Moderne Elektro-Autos lassen sich immer schneller aufladen. (Bild: Pandora Studio)
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Moderne Elektro-Autos lassen sich immer schneller aufladen. (Bild: Pandora Studio)

So wird im Kanton Zug die Elektromobilität vorangetrieben

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Noch haperts beim Kanton Zug in Sachen Elektromobilität. Zwar gibt es einige Ladesäulen, innovative Zuger Firmen, und einen Steuerrabatt auf die elektronischen Fahrzeuge. Letzterer könnte aber schon bald Geschichte sein. Ausserdem varieren die Strompreise noch stark.

Elias Wyrsch

Die Zahl an Elektroautos ist in Zug noch nicht all zu hoch. Immerhin sind rund 500 von etwa 75'000 im Kanton angemeldeten Personenwagen rein elektrisch betrieben. Davon sind übrigens fast 300 von der Marke «Tesla». Doch ist der Kanton überhaupt bereit für die «Technologie der Zukunft»?

Und werden Bürger zum Kauf eines Elektroautos angeregt? Denn im Kanton Zug werden nicht wie in anderen Kantonen Subventionen vergeben. Aber man bekommt immerhin einen Rabat auf die Motorfahrzeugsteuer.

Rabatte für Elektroautos

Normalerweise wird die Motorfahrzeugsteuer in Zug durch den Hubraum berechnet. Da Elektroautos aber keinen Hubraum haben, greift man bei ihnen auf das Gewicht zurück. Damit fällt die Steuer in der Regel schon etwas günstiger aus. Obendrauf kommt eine Ermässigung von 50 Prozent für elektrobetriebene Fahrzeuge.

Ein Audi RS 5 Sportback, der wie der Tesla S in der Standard Ausführung etwa 100'000 Franken kostet, hat auch ein vergleichbares Gewicht und eine vergleichbare Leistung wie dieser. Für den Audi zahlt man in Zug aber rund 570 Franken Motorfahrzeugsteuer, für den Tesla hingegen nur 200 Franken.

Mehr Elektroautos, aber immer noch wenig

Dabei bringt ein Elektromobil schon einige Vorteile von sich aus mit. Etwa der finanzielle Vorteil, weil Strom viel günstiger ist als Benzin und Diesel, oder der Fakt, dass das Fahrzeug leise ist und seltener in eine Werkstatt muss.

Das könnten  Gründe sein, weshalb der Anteil Elektroautos bei den Neuzulassungen in Zug in den letzten zwei Jahren um fast 50 Prozent gestiegen ist. 2018 waren dies zwei Prozent aller neuen Fahrzeuge im Kanton.

System der Ladesäulen unausgereift

Handlungsbedarf bestehe vor allem in Sachen Tarifvielfalt, sagt Beat Strickler, der Projektleiter für Elektromobilität der WWZ. Denn die Preise bei öffentlichen Ladesäulen würden enorm variieren, so Strickler.

Ein Blick auf ein Ladesäulen-Verzeichnis wie «swisscharge.ch» zeigt, dass die Preisschwankungen im Kanton Zug wirklich gross sind. Nach einem kurzen durchklicken sieht man bereits, dass die Preise und vorallem die Art der Preisberechnung stark varieren.

Noch nicht alle Gemeinden sind «E-ready»

Auf der Karte wird ebenfalls ersichtlich, in welchen Gemeinden es noch an Ladesäulen mangelt. In Neuheim, Walchwil und Menzingen sind nämlich keine Ladestationen verzeichnet.

Beim Laden kann es aber sogar Zuhause Probleme geben. Denn wer in einem Mehrfamilienhaus wohnt und sein Auto in der Tiefgarage abstellt, hat oft keine Steckdose um sein Fahrzeug zu laden.

Neues System soll Abhilfe schaffen

Hier will die WWZ Abhilfe schaffen. Mit dem neuen Produkt «ready12» bietet WWZ eine Lösung an. Ready12 ist eine Ladestation, die ohne kostspieligen Ausbau des Hausanschlusses auskommen soll.

Zu dem kann dieses System mit mehreren «Schlüsseln» benutzt werden, so dass beispielsweise auch in einem Bürokomplex jeder überall sein Auto laden kann und die Stromrechnung trotzdem personalisiert ist.

Elektrobusse lassen vermutich noch auf sich warten

Auch die Politik ist am Puls der Zeit. Der kantonale Massnahmenplan besagt, dass in die Planung von Neubauten des Kantons vorsorglich Elektromobilität einbezo­gen werden soll.

So sieht der eCitaro in neutraler Lackierung aus.
So sieht der eCitaro in neutraler Lackierung aus. (Bild: zvg)

Bei den öffentlichen Verkehrsmittel sieht es noch sehr verhalten aus (zentralplus berichtete). Zwar hat die ZVB vergangenes Jahr in Zusammenarbeit mit der Bus Ostschweiz AG einen Elektrobus des Modells «eCitaro» gekauft, als erste Verkehrsbetriebe in der Schweiz. Doch der Elektrobus wird voraussichtlich erst im Herbst geliefert.

«50 Prozent Ermässigung für Elektroautos sehe ich langfristig nicht.»

Beat Villiger, Sicherheitsdirektor

Grund dafür seien die momentan noch sehr langen Lieferzeiten für Elektrobusse. Der Ausbau der Elektromobilität sei in der Strategie der ZVB aber festgehalten, sagt die ZVB-Mediensprecherin Karin Fröhlich. Die Elektrobusse werden also kommen. Nur das Wann und das Wie sind noch offen.

Strassen wollen unterhalten werden

Momentan ist der Anteil an Elektrofahrzeugen klein, deshalb sei der Rabatt keine grosse finanzielle Belastung. «Heute haben wir diese 50 Prozent Ermässigung für Elektroautos noch, langfristig sehe ich das aber nicht», sagt Regierungsrat Beat Villiger (CVP), dem das Strassenverkehrsamt unterstellt ist.

Wenn aber in einigen Jahren ein signifikanter Teil der Fahrzeuge elektrisch sind, würden mit dem heutigen System plötzlich Gelder für den Strassenbau fehlen. Eine generelle Überprüfung des Systems sei deshalb in naher Zukunft nötig, meint der Regierungsrat.

Woher kommt der Strom?

Ausserdem sei die Ermässsigung ursprünglich aufgrund der Klimaneutralität eingeführt worden. Mit der Liberalisierung des Strommarktes werde aber die Frage, woher der Strom kommt, immer schwieriger zu beantworten, gibt Villiger zu bedenken.

Im allgemeinen soll der Kanton aber schon Elektromobilitätsfreundlich bleiben. «Ich meine der Kanton Zug deckt die Bedürfnisse der Elektromobilität im Moment entsprechend dem Anteil der elektrischen Fahrzeuge ab», sagt der Regierungsrat. Wenn es mehr Elektroautos gibt würde auch die Infrastruktur entsprechend mitwachsen.

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