Viele Twint-Apps tummeln sich im App-Store – aber keine der LUKB. (Bild: jwy)
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Viele Twint-Apps tummeln sich im App-Store – aber keine der LUKB. (Bild: jwy)

Kantonalbank-Kunden in Luzern warten vergeblich auf eigene Twint-App

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Das mobile Zahlen mit Twint wird immer beliebter: Sämtliche Grossbanken sind mit einer eigenen App am Start. Nicht so die Luzerner Kantonalbank – sie wartet ab. Das hat auch mit dem Jugendschutz zu tun.

Twintst du schon? Nie war es einfacher, Kleinstschulden zu begleichen. Wenn zwei Personen die Twint-App auf ihrem Smartphone haben, reicht ein Fingertipp: 2,50 für die Cola, die 11 Franken vom Zmittag – so schnell wie eine Whatsapp-Nachricht zu schicken, ist das Geld der Kollegin zurückgezahlt.

Ebenso entfällt beim Selecta-Automaten oder an der Parkuhr das Münzzählen und beim Online-Kauf die mühsame Erfassung der Kreditkarte. Die Bezahl-App Twint ist in der Schweiz immer beliebter: Schon über 60 Banken sind dabei, jede Woche stossen 15’000 Nutzer dazu.

Andere Kantonalbanken machen es vor

Dumm nur, dass der grösste Player in Luzern nicht vorne mit dabei ist: Von der Luzerner Kantonalbank (LUKB) gibt es auch über drei Jahre nach der Lancierung noch keine eigene App. Dies im Gegensatz zu sämtlichen Grossbanken in der Schweiz: Postfinance, Raiffeisen, UBS, Credit Suisse. Auch viele Kantonalbanken, etwa die Zürcher, Zuger oder Obwaldner, führen eigene Twint-Apps im Store.

Das bedeutet: Als LUKB-Kunde kann ich Twint nicht direkt mit dem Konto verbinden, sondern muss auf die neutrale Prepaid-App ausweichen, bei der ich zuerst ein Guthaben aufladen muss. Oder man greift via Kreditkarte auf die UBS-Twint-App zurück, dann nimmt das Geld den Umweg über die Kreditkarte.

Dass nicht jede Regionalbank eine Twint-App programmiert, leuchtet ein. Aber hat die LUKB als viertgrösste Kantonalbank im Lande nicht den Anspruch, bei dieser digitalen Offensive vorne mit dabei zu sein?

«Kunden ziehen unter Umständen die Prepaid-Lösung vor.»

Daniel von Arx, LUKB-Sprecher

Man habe sich bewusst für die Prepaid-Lösung entschieden, teilt Mediensprecher Daniel von Arx mit. «Im Alltag funktioniert sie genau gleich wie Twint mit direkter Kontoanbindung.» Sie verlange einfach ein wenig mehr Planung. Eine eigene Twint-App ist aktuell nicht geplant, jedoch auf dem «Beobachtungsradar». «Die Prepaid-Lösung hat sich auch bei anderen Banken bewährt und wird von Twint erfolgreich unterstützt», so von Arx.

Die Prepaid-App bietet die gleichen Funktionen wie die App mit Kontoanbindung, es lasse sich ebenso Geld zurück auf das Konto übertragen. «Bis zum Betrag von 200 Franken gibt es bei der Verfügbarkeit des Geldes keine Unterschiede: Auch bei der Prepaid-App kann man diesen Betrag sofort laden», so von Arx. Erst bei höheren Beträgen wird’s mit der Prepaid-App umständlicher.

Das Einkaufen im Internet wird durch die Bezahl-App auf dem Smartphone vereinfacht.
Das Einkaufen im Internet wird durch die Bezahl-App auf dem Smartphone vereinfacht. (Bild: zvg/Ueli Steingruber)

Prepaid hat auch Vorteile

Daniel von Arx glaubt nicht, dass die LUKB-Kunden gegenüber anderen einen Nachteil hätten – sogar das Gegenteil sei möglich: «Kunden ziehen unter Umständen die Twint-Prepaid-Lösung der Twint-Lösung mit Kontoanbindung vor, damit sie nur so viel Geld ausgeben können, wie sie vorher bewusst auf die App geladen haben.»

«Es kommen fast monatlich neue Lösungen auf den Markt.»

Daniel von Arx, LUKB-Sprecher

Denn die Einschränkung hat auch Vorteile: «Die Prepaid-App ermöglicht die bewusste Trennung von Konto und ‹Twint-Bargeld›. Das ist vergleichbar mit der Vorgehensweise, wenn man am Bancomaten jeweils nur eine bestimmte Bargeldsumme für das Portemonnaie abhebt», so von Arx. So lasse sich eine Ausgabenlimite setzen, was gerade für Jugendliche ab 12 Jahren eine gute Lösung sei. «Weil man sie so bewusster an den Umgang mit elektronischem Geld heranführen kann.» Mit der Prepaid-App ist es also wie mit dem Portemonnaie: Man kann nur so viel ausgeben, wie man tatsächlich hat.

Die Konkurrenz ist gross

Dazu kommt, dass sich zwar die Schweizer Finanzinstitute auf Twint als Standard geeinigt haben, doch die Konkurrenz ist riesig: Von Apple über Swatch bis Samsung gibt es zahlreiche elektronische Zahlungsmöglichkeiten. Es ist noch nicht absehbar, welche sich letztlich etablieren werden.

«Es kommen fast monatlich neue Lösungen auf den Markt, welche sich meist im Angebot und in der Leistung übertreffen», sagt von Arx. Die LUKB prüfe die Entwicklung von mobilen Bezahlmöglichkeiten oder auch von Internet- und eCommerce-fähigen Debitkarten aktiv – also nicht nur im Kontext von Twint.

Mit den heutigen Zahlungslösungen decke die LUKB bereits viele Kundenbedürfnisse ab. «So bieten wir neben Kartenzahlungen mit der schnellen Kontaktlosfunktion auch die Möglichkeit an, mit ‹Wearables› – Fitbit- oder Garmin-Uhren – am Verkaufspunkt direkt zu bezahlen», so von Arx.

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