Das «Nooch» in der Ebikoner Mall: Nun eröffnet die Restaurantkette einen weiteren Standort im Krienser Mattenhof. (Bild: ida)
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Das «Nooch» in der Ebikoner Mall: Nun eröffnet die Restaurantkette einen weiteren Standort im Krienser Mattenhof. (Bild: ida)

Bauboom in Luzern Süd: eine Chance für Gastronomen

6min Lesezeit

Hunderte von neuen Wohnungen und Arbeitsplätzen entstehen derzeit zwischen Horw, Kriens und Luzern. Gastronomen sehen grosses Potenzial. Denn der Mix aus Gewerbe und Wohnungen ist attraktiv.

Im Süden Luzerns, zwischen Horw, Kriens und Luzern, wird mächtig gebaut. In den nächsten 20 Jahren leben und arbeiten hier doppelt so viele Menschen wie heute. Denn Einwohnerzahl und Arbeitsplätze nehmen um je bis zu 15’000 Menschen zu.

Alleine auf der Nidfeld-Überbauung auf dem einstigen Pilatusmarkt-Areal entstehen 445 neue Wohnungen für 900 neue Bewohner. Die Grossüberbauung Schweighofpark im Schlund umfasst 600 neue Wohnungen für bis zu 1’500 neue Bewohner. Und bei der «Mikropole Mattenhof» und «Matteo», beide beim Bahnhof Mattenhof, sind es rund 300 neue Wohnungen, etwa 1300 Berufstätige und bis zu 300 Hotelgäste.

Dies hat auch Auswirkungen auf Freizeit, Kultur und Vergnügen. Gar mit dem Betreiber eines Wellnessbads wird auf der geplanten Nidfeld-Überbauung geliebäugelt (zentralplus berichtete). Doch was geschieht in Sachen Gastronomie?

Asiatisch und fleischig

Auf dem Mattenhof-Areal ist bereits bekannt: es wird nach Wok, Currys und gegrilltem Fleisch riechen. «Jack’s Cevap House» sowie die «Fredy Wiesner Gastronomie AG» haben bereits ihre Mietverträge unterschrieben. Mitte April eröffnet Letztere auf dem Areal einen neuen Standort der asiatischen Restaurantkette «Nooch Asian Kitchen».

Die Verhandlungen der Luzerner Immobilienfirma «Mobimo», welche die Überbauung realisiert, dauern noch an: Bis zu zwei weitere Anbieter werden im Gastrobereich gesucht. In erster Linie gehe es darum, ein «stimmiges und hochwertiges Gastronomieangebot zu haben, passend für verschiedene Tageszeiten und für alle», wie Mediensprecherin Marion Schihin sagt.

Arbeiter am Mittag, Bewohner am Abend

Die «Fredy Wiesner Gastronomie» ist in der Zentralschweiz gut vertreten. Mit dem «Nooch» auf dem Mattenhof-Areal eröffnet das Gastrounternehmen seinen fünften Standort in Luzern und Zug. Der Expansionskurs werde weiterverfolgt. Denn COO Daniel Wiesner sagt: «Das Gebiet Luzern Süd ist grundsätzlich für uns interessant.»

«Uns reizt an der Mattenhof-Überbauung insbesondere der spannende Mix von Industrie und Wohnungen.»

Daniel Wiesner, COO «Fredy Wiesner Gastronomie AG»

Und weiter: «Uns reizt an der Mattenhof-Überbauung insbesondere der spannende Mix von Industrie und Wohnungen.» Das Mittagsgeschäft laufe über die Arbeiter, das Abendgeschäft über die Bewohner. So ist es nicht verwunderlich, dass hier grosses Potenzial gesehen wird: «Gerade zu den Mittagszeiten suchen innert kürzester Zeit viele Gäste das Restaurant auf», so Wiesner. Praktisch für die Arbeiter, denn etwas im Wok frisch zuzubereiten dauere nur wenige Minuten. Abends, wenn die Menschen mehr Zeit zum Essen haben, werde wohl vermehrt Sushi über die Theke gereicht. So könne das Restaurant die Balance halten. Ähnliche Erfahrungen habe man bereits mit dem «Nooch» auf der Richti-Überbauung in Wallisellen gesammelt.

