Stilvoll und gelassen: Robert Herr, operativer Chef im Bürgenstock Resort. (Bild: les)
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Stilvoll und gelassen: Robert Herr, operativer Chef im Bürgenstock Resort. (Bild: les)

In der Lounge des Bürgenstocks gilt nun ein Dresscode

10min Lesezeit

Schwitzende Biker, die auf anspruchsvolle Hotelgäste treffen: Dies führte im neuen Bürgenstock-Resort zu Beschwerden. Nun gilt in der Lounge ein Dresscode, wie Direktor Robert Herr erklärt. Dafür können die Gäste im 500-Millionen-Bau ein eigenes Bier und bald schon einen eigenen Wein geniessen.

Das Bürgenstock-Resort öffnete im Herbst 2017 seine Türen. Mit einem neuen Dokumentarfilm und einem neuen Buch wird ein Blick auf die rege Bauzeit des letzten Jahrzehnts und die gesamte Geschichte des Berges geworfen. Doch wie läuft es eigentlich seit die Kataris rund eine halbe Milliarde investierten und dem Bürgenstock neuen Luxus bescherten?

zentralplus traf den Direktor des Resorts, Robert Herr. 28 Auszeichnungen durfte er im letzten Jahr für die neuen Hotels entgegennehmen. Doch lief hinter den Kulissen alles reibungslos?

zentralplus: Gastronomie, Hotels, Wellness – was ist das Steckenpferd des Bürgenstock-Resorts?

Robert Herr: Wir haben zwei Eckpfeiler, die Hotels und das Medical Centre. Es war wichtig, diese Hotels gut zu positionieren. Aber grundsätzlich versuchen wir, den Einklang zwischen dem exklusiven Hoteltourismus und dem Tagestourismus zu schaffen.

«Potential sehen wir in der Residenzvermietung. Das gehen wir dieses Jahr verstärkt an.»

zentralplus: Gelingt’s? Können Sie Zahlen nennen?

Herr: Aufs ganze Jahr gerechnet liegen wir in unseren Erwartungen. Der Start war etwas zäh, aber im Sommer lief’s besser als erhofft. Insbesondere die Events von Unternehmen, Konferenzen oder Seminaren haben unsere Erwartungen deutlich übertroffen. Belegungszahlen nennen wir keine. Was ich aber sagen kann: Wir hatten im Resort 200'000 Tagesgäste. Davon sind mindestens 150'000 über die neue Schiffs- und Bahnverbindung in das Bürgenstock-Resort gekommen. Das neue Shuttleschiff mit dem Stundentakt von sechs Uhr morgens bis Mitternacht ist eine grosse Innovation.

zentralplus: Wo harzt’s?

Herr: Potential sehen wir in der Residenzvermietung – das sind Suiten, die für sechs Monate oder mehr vermietet werden. Das gehen wir dieses Jahr verstärkt an. Uns war aber klar, dass es länger dauert. Der Residenzgast will erst mal sehen, wie das Resort als Ganzes funktioniert. Es sind ja schliesslich Gäste, die sich längerfristig binden.

zentralplus: Haben Sie 50 Prozent Schweizer Gäste, wie sie es prognostizierten?

Herr: Auch da hat das ungefähr hingehauen. Ab April, Mai internationalisiert sich das Geschäft viel stärker. Von Oktober bis April läuft das Schweizer Geschäft, welches auch durch Events getrieben ist.

zentralplus: Wovon waren Sie überrascht?

Herr: Es ist interessant, wie viele junge asiatische Gäste aus Ländern wie China, Taiwan oder Korea uns besuchen. Vor kurzem kam eine Frau aus Thailand, weil sie ein Foto des Bürgenstocks auf einer sozialen Plattform sah. Eine Schauspielerin aus Thailand hatte dieses kurz davor gepostet. Es bestand jedoch keine Zusammenarbeit mit ihr, sie war als ganz normaler Gast hier.

Der angesprochene Post wurde knapp 15'000 Mal geliked. Die Schauspielerin hat eine halbe Million Follower:

 

zentralplus: Haben Sie viele Influencer zu Gast?

Herr: Anfragen haben wir auf jeden Fall sehr viele (lacht). Wir müssen da ein gesundes Gleichgewicht finden und uns fragen, welche Influencerin zu unseren Marken und Angeboten passt. Es ist auch so, dass viele Gäste es als störend empfinden, wenn gewisse Leute ständig Fotos schiessen. Dann geht die Privatsphäre verloren.

«Die Tagesgäste möchten nicht als Gäste zweiter Klasse behandelt werden. Und die Hotelgäste möchten gerne einen priorisierten Platz bekommen.»

zentralplus: Haben Sie bei den Bedürfnissen der Gäste etwas unterschätzt?

