Die Frage «Was macht ein erfolgreiches Crowdfunding aus?» wurde in einer Paneldiskussion von verschiedenen Expertinnen diskutiert. (von links): Beat Hodel, Thomas Dübendorfer, Patrizia Laeri (Moderation), Johannes Hartmann, Patrycja Pielaszek. (Bild: arnet fotografik)
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Die Frage «Was macht ein erfolgreiches Crowdfunding aus?» wurde in einer Paneldiskussion von verschiedenen Expertinnen diskutiert. (von links): Beat Hodel, Thomas Dübendorfer, Patrizia Laeri (Moderation), Johannes Hartmann, Patrycja Pielaszek. (Bild: arnet fotografik)

«Die Community muss stetig bei Laune gehalten werden»

6min Lesezeit

Crowdfunding liegt im Trend. Auf diesen Hype ist auch die Luzerner Kantonalbank mit der «Funders»-Plattform aufgesprungen. An einer Expertendiskussion zeigt sich jedoch, dass es für ein erfolgreiches Crowdfunding weitaus mehr braucht als ein gutes Projekt.

Sara Hensler

Crowdfundings sind in aller Munde, kaum ein Start-up will sich diese Chance entgehen lassen. Diesen Mittwoch organisierten die Verantwortlichen von «Funders» im Hotel Schweizerhof in Luzern eine Veranstaltung rund um dieses populäre Thema.

Unter anderem wurde dabei erstmals der «Funders-Award» verliehen: ein Preis für ein Projekt, das bei «Funders» erfolgreich Geld generieren konnte. Dabei setzte sich ein Schulhausprojekt in Burkina Faso gegen prominente Mitbewerber durch (siehe Box).

 

Summe verdreifacht

Crowdfunding feiert Hochkonjunktur – in der Schweiz, aber auch weltweit. Rund 375 Millionen Franken wurden 2017 über Crowdfunding-Plattformen hierzulande vermittelt. Das sind fast dreimal so viel wie im Vorjahr, wie eine Studie der Hochschule Luzern belegt. Der Grundgedanke ist simpel: Innovative Menschen mit einer Idee sammeln für die Umsetzung ihres Projektes Geld übers Internet.

Und es funktioniert: Wie unter anderem das nationale Crowdfunding des Online-Magazins «Republik» demonstriert hat, können durch Crowdfunding enorme Geldbeträge zusammenkommen: Über drei Millionen Franken hat das Medium für die Realisierung gesammelt.

Luzerner Kantonalbank mischt mit

Auch auf lokaler Ebene wurden bereits einige Luzerner Projekte mit Hilfe von Crowdfunding realisiert. So zum Beispiel jüngst die 15'000 Franken teure Trainingsküche im Lido für Spitzenkoch Mario Garcia oder die 130'000 Franken für den Luzerner Tiefsteuerfilm «Kopf oder Zahl» (zentralplus berichtete). Die Liste könnte man weiterführen, etwa mit dem B-Sides-Kochbuch, dem Projekt «Wasser für Wasser», verschiedenen Band-Alben oder dem Kleiderladen «Glore». Bei allen stand am Anfang die Finanzierung durch Gelder übers Internet.

Erster Funders-Award verliehen

Zum ersten Mal wurde diesen Mittwoch der Funders-Award verliehen. Für diesen wurden aus insgesamt 180 erfolgreichen Projekten der Funders-Plattform drei Projekte über ein Online-Voting ausgewählt und schliesslich der Sieger gekürt. Nominiert waren die Projekte «Hison – Schulhausbau in Burkina Faso», «SC Kriens: Bau mit uns das neue Kleinfeld und werde Stadionbauer» und «AureusDrive Einfach E-Bike – Das Neue!». Das Projekt «Hison», das sich für den Schulhausbau in Burkina Faso einsetzt, ging als Gewinnerin hervor und erhält ein Preisgeld von 5'000 Franken.

Die Luzerner Kantonalbank stieg 2016 auf den Trend auf und mischt mit ihrer eigenen Crowdfunding-Plattform Funders zuvorderst mit (zentralplus berichtete) – neben anderen Anbietern wie «Wemakeit» oder «100-days». Während zu Beginn primär kulturelle und soziale Projekte aus dem Sport unterstützt wurden, hat die LUKB seit 2018 die Plattform erweitert.

