Ein Wellnesstempel für 35 Millionen Franken soll's nach dem Betreiber auf dem Krienser Nidfeld geben. (Bild: Facebook-Seite Aquafit Sursee)
Wirtschaft Raumplanung

Ein Wellnesstempel für 35 Millionen Franken soll's nach dem Betreiber auf dem Krienser Nidfeld geben. (Bild: Facebook-Seite Aquafit Sursee)

Was ein Wellnesstempel im Krienser Öko-Viertel zu suchen hat

6min Lesezeit

In der geplanten Nidfeld-Überbauung sollen dereinst 445 neue Wohnungen gebaut werden. Aber nicht nur: Diskutiert wird auch über eine Wellnessoase. Dies, obwohl das Areal als 2000-Watt-Areal zertifiziert werden soll. Wie ist dies innerhalb der Vorgaben möglich?

Die geplante Nidfeld-Überbauung auf dem einstigen Pilatusmarkt-Areal soll vor allem eines werden: ökologisch und nachhaltig. Denn die Immobilienentwicklerin und Totalunternehmerin Losinger Marazzi, welche die Nidfeld-Überbauung plant und realisiert, möchte diese als sogenanntes 2000-Watt-Areal zertifizieren.

«Ein 2000-Watt-Areal ist mehr als eine Siedlung. Es steht für Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Klimafreundlichkeit», heisst es auf der Website. Und weiter: «Das Zertifikat zeichnet Siedlungsgebiete aus, die sich für den Klimaschutz einsetzen und einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen vorweisen.»

Man gibt sich also grün und fortschrittlich. Doch auf dem Nidfeld-Areal wird nicht nur gewohnt. Diskutiert wird als mögliche Alternative ein Wellnesstempel mit Hotel. Entsteht da nicht ein Energiefresser, der den angestrebten Zielen widerspricht?

Mehr als «nur» ein Wellnesstempel

«Im ersten Gedanken kann man das so sehen», sagt Heinrich Gugerli, Leiter Technische Entwicklung 2000-Watt-Areale. «Man kann aber auch argumentieren, dass eine solche Nutzung die Lebensqualität im Areal und dessen Umgebung erhöht und nicht nur Teil eines überbordenen Lebensstandards ist. Immer vorausgesetzt, dass die besten verfügbaren Umwelttechnologien eingesetzt werden.»

Ähnlich klingt es auf Seiten der Projektleiterin Losinger Marazzi. «Es handelt sich ja nicht primär um ein Wellnessbad», sagt Manuel Schneider, Niederlassungsleiter Luzern von Losinger Marazzi. Neben dem Wellnessbad möchte der mögliche künftige Betreiber Kumar Kamlesh Angebote in den Bereichen Therapie, Rehabilitation und Fitness schaffen. «Gesundheit und Wohlbefinden sind Themen, die sicherlich bei den künftigen Bewohnern von Interesse sind», so Schneider.

«Man kann argumentieren, dass eine solche Nutzung die Lebensqualität im Areal und dessen Umgebung erhöht und nicht nur Teil eines überbordenen Lebensstandards ist.»

Heinrich Gugerli, Technischer Leiter 2000-Watt-Areale

2000-Watt-Areale zeichnen sich unter anderem auch dadurch aus, dass sie unterschiedliche Nutzungsformen wie Wohnen, Arbeit und Freizeit vorsehen. Dies ist laut Schneider deshalb wichtig, um ein Quartier möglichst lebendig zu gestalten und Treffpunkte für Bewohner und Arbeitende zu schaffen. «Das ist Teil einer ‹Stadt der kurzen Wege›», so Stefan Glantschnig, Leiter Medienstelle EnergieSchweiz für Gemeinden.

2000-Watt-Areal-Zertifizierung – fürs bessere Image?

Doch in der Bevölkerung stösst der Bauboom in Luzern Süd nicht nur auf offene Ohren. Das Baugesuch für die geplante Nidfeld-Überbauung lag in der Stadt Kriens auf, unter anderem wurde eine Sammeleinsprache dagegen eingereicht (zentralplus berichtete). Das Baugesuch für das Gebäude, in dem das Wellnessbad vorgesehen ist, lag jedoch noch nicht auf, weil die Verhandlungen zwischen Losinger Marazzi und dem Badbetreiber Kumar Kamlesh noch andauern.

«Grün und fortschrittlich geben reicht nicht.»

