzial langsam ausgeschöpft zu haben. Dies hat unter anderem der letztjährige Rekordsommer gezeigt. Potenzial nach oben gäbe es im touristischen Bereich. Doch aufgrund der aktuellen Diskussion in Luzern ist man hier vorsichtig geworden.

Die SGV-Holding blickt auf ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr zurück. Rund 80 Millionen Franken betrug der Umsatz 2018. Die neu gegründete Holding-Gesellschaft nahm per Anfang des vergangenen Jahres den Betrieb auf und vereint die Gastrofirma Tavolago, den Schiffbauer Shiptec, die SGV Express AG mit dem Bürgenstock-Shuttle und den Schiffbetrieb unter einem gemeinsamen Dach.

«Das ist kein gutes, sondern ein sehr gutes Ergebnis», sagte Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Schurter am Dienstag vor den Medien. Insbesondere der Bereich der Schifffahrt konnte letztes Jahr stark zulegen und einen neuen Passagierrekord aufstellen. Drei Millionen Menschen waren über das Jahr auf dem Vierwaldstättersee unterwegs. Das entspricht einer Zunahme von 14 Prozent. Daraus resultierte in diesem Geschäftsbereich ein Gewinn von 2,3 Millionen Franken.

Bürgenstock-Shuttle: Auslastung ist zu tief

«Natürlich ist dieser Erfolg auch auf die tollen Rahmenbedingungen wie den nicht enden wollenden Hitzesommer zurückzuführen», sagte Schurter. Man gehe deshalb nicht davon aus, dass man die Zahl dieses Jahr wird toppen können. Auch der Shuttle-Service auf den Bürgenstock habe zum guten Ergebnis beigetragen. 300'000 Personen nutzten dieses Angebot.

«Zusätzliches Wachstum ist fast nur mit ausländischen Gästen möglich.»

Stefan Schulthess, Geschäftsführer SGV-Holding

Dennoch gibt es einen Wermutstropfen. «Um das Angebot zum Bürgenstock auch 2019 kostendeckend betreiben zu können, müssten wir mindestens 350'000 Passagiere befördern», rechnete Geschäftsführer Stefan Schulthess vor. Man gehe jedoch nicht davon aus, dass man dieses Ziel erreichen wird. Schulthess rechnet für dieses Jahr folglich mit einem Verlust in dieser Sparte.

Potenzial des MS Diamant ist ausgeschöpft

Ungeachtet dessen ist die SGV-Gruppe generell auf Wachstumskurs und die Ausgangslage für eine weitere Umsatzsteigerung laut Schulthess grundsätzlich gegeben. Doch Wachstum sei hauptsächlich bei den touristischen Angeboten vorhanden. Denn auch das MS Diamant, die der SGV die Tür zu einem neuen Markt geöffnet hatte, habe wohl ihren Zenit erreicht, was die Auslastung betrifft. 

«Im vergangenen Jahr konnten wir das Schiff 50-mal für Events vermieten, was auch sehr interessant für die Schiffsgastronomie der Tavolago war», sagt Schulthess. Es sei aber nicht so, dass Firmen dies jedes Jahr machen. Zudem sei der grosse Hype, den es um das «Luzerner Kreuzfahrtsschiff» zu Beginn gegeben hatte, mittlerweile abgeflaut. «Die meisten sind jetzt einmal mit der Diamant gefahren», so der Geschäftsführer.

Verzicht auf zusätzliches Schiff

Für die SGV heisst das also, dass das Wachstum andernorts realisiert werden muss. «Die Zahlen der einheimischen Gäste sind sehr stabil. Zuwachs ist deshalb fast nur mit ausländischen Gästen möglich», sagt Schulthess.

