Pascale Birchmeier und Christian Fässler sind zurück an der Habsburgerstrasse. (Bild: hae)
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Pascale Birchmeier und Christian Fässler sind zurück an der Habsburgerstrasse. (Bild: hae)

«Luzerner Heidi Klum» designt Schmuck neu auch in Mallorca

8min Lesezeit

Einst sorgten sie mit ihren Pompidou-Geschäften bis nach Zürich für Furore, fünf Jahre danach produzieren Pascale Birchmeier und Christian Fässler Modeschmuck wieder in den alten Räumlichkeiten. Da war dann doch nichts mit Frühpensionierung in Mallorca.

Mathias Haehl

Sie sind eines der umtriebigsten Paare der Stadt Luzern. Auffällig obendrein: Pascale Birchmeier (49) und Christian Fässler (55) sehen ein bisschen aus wie Heidi Klum und «Cast Away»-Held Tom Hanks. Sie blond, in Modelgrösse, mit hübschem Lächeln; er ein bärtiger 1,90-Meter-Hüne.

Die beiden Luzerner reisten sehr gerne und hatten den Traum, sich mit einem eigenen Unternehmen zu verwirklichen: Voilà, Café Voyage war gegründet.

«Wir verkauften Individualferien, und nebenbei wollten viele noch Möbel, wie wir sie hatten.»

Pascale Birchmeier und Christian Fässler in ihrem Café Voyage

Es war das in den 90er-Jahren wohl schönste Reisebüro der Stadt: viele Pflanzen, bequeme Kafilounge, reich bestückte Bibliothek und Videothek. Und das alles mit schicken Holzmöbeln aus dem vom Paar geliebten Südfrankreich. «Wir verkauften Individualferien, und nebenbei wollten viele noch Möbel, wie wir sie in unserem Café Voyage hatten», erinnern sie sich.

Das Paar in Pompidou-Zeiten: Am Schluss hatte das Unternehmen 30 Angestellte.
Das Paar in Pompidou-Zeiten: Am Schluss hatte das Unternehmen 30 Angestellte. (Bild: zvg)

Pompidou war der nächste Schritt, das 2002 gegründete Einrichtungsgeschäft mit einer zusätzlichen Schmuck- und Accessoire-Abteilung florierte immer mehr, weil das Paar Tag und Nacht arbeitete.

Nach elf Jahren fünf Boutiquen

Und sie waren mit dem Provence-Schick im richtigen Moment am richtigen Ort: Nach elf Jahren hatten sie fünf Boutiquen in Luzern, Zürich und Baden sowie 30 Angestellte. Der Name Pompidou wurde auch in Luzern zur Erfolgsgeschichte.

Der Schmuck und die Möbel gingen weg wie warme Weggli, die alle sechs Monate stattfindenden Apéros mit DJ Ronnie Hürlimann waren begehrt – mehr als 400 Kunden kamen jeweils zum Feiern und trugen Pompidou-Produkte weit über die Kantonsgrenzen hinaus. So weit, dass ein grosser internationaler Schnapshersteller die Parties gar übernehmen wollte, aber Fässler winkte ab. 

Verkauf und ab nach Mallorca

Es kam 2013 zum Verkauf und das Paar setzte sich zu einer langen Pause nach Mallorca ab, wo es heute neben Emmen einen zweiten Wohnsitz hat. Zürcher Unternehmer übernahmen die Marke und wollten die Pompidou-Geschäfte ausbauen. Doch das gelang bislang nicht, es gibt derzeit noch vier Geschäfte und drei Shop-in-Shops in Kaufhäusern. Und von den zuletzt 30 Angestellten waren nach einem halben Jahr 27 weg.

Dass die neuen Investoren kein glückliches Händchen haben und die Erfolgsgeschichte quasi in den Sand gesetzt wurde, tut dem Paar sehr leid. Den Zürchern fehlte offenbar die Kreativität, die Stilsicherheit und das Herz von Pascale Birchmeier sowie die Beharrlichkeit bei Verhandlungen von Christian Fässler. Die zwei sagen: «Die Seele war weg. Wir hingegen waren wie eine Familie, unsere Mitarbeiterinnen treffen sich heute noch.»

