Auch im Einkaufscenter Zugerland in Steinhausen steht ein Krypto-Automat von Värdex. (Bild: sib)
Wirtschaft blockchain

Auch im Einkaufscenter Zugerland in Steinhausen steht ein Krypto-Automat von Värdex. (Bild: sib)

Wie der Bitcoin-Automatenbetreiber gegen die Krise kämpft

5min Lesezeit

Vom Allzeithoch des Bitcoinkurses vor Jahresfrist ist nichts mehr übrig. Seither darben die Kryptowährungen vor sich hin. Der schweizweit grösste Betreiber von Kryptoautomaten Värdex expandiert jedoch munter weiter. Selbst das Ausland ist kein Tabu mehr.

Die Firma Värdex mit Sitz in Baar ist der schweizweit grösste Betreiber von Bitcoinautomaten. Wobei Bitcoinautomat nicht mehr ganz richtig ist. Denn seit kurzem bietet Värdex bei seinen Automaten mit Litecoin und Ether weitere Kryptowährungen an. So werden sie denn inzwischen Kryptoautomaten genannt.

«Diesem Entscheid ist eine intensive Planungsphase vorausgegangen», sagt Raphael Scalise, CEO von Värdex. Er hat die Position im vergangenen Sommer von Remo Uherek übernommen. «Ausschlaggebender Punkt für die Integration weiterer Kryptowährungen war der Wunsch von Kunden», so Scalise weiter. Zudem sei die Aufschaltung von weiteren Kryptowährungen geplant. Und: Neu kann man auch 1000er-Nötli bei den Automaten einspeisen.

Zahl der Automaten explodiert

Auch sonst befindet sich Värdex auf rasantem Expansionskurs. Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der Automaten von gut fünf auf über 25. Im Kanton Zug kamen in dieser Zeit das Einkaufscenter Zugerland in Steinhausen und das Parkhotel in Zug dazu (zentralplus berichtete). In Luzern befindet sich ein Automat an der Frankenstrasse (zentralplus berichtete).

«Wir sind ständig dran, das bestehende Netz von Kryptoautomaten weiter auf- und auszubauen.»

Raphael Scalise, CEO Värdex

Scalise dazu: «Wir sind ständig dran, das bestehende Netz von Kryptoautomaten weiter auf- und auszubauen. Es werden noch weitere Standorte dazukommen.» Selbst eine Expansion ins Ausland werde geprüft. Theoretisch steht bereits ein Automat im nahegelegenen Ausland, nämlich in Vaduz. Dieser ist jedoch momentan ausser Betrieb. Der Preis eines solchen Automaten beläuft sich übrigens auf je nach Grösse zwischen 7'500 und 9'500 Franken.

Absturz hält an

Der Ausbau des Kryptoautomaten-Imperiums hat bloss einen Haken. Seit dem Bitcoin-Höhepunkt im Dezember 2017 befindet sich der Kurs im Sinkflug. Vor Jahresfrist war ein Bitcoin fast 20'000 Franken wert. Über den Sommer und Herbst konnte zumindest noch von Konstanz gesprochen werden. 1 Bitcoin entsprach zwischen 6'000 und 7'000 Franken. Im November folgte der nächste Absturz. Inzwischen ist der Bitcoin gar unter die 4000er-Marke gefallen. Auch bei den anderen Kryptowährungen zeigt der Pfeil nach unten.

«Die Technologie dahinter ist grossartig. Der Markt dafür entwickelt sich jetzt erst gerade.»

Raphael Scalise

«Wie in jedem anderen Währungsmarkt gibt es auch hier Schwankungen. Dennoch hat sich der Wert von Bitcoins seit 2009 ver-x-facht», sagt er. Zur Erinnerung: Die bekannteste aller Kryptowährungen gibt es erst seit dann.

Automaten verstauben nicht

Trotzdem gibt der Zofinger zu, dass sie die Kursschwankungen durchaus spüren würden durch den Einfluss auf die Anzahl der Käufe und Verkäufe. Im selben Atemzug betont Scalise gleich wieder, dass die Benutzung der Automaten ungebrochen sei. Konkrete Zahlen, wie oft sich Krypto-Enthusiasten an die Automaten von Genf bis Gottlieben an der deutschen Grenze verirren, möchte er jedoch nicht nennen.

Warum also trotzdem die Expansion? Kann dies nicht einem Himmelfahrtskommando gleichkommen, sollte sich der Kurs nicht erholen? «Wir wissen, dass wir uns in einem sehr volatilen und dynamischen Marktumfeld bewegen», sagt Scalise, der auch Geschäftsführer einer Firma für Notvorrat ist.

Bei «Notvorrat24» gibt es alles für den Fall einer Naturkatastrophe oder einen Angriff auf das System. Ein Kassenschlager ist die 30-Tage-Notfallbox mit 84 Mahlzeiten – mindestens 25 Jahre haltbar.

«Wir machen weiter»

Auch bei Värdex denkt man langfristig. «Die Technologie dahinter ist grossartig. Der Markt dafür entwickelt sich jetzt erst gerade», sagt Scalise. Er setzt zu Durchhalteparolen an, man sei zuversichtlich, dass sich die aktuelle Situation ändern werde. Und auch wenn nicht – «wir machen weiter».

Auf die Frage, ob ein anhaltendes Tief gar Existenzfragen aufwerfen würde für Värdex, antwortet Scalise ausweichend. Er spricht einzig von weiteren Produkten, die lanciert würden und von zusätzlichen Marktsegmenten, die erschlossen werden sollen.

Bleibt zu hoffen, dass Kryptoautomaten in Zukunft wieder für positivere Schlagzeilen sorgen werden als in den letzten Tagen, als ein Jäger im Herrenwald in Hünenberg einen gestohlenen Bitcoinautomaten fand (zentralplus berichtete). Dieser wurde, obwohl fix an den Boden geschraubt, vor über einem Jahr aus dem Lakeside Business Center in Zug entwendet (zentralplus berichtete).

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