Stefan Glantschnig, Leiter Medienstelle EnergieSchweiz für Gemeinden

Sorgt man so für höhere Akzeptanz bei der Bevölkerung vor Ort, indem der Investor grün und fortschrittlich agiert? «Dies ist sicher eine Komponente des Nutzens des Zertifikats», sagt Heinrich Gugerli. Aber nicht nur. Weiter gehe es um die laufende Verbesserung der Qualität in Planung, Realisierung und Betrieb eines Areals. Sowie darum, einen Beitrag an das Umsetzen der Energie- und Klimaziele des Bundes zu leisten.

Was ein 2000-Watt-Areal kennzeichnet

Die 2000-Watt-Gesellschaft vereint die nationalen Effizienzvorgaben der Energiestrategie 2050 mit den internationalen Klimazielen von Paris 2015.

Innovative Energiesysteme, ein intelligenter Umgang mit Ressourcen und der konsequente Einsatz von erneuerbaren Energien bilden die Basis des Konzepts. In einem Kriterienkatalog wird insbesondere festgehalten, dass die Energieversorgung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammt. Pro Kopf wird dabei der Primärenergieverbrauch auf 2000 Watt festgelegt. Die CO2-Emmission wird pro Jahr und pro Person auf maximal eine Tonne festgelegt. Das Bundesamt für Energie ist gemeinsam mit der Zertifizierungsstelle für die Vergabe des Zertifikats «2000-Watt-Areal» zuständig.

Stefan Glantschnig doppelt nach: «Grün und fortschrittlich geben reicht nicht.» Die Umsetzung entspreche genau dem: «Jedes zertifizierte 2000-Watt-Areal hält über seinen gesamten Betrachtungsperimeter die Zielsetzungen der 2000-Watt-Gesellschaft ein.» (siehe Infobox)

Abwärme des Wellnessbades wieder nutzen

Der Wellnesstempel in Kriens wäre das erste seiner Art in einem 2000-Watt-Areal, so Stefan Glantschnig und Heinrich Gugerli. Und weiter: «Nach meinem Kenntnisstand gibt es in der Schweiz bisher keinen Standard für besonders energieeffiziente Wellness- oder Hallenbäder», so Gugerli. Für den technischen Leiter der 2000-Watt-Areale jedoch nicht ein unrealistisches Vorhaben, ein solches Bad innerhalb der Vorgaben umzusetzen.

Dabei gebe es verschiedene Ansätze: «Da keine Gebäudekategorie Hallenbad besteht, könnte man eine Stellvertreternutzung definieren», so Gugerli. Für ein Hotel könnte dies etwa «Wohnen mit Belegungsvorschriften» lauten. Eine anderer Weg sei, dass das Wellnessbad für den Nachweis der Einhaltung der 2000-Watt-Ziele ausserhalb des Perimeters liege. «In diesem Fall muss der Nachweis erbracht werden, dass das Wellnessbad möglichst energetisch vorbildlich gestaltet wird, beispielsweise nach dem deutschen Passivhausstandard», sagt Gugerli.

Manuel Schneider erklärt, dass durch eine intelligente Gebäudetechnik beispielsweise Abwärme des Wellnessbades genutzt werden könnte, um wiederum das Wasser für die Privatwohnungen erwärmen zu können.

Dreimal so gross wie in Sursee

Und was treibt Kumar Kamlesh, den Mann mit den indischen Wurzeln, der seit bald 40 Jahren in der Schweiz lebt, dazu, auf dem einstigen Pilatusmarkt-Areal eine Wellnessoase zu errichten? Kamlesh sieht in der Region Luzern Süd eine Nische. «In Luzern gibt es nur wenige Angebote, schön zu baden», so Kamlesh. «Zudem möchte ich die alternative Medizin auf dem Markt fördern.»

«In Luzern gibt es nur wenige Angebote, schön zu baden.»

Kumar Kamlesh, Betreiber Aquafit in Sursee

Das Wellnessbad in Kriens soll fast dreimal so gross werden. Kostenpunkt: rund 35 Millionen Franken. Der Physiotherapeut und Arzt in chinesischer Medizin plant ein Thermalbad mit einem Innen- und Aussenbad von rund 650 Quadratmetern. Zum Vergleich: Dasjenige in Sursee erstreckt sich gerade einmal auf einer Wasserfläche von 260 Quadratmetern. Zudem sollen Räume für Therapie, Rehabilitation und einen Fitnesscenter bereitstehen. Im Hotel sollen Gäste in rund 65 Zimmern untergebracht werden – in Sursee sind es gerade mal 10 Zimmer. «Das geplante Wellnessbad in Kriens wird rund 100 Mitarbeiter beschäftigen», freut sich Kamlesh.

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Wirtschaft