Jean-Claude Bastos de Morais in einer Dokumentation von Fernsehen SRF. (Bild: Screenshot SRF)
Wirtschaft Justiz

Jean-Claude Bastos de Morais in einer Dokumentation von Fernsehen SRF. (Bild: Screenshot SRF)

Wie ernsthaft wird in Zug der Kampf gegen Geldwäsche geführt?

7min Lesezeit

Seit dem Leak der Panama und Paradise Papers ist der Geschäftsmann Jean-Claude Bastos de Morais in den Schlagzeilen. Seine Zuger Quantum-Global-Gruppe hat Milliarden aus dem angolanischen Staatsfonds angelegt. Bastos ist damit schwerreich geworden. Jetzt schmort er in einem afrikanischen Knast und bei seiner Zuger Firmengruppe tun sich Fragen zur Geldwäscherei-Bekämpfung auf.

Markus Mathis

Hastig hat der Baarer Anwalt Martin Neese im Mai die Verwaltungsräte von verschiedenen Firmen der Quantum-Global-Gruppe verlassen, nachdem in Zug, Zürich und Lugano Hausdurchsuchungen wegen vermuteten Steuerdelikten stattgefunden hatten (zentralplus berichtete).

Über die Quantum-Global-Gruppe hatte der schweizerisch-angolanische Geschäftsmann Jean-Claude Bastos de Morais einige Jahre lang Milliarden aus dem angolanischen Staatsfonds investiert (siehe Kasten).

Einst mit Bundesrätin befreundet, nun Häftling

Bastos, der sich am Fernsehen als lockerer Typ inszenierte, sieht sich als Philanthrop. Er hatte sich in der Schweiz mit allerlei illustren Freunden umgeben – darunter auch alt Bundesrätin Ruth Metzler, SBB-Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar und dem Luzerner Schriftsteller Rolf Dobelli.

Dann tauchte er mit seinen Offshore-Geschäften in den Panama Papers und den Paradise Papers auf. So richtig ungemütlich wurde es für Bastos wegen eines Machtwechsels in Angola im Jahre 2017. Der neue Präsident João Lourenço zieht gegen Bastos und seine Helfer ins Feld.

Vor der Quantum Global in Zug am Postplatz: Josef Lang und einige Demonstranten protestieren gegen die Machenschaften der Rohstoffhändler.
Vor der Quantum Global in Zug am Postplatz: Josef Lang und einige Demonstranten protestieren gegen die Machenschaften der Rohstoffhändler. (Bild: woz)

Bastos selbst wurde Mitte September zusammen mit Filomeno dos Santos, dem Sohn des früheren angolanischen Staatspräsidenten und früheren Chef des Staatfonds, inhaftiert.

Verstoss gegen Menschenrechte

Die dortige Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bastos unter anderem wegen Geldwäscherei, Korruption, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Veruntreuung. Mittlerweile hat sie Bastos in ein berüchtigtes Hochsicherheitsgefängnis verlegt.

Quantum Global in Zug kritisierte Bastos' Verlegung ins Foltergefängnis in einer Mitteilung kürzlich als Verstoss gegen die Menschenrechte. Seine Festnahme sei «unberechtigt und widerrechtlich». Sie diene dazu, Bastos weichzukochen und dem Staatsfonds den Ausstieg aus Verträgen mit der Quantum-Global-Gruppe von Bastos zu ermöglichen.

Zwei Ermittlungsverfahren laufen in der Schweiz

Doch auch in der Schweiz verdunkeln sich die Wolken über Quantum Global. Wie die «Sonntagszeitung» berichtete, wirft die Eidgenössische Steuerverwaltung Schweizer Quantum-Global-Firmen vor, insgesamt 109 Millionen Franken am Fiskus vorbeigeschmuggelt zu haben.

«Ich begrüsse, dass die Tatbestände genau untersucht werden.»

Martin Neese

Es laufen zwei Verfahren wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung und Steuerbetrug sowie wegen Abgabebetrug. Dies geht aus einem Beschluss des Bundesstrafgerichts vom Montag hervor. Im Fokus stehen Jean-Claude Bastos, der Zürcher Anwalt Thomas Ladner, die Quantum Global Investment Management AG aus Zug, die gegen die Beschlagnahmung von Akten vergeblich Beschwerde erhoben hatte, sowie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG.

Zuger VQF beaufsichtigt Quantum Global

Bei eben dieser Firma, gegen die nun wegen Steuerbetrugs ermittelt wird, sass der Baarer Anwalt Martin Neese noch unlängst im Verwaltungsrat. Darauf angesprochen meint er: Sein Rücktritt habe unter anderem dem Zweck gedient, den Weg für eine lückenlose Aufklärung zu ebnen. «Ich begrüsse, dass die Tatbestände genau untersucht werden und Klarheit geschaffen wird.»

