Mit diesen modernen Bussen will Eurobus die Kunden für sich gewinnen. (Bild: zvg)
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Mit diesen modernen Bussen will Eurobus die Kunden für sich gewinnen. (Bild: zvg)

Busfirma setzt auf Touristen und ÖV-Abstinente

4min Lesezeit

Mit einem neuen Sparangebot will ein Unternehmen die Luzerner in seine Busse locken. Modernste Infrastruktur mit höchstem Komfort sollen die Fahrzeuge bieten. Ob die Kunden nun in Scharen umsteigen, bleibt aber fraglich. Doch das ist gar nicht das Ziel des Anbieters.

Vom Luzerner Inseli direkt an den Zürcher Sihlquai. Und das bereits ab fünf Franken. Am Sonntag wird diese Verbindung das erste Mal angeboten. Ab dann gibt es täglich drei Verbindungen nach Zürich und zurück. Reisen werden die Fahrgäste in einem modernen Bus.

Hinter dem Angebot steckt die Firma «Eurobus-Swiss-Express», die verschiedene Busverbindungen zwischen Schweizer Städten anbietet. Der Abschnitt Luzern-Zürich ist Teil der Linie von Lugano bis zum EuroAirport in Basel. Weitere Verbindungen führen von Genf nach St. Gallen und von Montreux zum Flughafen Zürich. Letzterer wird von allen Linien bedient.

Dreimal täglich hin und zurück

In der Schweiz sind die Busse der Firma seit einem halben Jahr unterwegs. «Wir haben während den ersten sechs Betriebsmonaten wertvolle Erfahrungen sammeln können. Basierend darauf haben wir das Streckennetz nun zielgerichtet angepasst», sagt Geschäftsführer Roger Müri.

Los geht’s in Luzern jeweils um 8.15, 15.20 und 18.10 Uhr. In die andere Richtung fahren die Busse um 7, 9.40 und 14 Uhr. Es sind also nicht gerade Spitzenzeiten, welche die Busse abdecken werden. Strassen wie auch Züge sind zu diesen Zeiten vergleichsweise schwach ausgelastet. Warum sollen die Passagiere also auf den Bus umsteigen? Zumal die Busfahrt auch länger dauert als mit den SBB und die letzte Verbindung ab Luzern genau mit der Abfahrt des Interregios nach Zürich zusammenfällt.

«Der Preisvorteil bei uns ist garantiert. Die Fahrgäste brauchen nicht auf Spartickets zu hoffen», preist Müri sein Produkt an. Ausserdem hinke der Komfort in seinen Bussen demjenigen in den Zügen in keiner Weise hinterher. Dazu würden auch die verstellbaren Sitze und die grossen Fenster beitragen. «Weiter bieten wir gratis WLAN an und in den neuen Bussen, die ab Dezember schrittweise in Betrieb genommen werden, wird es an jedem Sitzplatz Steckdosen und USB-Ladebuchsen geben», so der Geschäftsführer.

Touristen und Junge sollen mitfahren

Das tönt vor allem nach einem Angebot für junge Leute und Reisende mit mehr Zeit als Geld. Pendler dürften eher weniger dazugehören. Müri bestätigt dies: «Primär wollen wir inländische Tagestouristen und alle ausländischen Touristen ansprechen. Dazu kommen Kunden, die ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis suchen.»

«Wir zielen nicht darauf ab, den SBB im Fernverkehr Gäste abzujagen.»

Roger Müri, Geschäftsführer «Eurobus-Swiss-Express»

Diesen Leuten wird es allenfalls auch eher egal sein, sollten die versprochenen Ankunftszeiten nicht immer eingehalten werden. Müri räumt denn auch ein, dass dies eine Herausforderung sein wird. Insbesondere da man in beiden Städten das Zentrum befahren müsse. «Wir konnten den Fahrplan in den ersten sechs Betriebsmonaten sehr gut einhalten. Sollte es zu Stosszeiten oder infolge von Stau zu Verzögerungen kommen, können diese beim Wenden meist wieder aufgeholt werden», so Müri.

Inseli als Knackpunkt?

Dass das Inseli als Luzerner Einsteigeplatz daher vielleicht nicht ideal ist, ist er sich bewusst. Der Kasernenplatz direkt bei der Autobahneinfahrt wäre wohl geeigneter gewesen. «Wir sind in der Wahl der Haltestellen nicht frei. Es liegt in den Händen der Städte, uns geeignete Haltestellen zuzuweisen. Wir sind hier aber im Austausch mit allen Gemeinden, um möglichst gute Lösungen zu finden, falls es Probleme gibt», sagt Müri.

Sollten Schwierigkeiten auftreten, hat das Unternehmen vorgesorgt. «Wenn ein Bus 10 bis 15 Minuten verspätet ist, werden die Kunden per Mail oder SMS informiert. Zudem kann die Live-Position unserer Busse auf unserer Homepage eingesehen werden», erklärt der Geschäftsführer. Generell verfüge man auf besagter Strecke über viel Erfahrung.

Keine Konkurrenz für die SBB

Ob Eurobus mit diesen Kniffen die Gäste zum Umsteigen bewegen kann, wird sich zeigen. Wie gross die Auslastung sein muss, damit die Rechnung aufgeht, und mit wie vielen Fahrgästen er rechnet, will Müri nicht sagen. Nur so viel: «Wir gehen auf der neuen Strecke von einer Auslastung von gut 50 Prozent aus.»

«Wir zielen nicht darauf ab, den SBB im Fernverkehr Gäste abzujagen. Aber wir wollen eine attraktive Transportmöglichkeit bieten. Auch für Leute, die heute den ÖV wenig oder gar nicht benutzen», so Müri. Eurobus arbeitet in einer Vertriebskooperation mit Flixbus zusammen.

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