Schöne teure Airbnb-Welt: Gewisse Altstadtapartments schlagen mit 419 Franken zu Buche. (Bild: jwy)
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Schöne teure Airbnb-Welt: Gewisse Altstadtapartments schlagen mit 419 Franken zu Buche. (Bild: jwy)

Luzern will nicht gegen Airbnb vorgehen – noch nicht

6min Lesezeit

Heizen Plattformen wie Airbnb den Wohnungsmarkt an? Der Luzerner Stadtrat erkennt zwar die «Brisanz», will aber trotzdem noch nicht aktiv werden. SP-Parlamentarier Cyrill Studer findet das naiv und kündigt weitere Massnahmen an.

Airbnb, das ist die Plattform, auf der Private ab und zu ihre Wohnung vermieten, wenn sie verreisen. Immer häufiger findet man auch Apartments und grosszügige Lofts zu stolzen Preisen und an besten Lagen.

Anstoss für die Debatte: In diesen Wohnungen wohnt oft niemand, sondern sie werden permanent über die Plattform vermarktet. Die städtische SP will die «Flut an kommerziellen Anbietern» in der Luzerner Innenstadt einschränken und hat dazu im Mai einen Vorstoss eingereicht (zentralplus berichtete).

Das Problem: Die professionellen User, die mehrere Apartments gewerbsmässig anbieten, heizen in der Innen- und Altstadt den knappen Wohnungsmarkt an und treiben die Mieten in die Höhe, befürchtet die SP.

Kein Handlungsbedarf, trotz Brisanz

Der Stadtrat anerkennt die Brisanz des Themas und nimmt das Postulat entgegen, wie er nun mitteilt. Der Anteil von vermieteten Wohnungen in Luzern habe sich in den letzten zwei Jahren  auf über 500 Objekte verdoppelt. «Immer mehr Anbieter von Business-Apartments, Bed and Breakfasts, Hostel- und Hotelzimmern nutzen auch Airbnb als Kanal zur Vermarktung», hält der Stadtrat fest. Viele Hotels würden heute dem Wohnen vorbehaltene Flächen nutzen.

Die Lage auf dem städtischen Wohnungsmarkt sei «angespannt», der Leerwohnungsstand beträgt knapp über 1 Prozent. Aber der tatsächliche Einfluss von Vermietungsplattformen auf den Wohnungsmarkt lasse sich derzeit «nicht abschliessend abschätzen».

«Die Vermietung von Privatunterkünften überwiegt in Luzern deutlich.»

Luzerner Stadtrat

Darum will der Stadtrat noch nicht aktiv werden gegen professionelle Vermieter, er erkennt aufgrund der aktuellen Datenlage «keinen unmittelbaren Handlungsbedarf». Die Vermietung «von sehr beschränkter Dauer von Privatunterkünften durch nicht professionelle Anbieter überwiegt in Luzern bislang deutlich».

Metropolen wie Barcelona oder Berlin, aber auch Bern und Genf haben Massnahmen gegen Airbnb beschlossen. Die Bandbreite reicht von kompletten Verboten bis zu einer Einschränkung in einzelnen Stadtgebieten.

In Luzern hingegen würden die Chancen für den Tourismus von solchen Vermietungsplattformen – dazu zählt auch Booking.com – überwiegen. Weil sie spezifische Bedürfnisse von Gästen abdecken und das Angebot neben den Hotels ergänzen, so der Stadtrat.

Verlorene Steuerzahler

Ziel also erreicht für den Postulanten? Mitnichten: «Ich bin mit der Antwort überhaupt nicht einverstanden», sagt Cyrill Studer, SP-Stadtparlamentarier und Geschäftsleiter des Luzerner Mieterverbandes. Das Problem sei jetzt schon real, der Handlungsbedarf akut: «Mehrere Hundert Wohnungen wurden in der Innenstadt bereits dem Wohnraum entrissen», sagt er. Er hat es in seinem Beruf regelmässig mit Mitgliedern zu tun, die unter dem Verdrängungsdruck in der Stadt leiden.