Bistro, Café und Vinothek

In welchen Restaurants die Menschen auf dem Nidfeld-Areal speisen können, ist noch nicht bekannt. Klar ist jedoch: Entlang der Nidfeldstrasse sind im Erdgeschoss eine Vielzahl kleinerer Verkaufs- oder Atelierflächen geplant. Diese würden sich beispielsweise eignen für eine Bäckerei, ein Café oder eine Vinothek. Das sagt Manuel Schneider, Niederlassungsleiter Luzern von Losinger Marazzi, welche die Überbauung plant und realisiert.

Im Boomgebiet Luzern Süd entsteht beim Schweighof zudem ein neues Alterszentrum (zentralplus berichtete). Fest geplant sei, dass bis 2021 ein Bistro bereitstehe, dass sich primär an die Hausbewohner, aber auch den gesamten Schweighof richte. Der Betreiber sei noch nicht bestimmt, so Projektkoordinator Guido Calti. Auch Verpflegungsmöglichkeiten für Arbeiter seien angedacht. Die Suche sei noch im Gange.

Beizensterben?

Die angedachten Gastronomiebetriebe in den neuen Siedlungen sind schlicht und modern. Hätte denn eine traditionelle Beiz überhaupt Chancen? Auch der Krienser Stadtpräsident Cyrill Wiget äusserte sich kürzlich im offiziellen Mitteilungsblatt der Stadt Kriens zum Gastronomieangebot: «Ich wurde in letzter Zeit immer wieder darauf angesprochen, dass wir in Kriens bald keine ‹Beizen› mehr hätten», schreibt Wiget.

Er selbst sei der Sache mal auf den Grund gegangen. Das Amt für Gastgewerbe führt in Kriens derzeit 87 Gastronomiebetriebe auf. Das ergibt ein Restaurant auf 310 Einwohner. «Einer alten Chronik zufolge mussten sich vor 100 Jahren 455 Personen ein Restaurant ‹teilen› …», so Wiget.

«In neuen Überbauungen ist vielfach purer Perfektionismus anzutreffen: Eine Beiz mit Charme oder ein Hotel mit Geschichte kann da eine echte Perle sein.»

Samuel Vörös, Luzerner Gastronom

«Das persönliche Gespräch und der direkte Meinungsaustausch – einst in der ‹Dorfbeiz› am Stammtisch wohl das Wichtigste – haben heute zusätzliche Plattformen erhalten», schreibt Wiget. So gebe es viele neuen Formen, wie Selbstbedienungsrestaurants, Vinotheken, Pizzerien, Cafés und Take-aways sowie Tankstellenshops. «Dass damit ein Stück Beizenkultur, die vielen lieb war, zu einem Teil verschwindet, ist bedauerlich – aber lässt sich nicht aufhalten.»

Gastronom sieht grosse Chance

Auch der Luzerner Gastronom Samuel Vörös sieht in Luzern Süd Potenzial. Und er betont: Gerade auch traditionelle Beizen oder etablierte Hotels hätten gute Karten, ein neues Standbein in Luzern Süd zu setzen. «In neuen Überbauungen ist vielfach purer Perfektionismus anzutreffen: Eine Beiz mit Charme oder ein Hotel mit Geschichte kann in einem solchen Gebiet eine echte Perle sein», so Vörös. Gerade auch bestehende Bauten seien interessant.

«Ideal ist, wenn eine kulinarische Vielfalt angeboten wird», so Vörös. Es müsse Schnellverpflegungsrestaurants geben, aber auch Gastrobetriebe im klassischen Sinne und solche, die einen Kantinencharakter aufweisen. Denn sogar abwechslungsreiches Essen an demselben Ort langweile die Mitarbeiter schnell. Es sei schon lange nicht mehr so, dass der Student nur Pizza isst und der Arbeiter Fleischgerichte bevorzugt.

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