47 von 195 untersuchten Spitälern und Spitalstandorten in der Schweiz hatten 2016 deutlich mehr Wiedereintritte, als man dies erwarten konnte. (Bild: Emanuel Ammon/AURA/Montage ida)
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47 von 195 untersuchten Spitälern und Spitalstandorten in der Schweiz hatten 2016 deutlich mehr Wiedereintritte, als man dies erwarten konnte. (Bild: Emanuel Ammon/AURA/Montage ida)

Zu oft müssen Patienten wieder zurück ins Spital

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Überdurchschnittlich viele Patienten des Luzerner Kantonsspitals Sursee müssen nach einer Behandlung zurück in die Klinik. Zu diesem Schluss kommt eine nationale Studie. Sowohl das Luzerner Kantonsspital als auch der Kanton als Eigner relativieren die Zahlen. Denn auch der Patient trage dazu bei.

Ein Patient wird nach einer Behandlung aus dem Spital entlassen – kurze Zeit später muss er erneut eingewiesen werden. Das kommt öfters als erwartet vor. Die kürzlich veröffentlichten Ergebnisse der Studie des Nationalen Vereins für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ), über die die «Sonntagszeitung» berichtete, machen stutzig: Im Jahr 2016 kam es in 47 von 195 untersuchten Spitälern und Spitalstandorten in der Schweiz zu vermeidbaren Rehospitalisationen.

Auch der Standort Sursee des Luzerner Kantonsspitals – anders als der Standort Luzern – wird mit einer ungenügenden Note abgestempelt. Weist das Spital etwa eine mangelnde Behandlungsqualität auf?

«Weicht praktisch nicht von der Norm ab»

Nein, heisst es sowohl seitens des Luzerner Kantonsspitals (Luks) wie auch seitens des Kantons als Eigner. Und dies, obwohl die Studie von einem «validen Indikator für die Qualitätsmessung bei Spitälern» spricht.

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass die Rate der potenziell vermeidbaren Wiedereintritte am Standort Sursee ziemlich genau auf der vom Nationalen Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ) gezogenen Grenze von fünf Prozent liegt «und somit von der Norm praktisch nicht abweicht», so Andreas Meyerhans, Leiter Unternehmenskommunikation des Luks. Und weiter: «Es kann deshalb nicht von einem schlechten Abschneiden gesprochen werden.»

«Es kann nicht von einem schlechten Abschneiden gesprochen werden.»

Andreas Meyerhans, Leiter Unternehmenskommunikation Luks

Schwankungen kämen von Jahr zu Jahr immer wieder vor und seien bei kleinen Zahlen auch statistisch bedingt. Zudem lagen die Werte der unerwarteten Wiedereintritte am Standort Sursee wie auch in Luzern und in Wolhusen in den Jahren zuvor unterhalb der Grenze der Signifikanz. Folglich wurden seit Beginn der Studie im Jahr 2011 bis 2015 nicht mehr Rehospitalisationen gemeldet als erwartet.

So hat der Standort Sursee abgeschlossen:

Der Standort Sursee steht über der Norm: 2016 wurden mehr Patienten rehospitalisiert als erwartet.
Der Standort Sursee steht über der Norm: 2016 wurden mehr Patienten rehospitalisiert als erwartet. (Bild: Screenshot anq.ch)

Stellt Sparpaket Qualität in Gefahr?

Die Zahlen könnten insbesondere deshalb aufhorchen lassen, weil vergangene Woche publik wurde, dass dem Luks 2019 ohne Korrektur ein Defizit droht. Deshalb sollen 20 Millionen Franken eingespart werden (zentralplus berichtete).

«An der Qualität wird nicht gerüttelt.»

Andreas Meyerhans

Könnten künftige Studien folglich zu einem Ergebnis führen, das deutlicher unter der Norm liegt? Andreas Meyerhans vom Luks verneint. «An der Qualität wird nicht gerüttelt», so Meyerhans. «Die Massnahmen zur Ergebnisverbesserung setzen bei Beschaffungen und Prozessen an. Das Wohl der Patienten steht im Zentrum.»

Spital kann Rehospitalisationen beeinflussen

Die Gründe sind vielfältig, wenn es darum geht, zu erklären, weshalb ein Patient nach einer Behandlung erneut ins Spital eingewiesen werden muss. Zu diesem Schluss kommen sowohl Andreas Meyerhans als auch Hanspeter Vogler, Leiter Fachbereich Gesundheit, Gesundheits- und Sozialdepartement des Kantons.

Zur Studie des «ANQ»

Eine «potenziell vermeidbare Rehospitalisation» liegt laut Studie dann vor, wenn zum Zeitpunkt der Entlassung des Patienten nicht vorhersehbar war, dass dieser erneut zurück ins Spital überliefert werden muss. Zudem muss der Wiedereintritt des Patienten durch eine Krankheit ausgelöst werden, die bereits bei der Entlassung bekannt war, und innerhalb von 30 Tagen nach dem Austritt erfolgen.

Der Behandlungsverlauf, die Gründe des Spitalaufenthalts sowie der Patientenmix des jeweiligen Spitals wurden bei der Evaluation berücksichtigt.

«Die Ursachen können beim Spital selber liegen, in der Nachsorge ausserhalb des Spitals oder auch beim Patienten», sagt Vogler. «Einige Gründe können also von den Spitälern direkt oder indirekt beeinflusst werden.» Mögliche Gründe für eine Rehospitalisation, zu denen ein Spital beitragen kann, sind laut Meyerhans beispielsweise eine ungenügende Austrittsvorbereitung oder eine zu frühe Entlassung.

«Andere sind von einem Spital nicht beeinflussbar», fährt Vogler fort. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn bei der Pflege eines Patienten zu Hause unerwartet Probleme auftauchen, Medikamente falsch eingenommen werden oder sich der Gesundheitszustand des Patienten unvorhergesehen verschlechtert. Aber auch ein zu spät wahrgenommener Kontrolltermin könne zu unerwarteten Wiedereintritten führen, so Meyerhans.

Und so hat der Standort Luzern abgeschlossen:

Die Werte des Standorts Luzern sind innerhalb der Norm: 2016 wurden nicht mehr Patienten rehospitalisiert als erwartet.
Die Werte des Standorts Luzern sind innerhalb der Norm: 2016 wurden nicht mehr Patienten rehospitalisiert als erwartet. (Bild: Screenshot anq.ch)

Schwachpunkte werden nun «ausgemerzt»

Falls nötig, müssen nun Massnahmen getroffen werden. «Wenn die Resultate ungenügend sind, wird jedes Spital sich dafür einsetzen, die Schwachpunkte zu identifizieren, diese auszumerzen und falls nötig geeignete Massnahmen zu treffen», so Hanspeter Vogler. Zudem werde die Entwicklung weiterverfolgt.

«Als Momentaufnahme können sie künftig zu Verbesserungen in der Leistungsqualität führen.»

Hanspeter Vogler, Leiter Fachbereich Gesundheit

Vogler betrachtet Qualitätsmessungen grundsätzlich positiv: «Diese sind vor allem ein gutes Qualitätssicherungsinstrument. Als Momentaufnahme können sie künftig zu Verbesserungen in der Leistungsqualität führen.»

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