Die Gondelbahn vom Kräbel bis zur Rigi-Scheidegg. Eine solche soll es bald auch von Weggis bis Kaltbad geben. (Bild: zvg)
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Die Gondelbahn vom Kräbel bis zur Rigi-Scheidegg. Eine solche soll es bald auch von Weggis bis Kaltbad geben. (Bild: zvg)

Trotz Charta: Der Streit auf der Rigi geht weiter

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Die «Rigi-Charta» sollte eigentlich den Streit zwischen Anwohnern, Umweltverbänden und den Rigi-Bahnen über die Entwicklung auf dem Berg beilegen. Doch nun giessen Kritiker erneut Öl ins Feuer. Die Bahnen sorgen sich deshalb um den konstruktiven Dialog. Droht nun der ganz grosse Knatsch?

Noch im vergangenen Juni gab es erfreuliche Nachrichten von der Rigi. Mit der Unterzeichnung der so genannten «Charta Rigi 2030» hatten sich die Rigi-Bahnen und die Interessenvertreter der Anwohner sowie der Heimat- und Naturschützer im Grundsatz geeinigt, wie die touristische Entwicklung auf und um den Berg vonstatten gehen soll (zentralplus berichtete).  

Das Dokument beendete einen langwierigen Streit zwischen den verschiedenen Gruppen. Zumindest für den Moment entstand dieser Eindruck. Doch nun scheint der Konflikt erneut aufzuflammen. Und er hat das Potenzial, einen grossen Keil zwischen die beiden Parteien zu treiben.

«Das Vertrauen in grober Weise verletzt»

Stein des Anstosses ist die geplante neue Gondelbahn von Weggis nach Rigi Kaltbad. Dadurch können künftig noch mehr Menschen auf den Berg reisen. In einem offenen, wenig schmeichelhaften Brief wendet sich der auf Rigi Kaltbad wohnhafte René Stettler zusammen mit bekannten Persönlichkeiten wie den alt Nationalräten Cécile Bühlmann und Hans Widmer an die Verantwortlichen der Rigi-Bahnen.

«Mit dem Bau der Gondelbahn nimmt die Rigi Bahnen AG in grossem Masse Kollateralschäden an der Natur in Kauf.»

René Stettler, Bewohner Rigi Kaltbad

Der Tenor des Briefes: Man fühlt sich von den Rigi-Bahnen hintergangen, an der Nase herumgeführt und nicht ernst genommen. «Das Vorgehen – ohne Einbezug jener mit denen der Verwaltungsrat der Rigi Bahnen AG die ‹Charta Rigi 2030› mitunterzeichnet hat – verletzt das Vertrauen in grober Weise und zeigt, dass die Rigi-Bahnen an der Umsetzung des von der Petition kritisierten Masterplans weiterarbeiten, als wäre nichts geschehen», enerviert sich Stettler. 

Er hatte im Namen der Anwohner die Petition «Nein! zur Rigi-Disney-World», lanciert. 3’106 Personen hatten sie unterzeichnet. Darunter auch bekannte Politiker wie der damalige Nationalrat Louis Schelbert (Grüne) und Ständerat Konrad Graber (CVP) (zentralplus berichtete).

Wird die Charta ausgehebelt?

Mit der neuen Geschäftsstrategie, zu der unter anderem die geplante Gondelbahn gehört, würden die Rigi-Bahnen die Charta nun aber in Frage stellen, bevor diese in Kraft getreten ist. Dies löse bei den Anwohnern von Weggis und Rigi Kaltbad nur Kopfschütteln aus, so Stettler.

«Mit dem Bau der Gondelbahn (...) nimmt die Rigi Bahnen AG in grossem Masse Kollateralschäden an der Natur in Kauf», schreibt der pensionierte Kulturwissenschaftler. Durch die angestrebte Kapazitätssteigerung würden bald eine Million Touristen pro Jahr auf den Berg pilgern. «Davon 500’000 Gäste aus Asien und Übersee mit einem skandalösen ökologischen Fussabdruck», so Stettler weiter. Auf diese Weise würden auch das Littering und die Wasserknappheit weiter zunehmen.

