Ein NZZ-Journalist ging hart ins Gericht mit dem Tavolago-Essen. Zu hart, findet die Gastro-Firma. (Bild: zentralplus/ Montage wia)
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Ein NZZ-Journalist ging hart ins Gericht mit dem Tavolago-Essen. Zu hart, findet die Gastro-Firma. (Bild: zentralplus/ Montage wia)

Heftige NZZ-Kritik bringt Luzerner Schiffsgastronomen ins Schwitzen

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Eine Fahrt auf dem Vierwaldstättersee ist lustig und schön. Jedenfalls, so lange man kein Essen bestellt, glaubt man der Kritik eines NZZ-Journalisten. Der teilt nämlich zünftig aus gegen das Essen und den Service der Tavolago AG. Das Ganze ist gespickt mit viel Humor. Dennoch findet das der Luzerner Gastrobetrieb alles andere als lustig.

Da hat sich die Tavolago AG aber schöne Kritik eingefangen. Ein Journalist der NZZ hat kürzlich eine Schiffsreise auf dem Vierwaldstättersee gemacht und sich auf der MS Flüelen gleich einer Gastrokritik gewidmet. Und die hat es in sich. So steht da etwa betreffend Sandwichqualität geschrieben: «Auf das weiche Brötchen, dessen Herkunft ich lieber nicht eruieren mochte, hatte der Gästevertreibungsbeauftragte mikroskopische Spuren von Fett geschmiert.» Danach folgt eine eher unappetitliche Beschreibung des Käses. Weiter schreibt der Journalist von einem Kartoffelsalat, der «selbst in einem schlecht geführten Gefängnis einen Aufstand auslösen dürfte».

Das Erlebnis schildert der Kritiker als derart negativ, dass er gar anfängt, sich eine passende These zusammenzureimen. Nämlich, dass die Tavolago AG strategisch schlechtes Essen und schlechten Service anbietet, schlicht deshalb, weil die Schiffe sowieso schon überfüllt sind. – Ein «Masterplan der Touristenvertreibung». Denn: «Wer einmal an Bord Speisen bestellt hat, kommt garantiert kein zweites Mal», so der Journalist. Von möglichen zehn Punkten erhält die Schiffsküche magere zwei. Die Gastkultur kommt mit dreieinhalb Punkten von zehn ebenfalls schlecht davon.

Jede Kritik werde ernst genommen

Die Luzerner Tavolago AG, welche 10 Lokale führt und auch für die Gastronomie auf dem Vierwaldstättersee verantwortlich ist, ist natürlich alles andere als erfreut über die  Kritik. Und man habe denn auch sogleich reagiert, erklärt die Leiterin Gastronomie der Tavolago AG, Karin Ahlmalm. «Wir haben uns beim Redaktor gemeldet. Das ist jedoch nicht unüblich. Wir reagieren auf jede Kritik, egal ob sie von einem Kunden kommt oder einem Journalisten.» Dies, weil es für die Firma wichtig sei zu wissen, was man falsch gemacht habe und ob das Problem beim Service oder beim Produkt liege. «Auch ist das wichtig, um herauszufinden, wo die Wahrheit liegt, denn es gibt ja oftmals mehrere Seiten an einer Geschichte», sagt Ahlmalm.

Im besagten Fall wisse man nun bereits, um welchen Kurs es sich gehandelt habe und wer an diesem Tag im Service gearbeitet habe. «Wir werden entsprechend mit unserem Mitarbeiter Rücksprache halten», sagt die Leiterin Gastronomie.

Die humorvolle These, mit der Gastronomie wolle die Schifffahrtsgesellschaft verhindern, dass die Schiffe zu sehr überfüllt sind, scheint also nicht zuzutreffen. «Auf keinen Fall. Das kann ich überhaupt nicht unterschreiben. Wir versuchen, jeden Gast zu begeistern», so Ahlmalm.

Eher ein Transport- denn ein Speise-Schiff

Ob sie denn die Kritik des Journalisten fair finde? «Natürlich hat es weh gemacht, diese Worte zu hören. Das war harte Kritik, geradeaus.» Abgesehen von der Frage, ob sie fair war oder nicht, müsse man sich jedoch bewusst sein, dass der Schiffskurs, den der Journalist genommen habe, ein sogenannter Glas-Kurs gewesen sei. «Das sind eher Transportkurse, um von A nach B zu gelangen.» Und auch wenn man auch dort eine hohe Qualität bei den Speisen anstrebe, würden dort eher Snacks angeboten. Und weiter sagt Ahlmalm: «Unsere Speisekurse hingegen sind schwimmende Restaurants. Das ist im Artikel zu wenig klar herausgekommen.»

Wie dem auch sei. Der FDP schien der Ausflug, den die Fraktion kürzlich auf dem Dampfschiff Unterwalden verbrachte, zu behagen. Und Bundesrat Ignazio Cassis, der mit von der Partie war, war dem Schein nach ganz zufrieden mit dem servierten Essen. Nun gut. Wie auf einem der Fotos zu sehen ist, wurden den Freisinnigen weder Kartoffelsalat noch Käsesandwiches aufgetischt.

Tavolago kommt tendenziell gut an

Auch auf Tripadvisor kommt die Gastronomie Vierwaldstättersee nicht schlecht weg. Von den 36 Bewertungen waren etwa drei Viertel positiv. Namentlich auch die «Unterwalden» kommt in einigen Kommentaren positiv weg. So etwa spricht ein Gast von einem «vortrefflichen Menü» auf dem Dampfschiff, ein weiterer Tavolago-Gast spricht von einem «sehr guten Service und einem tollen Fischmittagessen». Dennoch erntet die Gastronomie Vierwaldstättersee auch vereinzelte negative Kommentare. So finden zwei Gäste, ihr Essen sei beim Servieren bereits kalt gewesen. Andere waren schlicht unzufrieden mit dem Geschmack des Essens oder der Qualität des Service.

Auf Tripadvisor kommt Tavolago nicht schlecht weg.
Auf Tripadvisor kommt Tavolago nicht schlecht weg. (Bild: Screenshot Tripadvisor)

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