Alfons Spirig fühlt sich nicht fair behandelt. (Bild: zvg)
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Alfons Spirig fühlt sich nicht fair behandelt. (Bild: zvg)

Knatsch der Lokalradios: Central fährt Pilatus an den Karren

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Radiomacher Alfons Spirig regt sich auf. Radio Pilatus verabschiede sich aus der lokalen Berichterstattung, moniert er. Damit gehe die Medienvielfalt zu Grunde. Fast noch mehr ärgert ihn aber die Ungleichbehandlung in der Schweizer Medienförderung.

«Das stärkste Radiohaus der Zentralschweiz – bald auch das einzige?» Diese Frage stellt sich Alfons Spirig mit Radio Central, Sunshine Radio und Radio Eviva. Seine drei Sender der Neuen Medien Zentralschweiz erreichen täglich rund 410'000 Hörer. Sein Sender wolle im Auge behalten, dass die Medienlandschaft echte unabhängige Radios, die Qualität und Information garantieren, atmen lasse.

Weshalb diese kritischen Worte? Radio Central und Sunshine Radio sind mittlerweile die einzigen grossen Privatradios mit Konzession in der Zentralschweiz. Radio Pilatus, das wie auch die Luzerner Zeitung und Tele1 zur NZZ-Gruppe gehört, hat seine Konzession hingegen zwischenzeitlich ans Bakom (Bundesamt für Kommunikation) zurückgegeben. «Es ist im Zuge dessen offenbar zu keinerlei relevanter Information und Rechenschaft mehr verpflichtet», mutmasst Spirig. «Unsere Stationen möchten den vollen Service Public für die Region.»

Spirig fordert politische Unterstützung

Ihn ärgert auch, dass die Redaktion von Radio Pilatus längst mit derer von Tele1 zusammengelegt wurde. Tele1 notabene, das selbst über 3 Millionen Gebührengelder beziehe. So werde indirekt auch Radio Pilatus unterstützt. «Warum sie nach Aufgabe ihrer Pflichten noch das Recht einer UKW-Konzession zum Senden innehaben, widerspricht nach unseren Informationen den Abmachungen, die mit dem Bakom getroffen wurden.» Unterstützt werden soll laut Spirig nur, wer sich um gute Informationen kümmere. Dies wird so durch die Konzession vorgegeben. «Die aktuelle Ungleichbehandlung ist sehr stossend und wir werden weiter für eine echte Medienvielfalt kämpfen.» Hier sollte auch die Politik aktiv werden, fordert Spirig  

«Das Traurige ist, dass sie damit auch noch Erfolg haben.»

Alfons Spirig, Radiolegende

Er beurteilt das geplante Joint Venture der NZZ-Regionalmedien mit den AZ Medien sehr kritisch. «Die Medienlandschaft der Schweiz ist im Umbruch und von Spardruck geprägt. Dies sicherlich auch zu Lasten des Journalismus.» Nicht jedes journalistische Produkt müsste sterben, stünde nicht die Rendite an oberster Stelle, sagt Spirig. «Das Traurige ist, dass sie damit auch noch Erfolg haben» (siehe Box).

NZZ nimmt Kritik gelassen

Das Joint Venture berge hohe Gefahren der Monopolbildung. Dies hat mittlerweile auch die Weko erkannt, welche den Deal genauer unter die Lupe nehmen will. Auch die Luzerner Regierung und die Stadtluzerner Regierung haben Sorgen über die künftige Medienvielfalt geäussert (zentralplus berichtete). «Als echtes lokales Medienunternehmen sind wir darum bemüht, die Radiovielfalt in der Innerschweiz nicht vollends zu Grunde gehen zu lassen», sagt Spirig. Die Schärfe seiner Äusserungen begründet er mit den aktuellen Entwicklungen in der Medienlandschaft. 

Bei der NZZ-Mediengruppe will man diesen Frontalangriff auf den Luzerner Regionalsender nicht gross kommentieren, wie Mediensprecherin Seta Thakur auf Anfrage von zentralplus erklärt. «Wir geben unsere Konzession zurück, weil aus unserer Sicht die dadurch entstehenden Vorteile überwiegen.» Dank der Rückgabe entfalle der staatliche Leistungsauftrag, und die Redaktionen haben freien Handlungsspielraum in der Ausgestaltung der redaktionellen Inhalte. «Dies schafft beispielsweise auch neue Potenziale bei der Kooperation mit anderen Sendern», erklärt Thakur. Abstriche bei der Qualität seien keine vorgesehen. 

Was aber hat die Rückgabe der Konzession auf die künftige regionale Berichterstattung für Auswirkungen? Thakur sagt: «Die Ausrichtung des Senders bleibt bestehen. Künftige Anpassungen erfolgen lediglich im üblichen Rahmen der Weiterentwicklung.»

Radio Pilatus neu die Nummer 3 der Schweizer Privatradios

247’540 Personen schalteten im ersten Semester des Jahres 2018 täglich Radio Pilatus ein. Dies belegen die aktuellen Zahlen von Mediapulse, welche diesen Dienstag veröffentlicht wurden. Radio Pilatus ist damit das drittgrösste Privatradio der Schweiz hinter Energy Zürich und Radio 24.

Radio Pilatus-CEO Joachim Freiberg erklärt in einer Mitteilung: «Die guten Hörerzahlen sind der beste Beleg für die hohe Akzeptanz von Radio Pilatus in der Zentralschweiz.»

 

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