Regierungsrat Robert Küng mit dem Weinführer Zentralschweiz. (Bild: jal)
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Regierungsrat Robert Küng mit dem Weinführer Zentralschweiz. (Bild: jal)

Prost! Kanton Luzern investiert in Rebensaft

9min Lesezeit

Die Winzer im Kanton Luzern werden immer zahlreicher. Um sie zu unterstützen, lanciert der Kanton einen neuen Wettbewerb für den besten Luzerner Wein. Doch ein solches Marketing haben die Weinbauer gar nicht nötig. Wieso es für FDP-Regierungsrat Robert Küng trotzdem legitim ist, wenn der Staat alkoholhaltigen Traubensaft fördert.

«Ich bin Weinliebhaber», sagt der Luzerner Regierungspräsident Robert Küng. Wenn er sich im Oktober etliche Gläser Wein zu Gemüte führen wird, hat das aber nichts mit seiner Vorliebe zu tun, und auch nichts mit einem ausserordentlichen Erfolg oder seinem bevorstehenden Rückzug aus der Politik. Nein, Küng ist Teil der Jury für den Luzerner Wein des Jahres, der diesen November erstmals prämiert wird.

Diesen neuen Preis hat der Kanton diesen Donnerstag ins Leben gerufen. «Wir wollen den Luzerner Wein mit seiner Vielfalt und seiner Qualität besser bekannt machen», begründet Küng (FDP). Viele wüssten nicht, dass im Seetal oder an den Hängen des Vierwaldstättersees gute Tropfen produziert werden.

Zumindest einer, der sich über Klimawandel freut

Kein Wunder: Würden alle nur Luzerner Wein trinken, wären die Keller der hiesigen Produzenten bald leer. Pro Einwohner stellen die Luzerner Winzer dieses Jahr voraussichtlich gerade mal eine Flasche Wein her. Was nach wenig tönt, ist allerdings das Resultat eines ansehnlichen Wachstums. In den letzten 15 Jahren hat sich die Anbaufläche in Luzern auf aktuell über 60 Hektare verdoppelt (zentralplus berichtete).

Die Tendenz zeigt eindeutig weiter nach oben: Jedes Jahr steigen ein bis zwei neue Betriebe in den Weinbau ein. Dereinst sollen auf rund 100 Hektaren Reben gepflanzt werden. Beat Felder, seit über 30 Jahren Rebbaukommissär von Luzern, Nidwalden, Obwalden, Uri und Zug, spricht von einem Ausbaupotenzial von einer halben Million Flaschen Wein pro Jahr.

«Die Chancen des Klimawandels für den Luzerner Weinbau sind viel besser als die Risiken.»

Beat Felder, Rebbaukommissär von Luzern, Nidwalden, Obwalden, Uri und Zug

Mit ein Grund dafür ist der Klimawandel, von dem die Luzerner Winzer profitieren. Höhere Temperaturen und frühere Blütezeiten führen «fast zu italienischen Verhältnissen», wie Felder sagt. Der Nachteil: Wenn es regnet, dann meist in kurzer Zeit sehr viel. Und das begünstigt Schädlinge. Auch deshalb wird im Kanton Luzern ein relativ hoher Anteil an pilzwiderstandsfähigen Sorten angepflanzt. Für Beat Felder ist insgesamt klar: «Die Chancen des Klimawandels für den Luzerner Weinbau überwiegen die Risiken.»

Aktuell sind im Kanton Luzern rund 40 Winzer tätig, davon 12 Kelterbetriebe. Jeder, der mehr als 1000 Flaschen herstellt, kann bei der neu lancierten Prämierung zum besten Luzerner Wein teilnehmen. Der Preis wird zukünftig alljährlich in sechs Kategorien vergeben: Rotwein, Rotwein Barrique, Weisswein sortenrein, Weisswein Cuvée, Süsswein sowie Schaumwein.

Wer gewinnt, das entscheidet eine neunköpfige Jury im Oktober. Nebst dem Regierungspräsidenten, dem Staatsschreiber und dem Leiter der Dienststelle Landwirtschaft und Wald von Seiten des Kantons gehört der Präsident des Weinbauvereins dazu. Dazu kommt ein Weinsensoriker, ein Händler, ein Sommelier, ein Gastronom und ein Weinjournalist. Geleitet wird die Degustation von Weinkenner Ivan Barbic, der sich mit dem in der Branche begehrten Titel «Master of Wine» schmückt. Anfang November werden die Sieger bekannt gegeben. Die Ausgaben des Kantons für den Preis seien minim, sagt Küng, sie betragen schätzungsweise rund 5'000 Franken.

Beat Felder, Rebbauverantwortlicher, über den Luzerner Wein:

 

Die Gefahr, dass immer dieselben Winzer abräumen, erachten die Verantwortlichen als relativ klein. «Bei der Süsswein-Kategorie könnte das der Fall sein, das wollen wir nicht wegdiskutieren», sagt Robert Küng. Es könne entsprechend sein, dass man bei fehlender Auswahl dereinst auf diese Kategorie verzichte. Doch der Kanton wolle das ganze Spektrum des Weinbaus in den Preis einbeziehen, deshalb die sechs Kategorien. «Wenn einer mehrmals gewinnt, werden sich die anderen steigern. Das erzeugt Wettbewerb», ist Beat Felder überzeugt.

