Bald geht’s wieder los: Freerider unterhalb des Gletschers am Titlis bei Engelberg. (Bild: hae)
Wirtschaft Tourismus Freizeit

Bald geht’s wieder los: Freerider unterhalb des Gletschers am Titlis bei Engelberg. (Bild: hae)

Weshalb unsere Skigebiete bei der Hochpreispolitik bleiben

6min Lesezeit

Die grossen Skigebiete der Region sind finanziell gesund und nach einem schneereichen Winter hoffnungsvoll unterwegs. Deshalb machen sie nicht bei Dumpingpreisen der Saisonkartenpolitik mit: Der Schneepass Zentralschweiz bleibt weiterhin der teuerste der Schweiz. Die Gründe.

Mathias Haehl

In ein paar Tagen macht der Titlis seine Gletscherpisten für Skifahrer auf, bald folgt das frisch fusionierte Gebiet Andermatt-Sedrun. Noch fehlt zwar der grosse Schnee – aber das war auch im letzten Winter mit wenig Schneefall bis Weihnachten so. Die letzte Saison war dennoch schneereich und ein gutes Geschäft für die Schweizer Bergbahnen, die pro Winter einen Umsatz von 650 Millionen Franken generieren: Die Skigebiete unseres Landes verzeichneten rund 7 Prozent mehr Gäste als im Vorjahr.

Noch besser ging es in der Saison 2017/18 unserer Region, wie Adrian Bühlmann (47), Geschäftsführer der Transportunternehmungen Zentralschweiz TUZ, sagt: «Verglichen mit dem Vorjahr besuchten 14,3 Prozent mehr Gäste die Innerschweizer Wintersportorte.» Die Zentralschweizer Seilbahnen generierten im Jahr 2017 im nationalen Vergleich 15 Prozent des Personenverkehrsertrages.

«Die Zahl der Skitage ging in 15 Jahren um ein Viertel zurück.»

Andreas Keller vom Verband Seilbahnen Schweiz

Laut dem Verband Seilbahnen Schweiz sind die Kosten für den Bahnbetrieb generell gestiegen. Pressechef Andreas Keller sagt: «Gleichzeitig wird immer weniger Ski gefahren. Die Zahl der Skitage ging in 15 Jahren um ein Viertel zurück.» Bedenklich, wenn man weiss, dass der Aufwand eines grossen Skigebietes 250’000 Franken pro Tag kostet (zum Vergleich: Verkehrshaus 52’000).

Skigebiete sind unter Druck

Die Bergregionen sind unter Druck, es stehen in vielen Skigebieten der Schweiz hohe Investitionen an, die nicht immer aus eigener Kraft finanziert werden können. Die Konkurrenz ist dermassen hart, dass diverse Schweizer Bahnen Saisonkarten zu Schnäppchenpreisen offerieren: Die Saas-Region startete vor drei Saisons mit einem 222-Franken-Abo und nannte sich frech «freie Ferienrepublik».

Heuer ist die Winterkarte wieder für 255 Franken zu haben, sofern 66’666 das Angebot wollen. Andere Regionen wie etwa die vier Berner Gebiete Jungfrau, Gstaad, Haslital und Adelboden-Lenk zogen mit Kombinationsangeboten ab 666 Franken nach.

Herr unserer Berge: Adrian Bühlmann, Geschäftsführer der Transportunternehmungen Zentralschweiz.
Herr unserer Berge: Adrian Bühlmann, Geschäftsführer der Transportunternehmungen Zentralschweiz. (Bild: hae)

Immer mehr Regionen bieten den Kunden neuerdings teilflexible Preise an: Neu gibt es bei Wolken oder Hudelwetter preiswertere Tickets als bei Sonnenschein. Online-Frühbucher erhalten auch Rabatte. In Gebieten wie Andermatt, Zermatt und St. Moritz gibt es neu gar keine Festpreise für Skitickets mehr.

13 Gebiete, 1 Pass

Den Schneepass Zentralschweiz gibt es seit 2006/07, in der heutigen Form mit der Keycard für den direkten Zugang seit der Saison 2011/12. Die Saisonkarte ist im Winter für 13 Skigebiete gültig, allerdings zu unterschiedlichen Zeiten: Engelberg-Titlis hat ab dem 20. Oktober mehr als sieben Monate Saison, Andermatt-Sedrun ab dem 9. November über ein halbes Jahr. Melchsee-Frutt, die Mythenregion, Sörenberg und die Engelberger Brunni-Bahnen sind jeweils vier Monate für Wintersportler offen.