Befremdlich ist aber ein anderer Zusammenhang: Martin Neese ist auch Präsident des VQF, welcher die Einhaltung des Geldwäschereigesetzes bei Finanzakteuren sicherstellen soll. Der VQF ist indes nicht nur die grösste Selbstregulierungsorganisation der Schweiz.

Die Zuger Organisation soll auch prüfen, ob die Quantum Global Investment Management AG die Bestimmungen zur Geldwäsche einhält. Diesen Sachverhalt bestätigte Nicolas Ramelet, der Geschäftsführer des VQF, gegenüber zentralplus.

Neese sieht keinen Interessenskonflikt

Das ist erstaunlich, da Quantum-Global-Inhaber Bastos mindestens in Angola mit dem Vorwurf der Geldwäscherei konfrontiert wird. Denn das bedeutet: In der strategischen Führung jener Zuger Quantum-Global-Firmen, die Ärger mit dem Gesetz haben, sass der Präsident jener Organisation, die gleichzeitig sicherstellen soll, dass Gesetze eingehalten werden.

Martin Neese sagt, er habe «bis heute nicht die geringsten Anhaltspunkte für Geldwäscherei» bei Quantum Global. Auch sein Engagement als VQF-Präsident im Verwaltungsrat von Quantum Global findet er unproblematisch:  «Als VQF-Präsident hatte und habe ich keine Einsicht in die Prüfungstätigkeiten der Aufsichtskommission des VQF», sagt er. «Die beiden Organe sind strikt getrennt.» Die Trennung solle sicherstellen, dass kein Interessenkonflikt entstehen könne.

«Für uns nicht zulässig»

Die eidgenössische Revisionsaufsichtsbehörde hat hinsichtlich der Compliance-Handhabung des VQF bei Quantum Global eine andere Ansicht als die Finanzmarktaufsicht (Finma). «In unserem Zuständigkeitsbereich wäre die Konstellation nicht zulässig», schreibt Direktor Frank Schneider auf Anfrage an zentralplus. Allerdings sei die Revisionsaufsichtsbehörde nur für die Aufsicht über jene Prüfer zuständig, welche die der Finma direkt unterstellten Finanzintermediäre kontrollieren. Die Aufsicht über den VQF und die Prüfer der Selbstregulierungsorganisationen obliege der Finma.

Gesetzgeber wollte Verflechtung

Nicolas Ramelet sagt, die Konstellation sei nicht nur rechtens. «Es ist vom Gesetzgeber gewollt, dass der Vorstand des VQF, wie bei anderen Selbstregulierungsorganisationen, aus Exponenten des jeweiligen Wirtschaftszweiges besteht.»  Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma bestätigt diese Sichtweise. Die eidgenössiche Revisionsaufsichtsbehörde hat da allerdings eine andere Ansicht (siehe Box).

Auf die Frage, ob Quantum Global alle Erfordernisse des Geldwäschereigesetzes eingehalten habe, gibt's keine Antwort. «Generell informiert der VQF Dritte nicht über die konkrete Aufsichtstätigkeit über seine Mitglieder», verlautbart Nicolas Ramelet.

Finma verspricht Abklärungen

Auch bei der Finma bleibt man in Sachen Quantum Global äusserst vage: «Generell lässt sich sagen, dass die Finma im Rahmen ihrer Geldwäschereiaufsicht im Zusammenhang mit der angolanischen Nationalbank und dem angolanischen Staatsfonds Abklärungen bei Beaufsichtigten trifft», sagt Finma-Sprecher Vinzenz Mathys.

 Angolanische Staatsfonds: Fette Beute für Zuger Quantum-Global-Gruppe

Die Quantum-Global-Gruppe in Zug (und auf Mauritius) wurde durch die Paradise Papers bekannt. Sie sind das Vehikel des Freiburger Fondmanagers Jean-Claude Bastos de Morais (50).

Dank freundschaftlichen Verbindungen zur Familie des früheren angolanischen Staatspräsidenten José Eduardo dos Santos konnte Bastos Gelder des angolanischen Staatsfonds anlegen.

Der Staatsfonds wurde 2012 geschaffen und mit Rohstoffgeldern geäufnet. Er ist mit fünf Milliarden Dollar dotiert. 2013 erhielt die Quantum Global Investment Management AG in Zug das Mandat, drei Milliarden davon anzulegen.

Es wird Bastos vorgeworfen, dass er bei der Vermögensverwaltung selbst profitierte, und zwar vorab durch erhöhte Managementgebühren. Indes gilt – was justiziables Verhalten betrifft – die Unschuldsvermutung.

Bereits vor seinen Afrikageschäften war der angolanisch-schweizerische Doppelbürger Bastos in Zug einmal wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung verurteilt worden.

In Zug kam es Ende November 2017 auf dem Postplatz zu einer Demonstration der Alternativen gegen die Praktiken im internationalen Rohstoffhandel.

 

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Wirtschaft