Herr: Das fantastische Wetter im Sommer hat dazu geführt, dass an einigen Tagen die Terrassen überfüllt waren. Man muss ein feines Gefühl finden für die Hotel- und Tagesgäste. Die Tagesgäste möchten nicht als Gäste zweiter Klasse behandelt werden. Und die Hotelgäste möchten gerne einen priorisierten Platz bekommen. Wir haben gelernt, wie man damit umgeht.

zentralplus: Wie gehen Sie damit um?

Herr: Unseren Hotelgästen war beispielsweise wichtig, dass die Tagesgäste ein ordentliches Tenue haben. Sie wollen nicht Tagesgäste mit dem Fahrradanzug in der Lake View Lounge. Deshalb haben wir einen Dresscode durchgesetzt. Aber das sind gewisse Dinge, wo wir Erfahrungswerte sammeln mussten.

zentralplus: Können Sie diese Kleidervorschriften präzisieren?

Herr: In bestimmten Restaurants wie der Lakeview Bar & Cigar Lounge oder dem Restaurant Spices Kitchen & Terrace gilt der Dresscode «Chic Casual». In der Auslegung dieser Kleidervorschrift sind wir modern: Mit gepflegten Jeans, T-Shirt und Sneakern ist man in allen Restaurants und Bars willkommen. Mit dieser Kleidervorschrift möchten wir aus Rücksicht auf unsere Hotelgäste vermeiden, dass Gäste in schweren Wanderschuhen und kurzen Hosen oder mit einem hautengen Fahrradtrikot einkehren. Gästen mit solchen Kleidern stehen die Taverne 1879 und das Restaurant Verbena mit den entsprechenden Terrassen offen.

In der Lake View Lounge des Bürgenstock Resort hat man einen fantastischen Blick auf die Stadt Luzern.
In der Lake View Lounge des Bürgenstock Resort hat man einen fantastischen Blick auf die Stadt Luzern. (Bild: les)
 

zentralplus: Kürzlich erhielt das Ritz Coffier einen Michelin-Stern. Sowieso fällt auf, wie viele Preise das Resort einheimst. Sind Sie stolz?

Herr: Das freut mich vor allem fürs Team. Jede Auszeichnung ist eine Anerkennung für die gesamten Mitarbeiter. Das Ausschlaggebende ist die Einzigartigkeit der Örtlichkeit in Kombination mit der Auswahl an Hotels, Einrichtungen und Angeboten. Wir haben etwas Spektakuläres zu bieten, dass man so in der Hotellerie in der Schweiz noch nicht gesehen hat.

zentralplus: Wie sind die Feedbacks der katarischen Investoren?

Herr: Wir sind im regen Austausch. Sie sind auch in regelmässigen Abständen hier. Das Feedback reicht von Begeisterung bis Stolz. Unser Resort hat zudem einen grossen Effekt auf den ganzen Tourismus in der Region. Wir machten für die Region einen enormen Werbefeldzug in unseren Schlüsselmärkten. Die «New York Times» kürte uns zu einem der 52 Plätze, die man 2018 gesehen haben muss. Davon profitiert die ganze Region Vierwaldstättersee.

«Die Skepsis, die vor der Eröffnung zu spüren war, ist gewichen.»

zentralplus: Und welche Ansprüche stellen Sie an die Rentabilität des Resorts?

Herr: Klar wollen Sie, dass das Resort erfolgreich ist. Aber es ist ein langfristiges Projekt. Die Skepsis, die vor der Eröffnung zu spüren war, ist gewichen. Was ich jetzt als Resonanz höre, ist positiv. Wir haben das Bürgenstock-Resort für alle geöffnet, es ist nicht nur der Luxusberg für Reiche. Gerade für die Anreise mit Bahn und Schiff bieten wir viele attraktive Packages an. Wir verkaufen monatlich zwischen 1'500 bis 2'000 davon.

zentralplus: Es ist ein neues Buch erschienen und ein Dokumentarfilm, der die Geschichte des Bürgenstocks aufrollt (zentralplus berichtete). Beide Werke blicken zurück und enden quasi mit der Eröffnung des Resorts. Wann sind die Eröffnungsfeierlichkeiten abgeschlossen und weichen dem Alltagsbetrieb?

Herr: Die offizielle Eröffnung war ein Jahr nach der Inbetriebnahme des ersten Hotels. Jetzt läuft der Betrieb und wir erzählen die Geschichte des Berges weiter. Aber wir werden immer wieder mit Neuheiten aufwarten. Ich kann verraten, dass wir mit dem Bürgenbräu neu ein eigenes Bier anbieten. Wir werden auch bald unseren ersten eigenen Wein präsentieren können.

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