Zum Beispiel bei der einstündigen Rundfahrt im Luzerner Seebecken, wie sie heute mit dem MS Saphir angeboten wird. «Dieses Angebot ist hoch rentabel und es würde sich rechnen, wenn wir doppelt so viele Fahrten pro Tag anbieten würden», so Geschäftsführer Schulthess. Deshalb habe man in der Strategie ursprünglich geplant, ein zweites Schiff zu bauen. Aktuell fährt die Saphir täglich achtmal vom Schwanenplatz Richtung Kreuztrichter und zurück. 

«Ohne die Touristen könnten wir kaum ein ganzjähriges Angebot aufrechterhalten.»

Stefan Schulthess, Geschäftsführer SGV-Holding

«Trotz der aussichtsreichen Marktlage haben wir uns auch den verschiedenen Anrainern des Schwanenplatzes zuliebe entschieden, das Angebot nicht auszubauen. Wir hatten das Gefühl, dass es eine zu grosse Provokation wäre, wenn pro Stunde noch einmal 200 Leute mehr am Quai ein- und ausstiegen», sagt Schulthess. Will heissen: Man will den Kredit bei der Bevölkerung nicht aufgrund von kurzfristigen Gewinnen leichtfertig verspielen und dazu beitragen, dass die Stimmung nicht zu Ungunsten der SGV und der anderen touristischen Unternehmen kippt. 

Nachhaltigkeit statt kurzfristigem Profit

Bei der SGV hat man also erkannt, dass eine Weiterentwicklung des Tourismus in Luzern langfristig nur funktionieren kann, wenn sie nachhaltig geschieht. «Das ganze muss im Masse und mit dem Einverständnis der Bevölkerung geschehen», ist sich Schulthess im Klaren. 

Deren Interessen und die damit verbundenen Rahmenbedingungen müsse man akzeptieren, auch wenn man damit selber vielleicht nicht vollkommen glücklich sei, fasst er zusammen. «Auf Teufel komm raus etwas durchzuboxen, kommt sicher nicht gut. Denn Wachstum heisst immer auch Verantwortung», so Schulthess. 

Sie hätte eigentlich eine Schwester bekommen sollen: Die Panorama-Yacht «Saphir».
Sie hätte eigentlich eine Schwester bekommen sollen: Die Panorama-Yacht «Saphir». (Bild: zvg)

Weniger Touristen heisst weniger Kurse für Einheimische

In diesem Sinne erlebe er auch die Zusammenarbeit zwischen den touristischen Playern einerseits und der Stadt sowie den Hochschulen andererseits als sehr eng und konstruktiv. Denn gerade was die Schiffahrt betreffe, profitierten die Luzerner sehr stark von den ausländischen Gästen, so Schulthess.

«Ohne die Touristen, die auch im Winter das Schiff benutzen, könnten wir kaum ein ganzjähriges Angebot aufrechterhalten, wie wir es momentan anbieten. Wir müssten wohl einige Kurse streichen.» Dieser Punkt werde in der Diskussion leider zu oft vergessen, bedauert Schulthess. Wie sich die Strategie der SGV mittelfristig präsentieren wird und inwiefern es möglich und gewollt ist, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen, wird sich weisen.

Auch die Klimadiskussion schlägt durch

Neben der gesellschaftspolitischen Diskussion über die Nachhaltigkeit im Tourismus scheint sich auch die Klimadebatte auf die Strategie der SGV auszuwirken. «Wir brauchen für unsere Schiffe 2,5 Millionen Liter Treibstoff im Jahr. Hier versuchen wir uns zu verbessern», erklärt Schulthess. 

Mit verschiedenen Massnahmen sei es in der jüngsten Vergangenheit gelungen, den Verbrauch um gut 20 Prozent zu senken. «Diesen Winter haben wir zum Beispiel das MS Waldstätter, ein eher altes Schiff, mit einem neuen, sehr teuren Hybridmotor ausgestattet», sagt Schulthess. Letztlich helfe dies dem Klima und langfristig auch der SGV-Kasse, so seine Hoffnung.

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