«Ich werde mit einer Motion nachdoppeln.»

Cyrill Studer, SP

Nicht zuletzt mit Blick auf die Stadtkasse müsse der Stadtrat seiner Meinung nach aktiv werden, weil durch die Verdrängung wertvolle Steuerzahler verloren gingen. Zwar zahlen auch Airbnb-Anbieter Kurtaxen und Abgaben, wie der Stadtrat vorrechnet, jedoch wurden 2017 lediglich 9’300 Logiernächte gemeldet – verglichen mit über 1,3 Millionen in Luzerner Hotels.

Studer bezweifelt deshalb, dass sämtliche Anbieter ihre Abgaben zahlen. «Ich würde gern wissen, wie viel Steuern die Stadt über Airbnb einnimmt und wie viel ihr durch verdrängte ordentliche Steuerzahlerinnen und Steuerzahler entgeht», so Studer.

SP-Politiker Cyrill Studer wünscht sich griffige Massnahmen gegen Airbnb in Luzern.
SP-Politiker Cyrill Studer wünscht sich griffige Massnahmen gegen Airbnb in Luzern. (Bild: zvg)

Weiteren Vorstoss angekündigt

Ganz untätig will der Stadtrat nicht bleiben, sondern sich mit möglichen Massnahmen auseinandersetzen. Dies um negative Auswirkungen auf die Gesellschaft, die soziale Durchmischung der Quartiere und den Wohnungsmarkt zu unterbinden. «Sollte sich in Zukunft Handlungsbedarf abzeichnen, wird er eine Lösung vorschlagen, die auf die örtlichen Gegebenheiten sowie nationale und kantonale Massnahmen abgestimmt sind.»

Die Stadt hat aufgrund des schnellen Wachstums ein Auge auf die Plattformen. «Als eine der führenden Touristenstädte der Schweiz (…) ist die Stadt Luzern gefordert, die künftige Entwicklung weiterhin zu beobachten und negative Tendenzen frühzeitig zu erkennen.» Aufgrund des angespannten Wohnungsmarktes in der Innenstadt will der Stadtrat die professionellen Angebote auf Airbnb & Co. in Zukunft regelmässig analysieren und in den Controllingberichten zur Wohnraumpolitik, die ab 2019 alle fünf Jahre erscheinen, aufgreifen.

Als «ziemlich naiv» bezeichnet Studer dieses Vorgehen – und will ihn mit einem weiteren Vorstoss zu konkreten Schritten verpflichten: «Ich werde mit einer Motion nachdoppeln und das nächste Woche auch der Fraktion nahelegen.»

Airbnb in Luzern: die Zahlen

In der Antwort des Luzerner Stadtrats zur Airbnb-Thematik finden sich ein paar interessante Zahlen:

– Im Kanton Luzern bieten 48 Prozent aller Airbnb-Anbieter mehr als ein Objekt an, in der Stadt sind es 10 Prozent. 5 Prozent bieten mehr als drei Objekte an.

– Ende 2017 gab’s in der Stadt Luzern 530 aktive Unterkünfte auf Airbnb, das ist gegenüber 2015 eine Verdopplung. Darunter findet man auch Business-Apartments und Hotelzimmer. Zum Vergleich: In Luzern gibt’s 3’600 Gäste- und Hotelzimmer.

– Von den gut 45’000 Wohnungen wird 1 Prozent zuweilen auf Airbnb vermietet. Die Angebote konzentrieren sich auf die Gebiete Altstadt/Wey, Neustadt/Voltastrasse und Hirschmatt/Kleinstadt.

– 2017 wurden über Airbnb für 9’300 Logiernächte Kurtaxen und Abgaben bezahlt, das sind nur gerade 0,7 Prozent aller Logiernächte.

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