Dania und Joy (beide 13-jährig) waren schon öfters in der Mall. (Bild: sah)
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Dania und Joy (beide 13-jährig) waren schon öfters in der Mall. (Bild: sah)

Mall-Kunden haben noch immer Orientierungsschwierigkeiten

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Während die einen das grosse Sortiment und die gute Kinderbetreuung loben, kämpfen andere mit Orientierungslosigkeit oder nerven sich über Parkgebühren. Das Zwischenfazit der Besucherinnen der Mall of Switzerland zeigt: Noch besteht Verbesserungspotenzial.

Sara Hensler

Anlässlich des 1-Jahr-Jubiläums der Mall of Switzerland ziehen die Verantwortlichen eine Zwischenbilanz (zentralplus berichtete). Doch auch einige Besucher hat es an diesem Donnerstagnachmittag in das Shoppingcenter nach Ebikon verschlagen. Wir wollten wissen, was eigentlich ihre Zwischenbilanz ist. 

Die grundsätzliche Stimmung bei den Besuchern wirkt entspannt und positiv, so auch bei Dania und Joy, beide 13-jährig. Sie schlendern gemütlich durch die Geschäfte. Weil sie in der Nähe wohnen, schauen sie ab und zu nach der Schule in der Mall vorbei. Sie kennen sich mittlerweile gut aus und wissen perfekt, wo was zu finden ist.

«Ich suche schon wieder den Ausgang.» 

Charlie

Charlie, der bald 80-Jährige Rentner mit französischem Akzent, ist hingegen gar nicht angetan von der Mall. «Dieses Gebäude stösst mich ab. Es ist viel zu weitläufig und kompliziert. Ich komme eigentlich nie hierher.» Auf die Frage, weshalb er heute denn hergekommen sei, sagt er lachend: «Ich bin gerade erst reingekommen und suche schon wieder den Ausgang.» Aber gekauft habe er hier noch nie etwas, es spreche ihn hier drin nichts an. Ein Bild von ihm dürfe ich zwar machen, aber nur solange es nachher nicht heisse, er fände die Mall gut.

Charlie findet keine Freude an der Mall und ist nur auf der Suche nach dem Ausgang
Charlie findet keine Freude an der Mall und ist nur auf der Suche nach dem Ausgang (Bild: sah)

Es fällt auf, dass sich viele ältere Personen irgendwo in den Gängen der Mall oder in einem der 16 Cafés oder Restaurant befinden. Das liegt vielleicht auch einfach an der nachmittäglichen Tageszeit. Auch Silvia (47-jährig) und Judith (46-jährig) sitzen gemütlich im Bachmann-Café direkt in der Eingangshalle im ersten Stock. Sie sind beide positiv überrascht von der Stimmung in der Mall. «Ich hätte nicht gedacht, dass es so gemütlich ist. Ich finde, hier gibt es viele Cafés, in denen man sich wohl fühlen kann.»

Tatsächlich laufen die Gastrobetriebe der Mall relativ gut, wohingegen Kleider- oder Kosmetikläden um Kundschaft bangen (zentralplus berichtete). Vielleicht deswegen stehen Verkäuferinnen oftmals in einem spärlich besuchten Geschäft oder werben mit kostenlosen Proben vor dem Kosmetikgeschäft. 

Mall punktet mit Kinderfreundlichkeit

Eva (35) ist nicht wegen ihres Hungers hier, sondern um Kleider einzukaufen. Sie ist damals kurz nach der Eröffnung mit ihrem Kind in die Mall gefahren. Dort besuchten sie das Kinderland Kaleidoskop, das grösste seiner Art in der Schweiz. «Seitdem ist der Kleine von dieser Welt angetan und möchte immer wieder hierhin. Und für mich ist es superpraktisch, ich lade ihn da ab und kann für mich alleine ein bisschen shoppen», sagt sie und winkt aus dem ersten Stock ihrem kleinen Sohn zu, der ihr aus dem dritten Stock mit seiner Oma zurückwinkt. Das Angebot für Kinder schätzt sie sehr, findet es jedoch preislich eher teuer: «Es hat irgendwie 12 Franken gekostet. Das ist schon viel, aber mir ist es das wert.» 

Eva sowie die meisten anderen Befragten sind entweder zu Fuss oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln angereist. Diesen Trend bestätigen auch die Mall-Verantwortlichen. Laut ihrer Statistik kommen rund 50 Prozent der Leute zu Fuss, mit dem Zug oder dem Bus. 

Nicht so die 28-jährige Shaluj-Laura. Sie ist aus Emmen mit dem Auto angereist und findet das kostenpflichtige Parking ein No-Go: «Ich möchte doch nicht fürs Parken bezahlen, wenn ich schon hier einkaufen gehe», meint sie empört. 

Die drei Gamerinnen erholen sich beim Namen
Die drei Gamerinnen erholen sich beim Namen (Bild: sah)

Barbara (53) ist mit dem Bus aus Luzern angereist. Sie sitzt auf einer Sitzgelegenheit im ersten Stock und lädt ihr Handy an einer dort integrierten Steckdose. Sie schwärmt von dem guten Sortiment der Läden, den qualitativ sehr guten Restaurants und der Möglichkeit des Akkuaufladens: «Das habe ich bisher noch nie gesehen, dass man sein Handy irgendwo aufladen kann. Weiss Gott, wie oft ich schon irgendeinen Anruf hätte machen wollen und nicht konnte, weil ich kein Akku mehr hatte!»

«Man ist ständig auf der Suche nach den richtigen Läden.»

Barbara

Aber auch sie wiederholt die oft genannten Probleme der Grösse und Unübersichtlichkeit: «Es ist halt einfach zu gross und zu weitläufig. Wenn man nicht sehr oft hierherkommt, ist man ständig auf der Suche nach den richtigen Läden.» 

Zwar hat die Mall vor einigen Wochen aufgerüstet und vermehrt Beschilderungen aufgestellt, das sagt der Manager der Mall, Jan Wengeler. Dennoch hört man immer wieder Sätze wie «Wo müssen wir jetzt lang?» oder «Jetzt sind wir glaube ich falsch, oder?» auf den Gängen des endlos scheinenden Gebäudes.

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