Die Ware muss weg: In der Luzerner Altstadt herrscht wieder Preisschlacht. (Bild: ida)
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Die Ware muss weg: In der Luzerner Altstadt herrscht wieder Preisschlacht. (Bild: ida)

«Big Sexy Sale»: Weshalb immer früher Ausverkauf ist

4min Lesezeit

Der Ausverkauf in den Luzerner Läden beginnt nicht selten bereits vor Weihnachten. Dies mitten in einem Monat, der zu den umsatzstärksten überhaupt gehört. Die reduzierten Preise kommen nicht nur den Schnäppchenjägern zugute.

Wer derzeit durch die Luzerner Altstadt läuft, dem springen die roten Schilder ins Auge: Der Ausverkauf ist allgegenwärtig. In beinahe jedem Schaufenster locken die Prozentzeichen Kunden an. Ob 30, 50 oder gar 70 Prozent: Die Preisschlacht hat begonnen.

Und so manch einer wird den Eindruck nicht los, dass immer früher mit dem Ausverkauf begonnen wird. In der Tat ist dem so. Im Luzerner Bekleidungsgeschäft «H&M» wurde der Sale bereits eine Woche vor Weihnachten eingeläutet.

«Nicht auf der Ware sitzen bleiben»

«Wir begrüssen es, dass der Ausverkauf bereits vor Weihnachten beginnt», sagt eine Verkäuferin der Filiale. Denn so kämen die Kunden vermehrt in die Läden, um Geschenke zu kaufen. Auch psychologisch ein guter Trick, denn jeder Käufer will einen guten Deal machen. Nicht selten steht beim Kauf reduzierter Ware nicht das Produkt selbst im Fokus, sondern das Glücksgefühl, wenn man die Ware billiger bekommt.

Kurz nach Weihnachten wird der Laden umgekrempelt, die Weihnachtsdekoration muss weg. «Nach Weihnachten kommt die neue Ware», so die H&M-Verkäuferin. «Wenn wir die alten Sachen bis dahin nicht weitgehend losgeworden sind, bleiben wir nur darauf sitzen.»

Die Detailhändler locken deshalb mit dem Anpreisen des Ausverkaufs gezielt mit der Farbe Rot und mit Worten wie «letzte Tage». Die SP reichte deshalb einen früheren Vorstoss mit der Frage «Wie viel Werbung erträgt Luzern?» ein. Baudirektorin Manuela Jost sagte, dass namentlich bei Werbeformen wie Werbescreens in Schaufenstern Handlungsbedarf bestehe – und geprüft werden müsse, ob dafür eine spezielle Bewilligung verlangt werden müsse (zentralplus berichtete).

Ausverkauf das ganze Jahr über?

Nicht zuletzt dürfte der Online-Handel für den früheren Zeitpunkt des Ausverkaufs verantwortlich sein. Auch der frühere Präsident der City Vereinigung, André Bachmann, unterstützte diese These. Die «Online-Kultur» würde dazu beitragen, dass Ausverkäufe das ganze Jahr anzutreffen seien. «Diese Entwicklung ist sicherlich nicht gewünscht, aber unumstössliche Realität», so Bachmann in einem früheren Bericht. Zudem sind Ausverkaufszeiten heutzutage nicht mehr gesetzlich geregelt. Eine solche Regelung wäre für den stationären Detailhandel aufgrund des Online-Handels und zu Zeiten des Ausland-Shoppings nicht tragbar (zentralplus berichtete).

Ein Drittel des Jahresumsatzes durch Weihnachtsgeschäft

Der letzte Monat des Jahres ist einer der umsatzstärksten überhaupt. «Der Dezember ist für den Detailhandel essenziell, um die Entscheidung zu treffen, ob es ein gutes Jahr war oder nicht», sagte denn auch Josef Williner, jetziger Präsident der City Vereinigung. Dies widerspiegelt sich auch in den Zahlen: Beispielsweise macht das Warenhaus Globus rund einen Drittel des Jahresumsatzes dank dem Weihnachtsgeschäft (zentralplus berichtete). Und dies obwohl – oder gerade weil – die Preise reduziert werden.

31 Prozent der Luzerner Detailhändler rechnen bis März 2019 mit einer besseren Geschäftslage.
31 Prozent der Luzerner Detailhändler rechnen bis März 2019 mit einer besseren Geschäftslage. (Bild: lustat.ch)

Dass das Weihnachtsgeschäft für den Luzerner Detailhandel essenziell ist, darauf stützen sich auch Zahlen und Prognosen von «Lustat». Im dritten Quartal war die Geschäftslage befriedigend. 31 Prozent der Luzerner Detailhändler rechnen bis März 2019 mit einer besseren Geschäftslage, lediglich acht Prozent mit einer Verschlechterung. Lustat kommt zum Schluss: Neben der guten konjunkturellen Lage führt das Weihnachtsgeschäft bei den Detailhändlern zu dieser positiven Prognose. Bis Ende Jahr erwarte der Luzerner Detailhandel – jedoch bei konstanten Verkaufspreisen – ein Umsatzwachstum.

Weitere Einblicke in den Luzerner Ausverkauf erhalten Sie in der Bildergalerie:

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