Meiringen-Hasliberg, die Rigi-Bahnen, Mörlialp, Sattel-Hochstuckli, die Stoos-Bahnen, Klewenalp-Stockhütte und Marbachegg öffnen im Dezember (je nach Gebiet zwischen 1. und 22. Dezember). Herausgeber ist der Verband Transportunternehmungen Zentralschweiz (TUZ), deren Geschäftsführer der aus Sempach stammende Adrian Bühlmann (47) ist. Mehr Infos gibt es hier.

Der langfristige Erfolg von Skigebieten oder ganzen Regionen mit sehr tiefen Saisonkartenpreisen muss sich erst noch weisen. Und Skigebiete aus anderen Landesteilen sind trotz ihres Erfolgs mit marktschreierischen Marketingaktionen noch lange nicht finanziell aus dem Schneider. Letzte Woche erst wurde etwa bekannt, dass das Saas-Tal nur dank eines zweistelligen Millionenzustupfes aus Österreich überleben wird.

Doch unsere Region hält sich mit Tiefpreisstrategien bei Verbunds- und Saisonabonnementen zurück. Der Schneepass Zentralschweiz kostet weiterhin 1’130 Franken (siehe Box). Adrian Bühlmann: «Die am Schneepass Zentralschweiz beteiligten Skigebiete stehen hinter der bisherigen Preis- und Vertriebsstrategie unseres Verbundsabos. Weil sie den Gebieten eine eigenständige Preispolitik ermöglicht, das heisst: Es gibt keine Konkurrenzierung der eigenen Saisonabonnemente.»

Das mache Sinn, denn wenn man den Zentralschweizer Schneepass für unter 700 Franken kaufen könnte, hätten die Titlis-Bahnen ein Problem, ihre Winter-Saisonabos für 830 Franken zu verkaufen.

«Die Kapazitätsgrenze am Titlis liegt bei rund 8’000 Skifahrern am Tag.»

Adrian Bühlmann, Geschäftsführer der Transportunternehmungen Zentralschweiz TUZ

Adrian Bühlmann erklärt, dass der Preis von 1’130 Franken sich nach den Saisonkartenpreisen der grössten beteiligten Gebiete, also Engelberg und Andermatt, richte. «Stellen Sie sich vor, wir verkauften wie Saas-Fee 66’666 Saisontickets: An einem sonnigen Sonntag stünden wir aufgrund des hohen Anteils an Tagesgästen in der Zentralschweiz nur schon am Titlis vor Engpässen, ist dort die Kapazitätsgrenze doch bei rund 8’000 Skifahrern am Tag.»

Drittstärkste Bergregion der Schweiz: Nur das Wallis und Graubünden überflügeln die Zentralschweiz.
Drittstärkste Bergregion der Schweiz: Nur das Wallis und Graubünden überflügeln die Zentralschweiz. (Bild: hae)

Der langfristige Trend zeigt vom Winter- zum Sommerbetrieb. Auch da ist unsere Region stärker als der Rest der Schweiz unterwegs. Ein wichtiger Grund ist, dass die Anfahrtswege aus den Ballungsgebieten im Tiefland zu den touristisch interessanten Bergen wie Pilatus, Rigi oder Titlis vergleichsweise kurz sind. TUZ-Chef Bühlmann: «Für die Zentralschweizer Bergbahnen macht das Sommergeschäft bereits jetzt 44 Prozent des jährlichen Personenverkehrsertrages aus – der Durchschnitt in der gesamten Schweiz liegt hier nur bei 25 Prozent.»

Sommer in den Bergen immer wichtiger

Die Zentralschweizer Bergbahnen waren also auch in diesem Traumsommer schon sehr gut unterwegs und bauen das Angebot ständig aus. Im Angebot stehen zudem auch im Sommer Verbundstickets. Zum Beispiel der Tell-Pass, mit dem man an mehreren Tagen nacheinander die Region mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Bahnen erwandern und erleben kann.

Es gibt neu gar auch einen Tell-Pass für den Winter. Adrian Bühlmann: «Da nutzen unsere Bahnbetreiber neue Chancen, sie denken langfristig und wollen auch noch in 20 Jahren Wintergäste befördern.»

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Wirtschaft