Experten-Talk am Funders-Event

Noch vor der Award-Vergabe sprachen am frühen Mittwochabend unter der Leitung von Patrizia Laeri Expertinnen in einer Paneldiskussion zum Thema. Dass es für ein erfolgreiches Crowdfunding mehr braucht als nur ein gutes Projekt, weiss zum Beispiel Johannes Hartmann. Er ist Regisseur des Films «Mad Heidi», für dessen Realisierung sein Team und er bereits über 110'000 Franken sammeln konnte. «Zuallererst benötigt man eine breite Community», betonte er.

«Bereits zu Beginn haben wir uns durch einige kurze Filmausschnitte eine Fangemeinde über Facebook gesammelt», erzählte Hartmann während der Paneldiskussion. So kamen am ersten Tag des Crowdfunding schon 15'000 Franken zusammen.

Community muss bei Laune gehalten werden

Zwar sei dieser Startschuss enorm wichtig gewesen, reiche jedoch nicht, um sich zurückzulehnen. «Die aufgebaute Community muss stetig bei Laune gehalten werden. Mit Trailern, Bildern und verschiedenen Finanzierungsrunden muss man die Leute weiterhin an das Projekt binden», so Hartmann.

«Die Rollen für Statisten-Leichen sind bereits ausverkauft.»

Johannes Hartmann, Regisseur vom Film «Mad Heidi»

Bei Spenden ab einem gewissen Betrag sei es bei ihrem Projekt zum Beispiel möglich gewesen, eine Statistenrolle im Film zu erhalten. «Diese waren sehr schnell weg. Die Rollen für Statisten-Leichen sind bereits ausverkauft», sagte Regisseur Hartmann und löste damit ein lautes Gelächter im Publikum aus.

Breite Community ist nicht alles

Auch die restlichen Experten bestätigen, dass eine breite Community die Basis für ein erfolgreiches Crowdfunding ist – doch längst nicht alles. «Transparenz, gute Kommunikation und Authentizität, das sind drei essentielle Bestandteile», sagte zum Beispiel Patrycja Pielaszek. Sie begleitet und berät verschiedene Start-ups, darunter auch die Luzerner Organisation «Wasser für Wasser». 

«Die heutige Generation will ausserdem einen Mehrwert für die Community», so Pielaszek. Dies sei zwar besonders in der kreativen Branche extrem schwierig, aber dennoch wichtig. Und schliesslich, so Pielaszek, sei Vertrauenswürdigkeit beziehungsweise ein Gütesiegel ebenfalls von Wichtigkeit. Nur so können fremde Personen über das eigene Bekanntennetz hinaus motiviert werden, auch tatsächlich Geld zu spenden.

Betrugsfälle wecken Misstrauen

Zwar seien in der Schweiz die Projekte relativ klein, aber dennoch seien viele misstrauisch, wo das eigene Geld letztlich hinfliesst. «Es gibt immer wieder negative Beispiele eines Crowdfunding, wo das Geld in fremde Taschen statt in das Projekt fliesst», erläutert Thomas Dübendorfer, Präsident des Swiss Investor Club, einer Organisation, die zwischen Start-ups und Investoren vermittelt.

In der Schweiz gebe es sehr viele Plattformen für Crowdfunding, meint Dübendorfer. «Das ist zwar sehr ineffizient, aber dadurch kennt man schnell über drei Ecken jemanden vom Projekt.» Trotzdem müsse sehr genau geprüft werden, wer genau hinter dem jeweiligen Projekt stecke und was mit dem gespendeten Geld passiere.

«Crowdfunding wird ein Nischenphänomen bleiben»

Hier stimmt auch Beat Hodel, Mitglied der Geschäftsleitung der Luzerner Kantonalbank (LUKB), mit ein. «Bevor die Luzerner Kantonalbank in ein Projekt investiert, müssen verschiedene Belege zur eigenen Bonität abgelegt werden», so Hodel.

«Wenn man merkt, dass jemand für seine Idee brennt, können viele Leute mitgerissen werden.»

Beat Hodel, Geschäftsleitung Luzerner Kantonalbank

Mit der erst vor wenigen Jahren gegründeten Plattform Funders der LUKB sei er noch relativ neu im Geschäft. Trotz des Hype habe Crowdfunding auch seine Grenzen: «Bisher sind die Crowdfundings noch immer für Nischenprojekte.» Hodel geht deshalb davon aus, dass das Phänomen keine Konkurrenz für das Kreditsystem der Banken werden kann.

Doch auch er ist weiterhin überzeugt vom Modell. «Wenn man merkt, dass jemand für seine Idee brennt, können viele Leute mit der Idee mitgerissen werden», so das Schlusswort Hodels.

Einige Eindrücke des «Funders-Award»-Events:

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