«Es war von Anfang an klar, dass der Entwicklungsprozess noch nicht abgeschlossen ist.»

Karl Bucher, VR-Präsident Rigi-Bahnen

Stettler und seine Mitstreiter graben schon mal das Kriegsbeil aus: «Der Masterplan Projekt Gondelbahn führt nun zu einem langwierigen Konflikt, das heisst einer Nagelprobe, für welche die Rigi-Bahnen allein verantwortlich sind», heisst es im Brief.

Kein Verständnis bei den Rigi-Bahnen

Das tönt nach sehr viel zerbrochenem Geschirr. Entsprechend irritiert ist Karl Bucher, Verwaltungsratspräsident der Rigi-Bahnen. Für die Aktion Stettlers und der Mitunterzeichnern hat er wenig Verständnis. «Wir haben bezüglich der Gondelbahn noch überhaupt nichts entschieden und befinden uns noch in der Projektierungsphase.» Der Vorwurf, dass damit die Charta hintergangen werde, sei deshalb haltlos, so Bucher. Zumal die Charta noch gar nicht unterschrieben worden sei. Dies soll am 11. Januar geschehen.

«Es war von Anfang an klar, dass der Entwicklungsprozess auf der Rigi noch nicht abgeschlossen ist. Auch nach Unterzeichung der Charta», sagt Bucher. Dies wisse auch Herr Stettler. Und weiter: «Es ist nicht realistisch, dass man die Diskussion aufgrund des Dokumentes einfach beendet. Wir arbeiten aber an einer massvollen Entwicklung der Rigi mit klarem Fokus auf die Qualität», so der VR-Präsident.

Ist ein konstruktiver Dialog noch möglich?

Und auch die Unterstellung, dass die Betroffenen nicht einbezogen worden seien, erachtet Bucher als unbegründet. «Die Charta wurde auf demokratischem Weg ausgearbeitet. Dabei haben wir mit Herrn Stettler und allen anderen Playern wie den Behörden und den Umweltverbänden jeden einzelnen der im Brief aufgenommenen Punkte ausführlich diskutiert.» Stettler habe alle seine Anliegen einbringen können. «Nach erfolgter Diskussion wurde die Charta einstimmig verabschiedet», betont Bucher.

Dass sich René Stettler zum wiederholten Mal mit einem Brief an die Öffentlichkeit wandte, ärgert Bucher. «Es ist schwierig, einen konstruktiven Dialog zu führen, wenn die andere Seite nach jedem Treffen mit umfassenden Forderungen an die Medien tritt und den erreichten Kompromiss infrage stellt», moniert Bucher.

Und auch die Aussage, dass dereinst 500’000 asiatische Gäste auf die Rigi kommen werden, bereitet ihm offensichtlich Mühe: «Herr Stettler kann keinerlei Daten vorweisen, die eine solche Prognose bestätigen würden», so Bucher.

Keine Angst vor Einsprachen

Wie es nun weitergeht, kann Bucher noch nicht sagen. Nur so viel: «Wir werden weiterhin mit allen Betroffenen zusammensitzen und werden alles ganz genau anschauen. Dazu gehört auch die Frage, ob und inwiefern wir in die Natur eingreifen müssen und wie man allfällige Probleme lösen kann», gibt er sich pragmatisch.

Vielleicht gebe es auch Einsprachen gegen das Bahnprojekt. Bei Vorhaben an einer so exponierten Lage könne dies allerdings immer passieren. «Das kann trotz sorgfältiger Planung und des Einbezugs aller relevanten Kreise nicht ausgeschlossen werden», zeigt sich der VR-Präsident gelassen.

Gesprächsbereitschaft hin oder her. Ruhig wird es auf und um die Rigi in den nächsten Monaten sicher nicht werden.

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