Ein Blick zurück

Obwohl nicht als Winzerkanton bekannt, sind Trauben Luzern nicht fremd. Im Mittelalter war Weinbau in der Region verbreitet, daraufhin verschwand er aber zwischenzeitlich komplett. Schuld daran war hauptsächlich die Reblaus. Dazu kam, dass sich entlang der Gotthardlinie die grossen Importeure ansiedelten und günstigen Wein von Italien in die Region brachten.

1952 bepflanzte der Kanton Luzern selbst einen Rebberg unterhalb von Schloss Heidegg im Seetal und stiess damit die Produktion wieder an. Inzwischen wird in vier Regionen Wein produziert: Vierwaldstättersee, Seetal, Sempachersee/Surental und Wiggertal. Der Anteil an roten und weissen Trauben ist ungefähr ausgeglichen. 2005 wurde die kontrollierte Ursprungsbezeichnung AOC Luzern eingeführt.

Ein amtliches Gütesiegel für Weine kennen beispielsweise auch Aargau, Basel-Land oder Bern. Man wolle aber nicht jene Kantone kopieren, sagt Beat Felder. So wird in Luzern zum Beispiel nicht wie anderswo an offiziellen Staatsanlässen nur noch der prämierte Wein ausgeschenkt. Dies aus einem ganz bestimmten Grund: «Wir wollen keine Konkurrenz schaffen zum Staatswein vom Schloss Heidegg», sagt Robert Küng. Dort besitzt der Kanton Luzern nämlich eigene Rebstöcke, die ein Pächter zu Wein veredeln lässt (siehe Box).

Wo der Staat den Winzern tatsächlich helfen könnte

Der Zentralschweizer Weinbauverein freut sich über den neuen Preis. «Ich finde es natürlich gut, wenn ein Kanton aus eigener Initiative ein Projekt startet, das die Qualität des lokalen Weins ins Zentrum stellt», sagt Präsident Peter Krummenacher. «Zu Recht kann der Kanton Luzern stolz sein auf die Entwicklung seines Rebbaus in der jüngeren Vergangenheit und auf den mittlerweile schweizweiten Bekanntheitsgrad der einheimischen Weine.»

Geld erhalten die Hersteller des «besten Luzerner Weins» allerdings nicht. «Die Prämierung ist nicht mit einem Preisgeld verbunden, sondern mit dem Namen ‹bester Luzerner Wein›, den man als Marketinginstrument brauchen kann», sagt Robert Küng. Denn nicht nur die Bevölkerung soll mitbekommen, was in Sachen Wein in Luzern läuft. «Wir wollen die Gastronomen motivieren, Luzerner Wein auf die Karte zu setzen», sagt der 2019 abtretende Regierungsrat.

«Wir wollen mal von der Diskussion um die Finanzen loskommen und vom Positiven reden.»

Robert Küng, Regierungsrat

Dass der Kanton Luzern den Winzern unter die Arme greift, wäre indes nicht nötig. Bereits heute hätten diese keine Absatzprobleme, trotz Durchschnittspreisen von 15 bis 20 Franken pro Flasche, wie Beat Felder sagt. «Luzerner Winzer müssen nicht zu Dumpingpreisen im Grosshandel Wein anbieten, damit sie ihre Keller leeren können. Es ist eher andersrum: dass es ein knappes Gut ist.»

Wieso also erachtet es Luzern als Staatsaufgabe, in den freien Markt einzugreifen, zumal in einer Branche, die offenbar bestens funktioniert? «Es ist berechtigt, diese Frage zu stellen», entgegnet Robert Küng. «Aber wir wollen mal von der Diskussion um die Finanzen loskommen und vom Positiven reden.» Aufgrund der negativen Schlagzeilen seien sich laut Küng viele gar nicht mehr bewusst, welche Lebensqualität der Kanton Luzern biete.

Und genau das, die Lebensqualität, hat sich der Willisauer als Motto für sein Jahr als Regierungspräsident auserkoren. «Wir dürfen doch mal die Luzerner Eigenheiten in den Vordergrund rücken und sagen: Das machen wir gut, das wollen wir vorwärtsbringen und bekannt machen.»

Diese Sorten kommen im Kanton Luzern am häufigsten vor:

 

 

 

Der Weinbauverein indes will von staatlicher Intervention nichts wissen. «Die erfolgreichen Luzerner Winzerinnen und Winzer haben dieses positive Renommé aus eigener Kraft geschaffen, ohne kantonale Weinbauförderungsmassnahmen», betont Präsident Peter Krummenacher. In der Zentralschweiz sei es schon immer so gewesen – und werde es auch in Zukunft so bleiben, dass sich die Winzerinnen und Winzer selbst um ihren Absatz kümmern. «Dies ist richtig so, der Staat hat hier keine Aufgaben», so der Obwaldner.

«Vielmehr ist es umgekehrt wichtig, dass der Staat positive Entwicklungen der Branche nicht hemmt.» Gerade wenn erfolgreiche Betriebe wachsen und ihre Infrastruktur vergrössern wollen, hofft der Verein von Seiten des Kantons auf eine wirtschaftsfreundliche Handhabung der entsprechenden Bewilligungen. Trotzdem, bilanziert Krummenacher, sei es natürlich gut für die Branche, wenn positiv über Wein berichtet werde.

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