Ohne ihre vielen Angestellten machen Pascale Birchmeier und Christian Fässler heute als Duo weiter. Fünf Jahre nach Ende der Konkurrenzklausel sind sie wieder im Schmuckgeschäft und nisten sich jetzt mit ihrer neuen Firma wieder in der Stadt ein: Pink Sand hat das Büro und den Showroom in den alten Pompidou-Lokalitäten an der Habsburgerstrasse, wie bis 2013.

Es leuchtet in Gold und Silber: Teile der Pink-Sand-Kollektion im Showroom.
Es leuchtet in Gold und Silber: Teile der Pink-Sand-Kollektion im Showroom. (Bild: hae)

Pascale Birchmeier sagt: «Wir sind wieder in unserer alten Heimat Neustadt, hier, wo ich aufwuchs – und man freut sich mit uns.» Die Beizer und Barmen rundum hätten das Paar bereits wieder freudig im Quartier begrüsst. Die Schmuckdesignerin strahlt am acht Meter langen Tisch im Showroom, überall an den Wänden leuchtet es in Gold und Silber. Die neue Kollektion ist unter Dach und Fach, sie hat mit ihrem Christian wieder Nächte durchgearbeitet.

«Es ist wie in der Mode, es geht viel um Emotionen.»

Zwei Kollektionen machen sie mit Pink Sand pro Jahr, und das in verschiedenen Stilen mit rund 4000 Artikeln. Geht einem da beim Modeschmuck nicht die Inspiration irgendwann aus? Nein, ganz im Gegenteil, betont Christian Fässler: «Es ist wie in der Mode, da gibt es immer wieder Revivals von Bekanntem, vor allem die Kombination und Präsentation sind jeweils neu. Es geht viel um Emotionen», sagt Fässler.

Pascale Birchmeier ergänzt: «Ich bin so motiviert, und in Mallorca habe ich viel Musse, um kreativ zu sein.» Sie designt nicht etwa am PC, sondern kreiert ihren neuen Schmuck in alter Manier mit Farbstiften auf Papier.

«Wir können weltweit online sein, sind somit flexibler und brauchen keine Öffnungszeiten.»

Doch ihr Geschäftsmodell ist heute ein anderes, modernes. Sie wollen keinen Laden mehr aufmachen: «Wir können weltweit online sein, sind somit flexibler und brauchen keine Öffnungszeiten.» In Luzern sind ihre Pink-Sand-Produkte in drei Boutiquen zu haben. Mehr als 70 Retailer gibt es in der Schweiz, fast 30 weltweit.

Handarbeit: Pascale Birchmeier designt ihre Schmuckstücke nicht etwa am PC, sondern von Hand mit Farbstiften.
Handarbeit: Pascale Birchmeier designt ihre Schmuckstücke nicht etwa am PC, sondern von Hand mit Farbstiften. (Bild: hae)

Wo kommt der Schmuck her? Aus der ganzen Welt. Die Stücke sind zertifiziert, dass sie aus fairer Produktion stammen. Weil das Duo ja auch schon Globus und Coop beliefert hat, die strenge Auflagen haben. Leder stammt aus Italien, Ketten kommen aus Deutschland, Steine aus Indien; es ist eine extrem farbige Palette von Halbedelsteinen wie Mondstein, Jade oder Achat.

Zeit für Hobbies

Jetzt bleibt Pascale Birchmeier und Christian Fässler auch noch Zeit für Hobbies: Rumschmusen mit drei Katzen. Fässler ist oft bei seinen vielen Vintage-Töffs, die er in seinem Motorbikeshop hinter dem Bahnhof aufmöbelt.

Geschäftspartner und ein Paar: Pascale Birchmeier und Christian Fässler.
Geschäftspartner und ein Paar: Pascale Birchmeier und Christian Fässler. (Bild: hae)

Und Reisen. Bei ihrer liebsten Passion kamen sie bei vielen Paris-Aufenthalten auf den Firmennamen Pompidou. Und nach einem Aufenthalt am Pink-Sand-Strand auf Harbour Island in den Bahamas auch auf den neuen Namen. Der steht für: rosa Strände, ein Ferientraum. Dafür steht auch ihre Linie: für Exotik, Genuss und Strand.

Und am liebsten arbeiten die beiden dafür in ihrem Feriendomizil auf Mallorca, mitten in der Stadt Palma. Die Frühpensionierung kann also noch ein paar Jährchen warten.

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