Bringen das Baby zum Fahren: Initiant Markus Schulthess (links) mit Simone und Stefan Hauser von der Vinothek Hauser. (Bild: hae)
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Bringen das Baby zum Fahren: Initiant Markus Schulthess (links) mit Simone und Stefan Hauser von der Vinothek Hauser. (Bild: hae)

Eine kleine App im Kampf gegen das Internet-Shopping

5min Lesezeit

Die Perlen des Einzelhandels sind nicht immer einfach zu finden. Eine neue Gratis-App will bei der Suche in der Stadt Luzern Abhilfe schaffen: «Findeling» führt zu kleinen Läden in der Region, die oft im Schatten der grossen Malls oder E-Shops stehen. Die Idee, von Deutschland in die Schweiz importiert, hatte eine 90-Jährige.

Mathias Haehl

Keinen Plan, wie man zu Kleinläden in der Stadt kommt? Die neue App «Findeling» hilft beim mobilen Aufstöbern von inhaberbetriebenen Lokalen des Kleingewerbes. Initiiert wurde die App durch den Luzerner Quartierverein Hirschmatt-Neustadt. 62 von rund 120 angeschriebenen Geschäften machen derzeit mit, weitere sind willkommen. «Wir haben alteingesessene Geschäfte wie Hüsser Optik oder Newcomer wie die seit acht Monaten geöffnete Vinothek Hauser im Programm», sagt Markus Schulthess, Co-Präsident des Quartiervereins. Er betont, dass nicht nur die Neustadt berücksichtigt wurde.

Die App, mit der Luzern als Schweizer Pionier den anderen grossen Städten zuvorgekommen ist, bietet Infos über Laden und Angebot in Wort und Bild, liefert Adresse und Öffnungszeiten. Sie ist nach Suchbegriffen geordnet: entweder in fünf Stadtregionen Neustadt, Altstadt, Bruchquartier, Kleinstadt und Tribschen. Oder in vier Einkaufskategorien: Mode und Accessoires, Design und Geschenkartikel, Möbel und Interieur, Baby und Kind. Es gibt eine deutsche sowie eine englische Version, um auch Touristen anzusprechen. Nicht dabei sind Dienstleister wie Coiffeure, Bars oder Restaurants.

Thematische Rundgänge

Es können dafür Rundgänge mit der App gemacht werden: Sie führen zu den Themen Frauen, Männer, Kids, Wedding, Home und Interior, Nachhaltigkeit oder Gourmet durch das Kleingewerbe der Stadt. Die Läden sind auch nach Labels wie «bio», «vegan» oder «sozial engagiert» gekennzeichnet. Alle Infos finden sich auch auf einer Website, die «Findeling» betreibt. Preisvorteile für App-User gibt es indes nicht, aber derzeit läuft ein Wettbewerb auf der App.

Produkte von «Findeling»-Shops: Tassen vom Cascade, Gebäck vom Sole del Sud und Getränke vom Koffeinshop.
Produkte von «Findeling»-Shops: Tassen vom Cascade, Gebäck vom Sole del Sud und Getränke vom Koffeinshop. (Bild: hae)

Startbudget waren 38’000 Franken, die zur Hälfte durch den einmaligen Preis von 300 Franken pro Laden zustande kamen. Finanziell unterstützt wird das Projekt zur anderen Hälfte vom ALI-Fonds der Stadt Luzern, der die «Attraktivierung der Luzerner Innenstadt» zum Ziel hat.

Auch Luzern Tourismus steht dem innovativen Projekt positiv gegenüber und macht auf seiner Website auf «Findeling» aufmerksam. Mit der App will man nicht nur das lokale Kleingewerbe fördern, sondern auch das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Einwohnern und Ladenbesitzern. «Wir möchten so unseren kleinen Läden mehr Aufmerksamkeit geben im Kampf gegen die Grossverteiler und Megamalls», sagt Schulthess.

«Die App ist für eine Kundschaft, die gerne die Kleinen unterstützt.»

Stefan Hauser, Weinhändler

«Die Stadt Luzern hat bezüglich Ladenvielfalt mehr zu bieten, als die meisten Menschen ahnen – dank unseren vielen kleinen Lädeli und Boutiquen», sagt Stefan Hauser, Weinhändler und Hotelier, der in der Luzerner Neustadt seit gut einem Jahr mit einer kleinen Vinothek zu Hause ist. «Das Schöne: Alle auf der App versammelten Läden haben das gleiche Zielpublikum, nämlich eine Kundschaft, die gerne die Kleinen unterstützt.»

Die App, welche von den einzelnen Ladenbesitzern auch selber mit Inhalten gefüttert und mit News aufdatiert wird, sei einfach zu handhaben. Und Hauser schätzt die via App ermöglichte Verbindung zu interessanten Herstellern und Lieferanten, in seinem Falle Winzern.

Bunt und informativ: die «Findeling»-App gibt es auch im Internet.
Bunt und informativ: Die «Findeling»-App gibt es auch im Internet. (Bild: hae)

Für den Optiker Toni Hüsser, der seinen Laden seit 1987 in der Neustadt hat, «schnürt die App Kleinläden zum Shoppingcenter unter freiem Himmel zusammen».

90-jährige Dame hatte die Idee

Grundstein zur Idee lieferte eine neunzigjährige Hamburger Dame, die sich wunderte, dass ihr Treppenhaus ständig voll war mit im Internet bestellten Paketen. Sie fand, dass ihre Stadt doch so viele gute Einkaufsmöglichkeiten habe, und steckte das ihren jungen Nachbarn. Flugs setzten diese die Idee um, und «Findeling» war gegründet. 2016 kamen nach Hamburg Apps für Berlin, Düsseldorf, Köln, Frankfurt und München hinzu.

Das Aufspüren der Läden an den verschiedenen Standorten übernehmen jeweils Werkstudenten. Zurzeit sind zusammen mit den 62 Geschäften Luzerns rund 1’000 Läden registriert, bis Ende des Jahres sollen es möglichst 2’000 werden.

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