Goldene Farbe, feiner Schaum, ungewohnt fruchtiger und exotischer Geschmack: das Pale Ale gefällt. (Bild: zvg / Fotolia)
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Goldene Farbe, feiner Schaum, ungewohnt fruchtiger und exotischer Geschmack: das Pale Ale gefällt. (Bild: zvg / Fotolia)

Luzerner Brauer mischen fruchtig mit beim Bier der Liebhaber

6min Lesezeit

Lager- und Weizenbiere waren gestern, heute trinkt der Hipster Craft Beer. Pale Ales sind dabei die fruchtigen Trendsetter. Kleine Ale-Brauereien aus der Region haben Grund zur Freude: Ein Zuger und zwei Luzerner Biere wurden ausgezeichnet.

Mathias Haehl

Goldene Flüssigkeit, feiner Schaum, Geruch nach Grapefruit beim Schwenken des Glases. Der Geschmack ist ungewohnt fruchtig und exotisch, mit ausgewogener Bitternote. Erstaunlich leicht sind sie, diese Pale Ales, wie die bleichen obergärigen Biere auf Neudeutsch genannt werden.

Craft Beer: Trend aus den USA

Craft Beer, zu deutsch handgemachtes Bier, schwappt als Trend bereits seit den 70er-Jahren aus den USA zu uns herüber. Die Craft-Beer-Bewegung entdeckt enorm viele Aromen und Sorten: Pale Ale, Brown Ale, Indian Pale Ale (IPA), Stout, Porter, Gose, Witbier, Pils, Bockbier – die Vielfalt ist grenzenlos. Weit grösser, als die Massenware der Discounter vermuten lässt. Und selbst diese Grosshändler springen langsam auf, indem auch sie exotische Pale Ales ins Angebot nehmen.

Im Bierland Schweiz gibt es dank kleiner Mikrobrauereien zusehends neue Biere zu entdecken: für Bierkenner wie Einsteiger, für Frauen wie Männer. Bücher wie die soeben erschienene Fibel «Die besten Schweizer Biere» (Werd Verlag) führen uns raus aus der Stehtheke des Massenkonsums – hinein in die Lounge der professionellen Bierverkostung mit den vor allem sommers erfrischenden Trendgetränken. Die unabhängige Jury der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), zu der auch Sommelier Roland Singer gehört, filterte für das Buch die besten Craft-Biere heraus.

900 Schweizer Brauereien

Die Ales werden auch bei uns immer trendiger, weil viele der rund 900 Schweizer Brauereien solche Spezialbiere herstellen. Beim alljährlich stattfindenden Swiss Beer Award gab es in der Kategorie der Pale Ales drei Gewinnerbiere aus unserer Region: «Eichefrässer» der Einhorn Bräu aus Hünenberg gewann Gold, Hüttenbräu aus Ruswil mit ihrem «American Pale Ale» (APA) und Luzerner Bier mit ihrem «Indian Pale Ale» (IPA) holten jeweils Silber.

Diese Pale Ales schmecken intensiver als die üblichen Sorten, die hektoliterweise konsumiert werden. Lager und Weizen sind hierzulande die beliebtesten Biere, die mild bis sehr herb oder, wie das Weizen, allenfalls nach Banane und Hefe schmecken. Rund 75 Prozent der ausgeschenkten Biere sind immer noch Lager.

Whiskey-, Litchi- oder Kaffee-Note

Die Branche wird indes immer kreativer und experimentiert gerne: Mehr und mehr kreiert man Biere, die monatelang in Whiskeyfässern gelagert werden, mit Litchi-Geschmack oder gar Kaffee-Note flirten.

Immer mehr Vielfalt in der Bierschweiz: 130 Hopfensorten, 150 Bierstile, mehr als 900 Brauereien.
Immer mehr Vielfalt in der Bierschweiz: 130 Hopfensorten, 150 Bierstile, mehr als 900 Brauereien. (Bild: zvg)

Es sind Kreativbrauer wie Freddy Niklaus (41) von der Hünenberger Einhorn Bräu GmbH, die antreten, den Biermarkt hierzulande weiterzuentwickeln. Der Zweimannbetrieb etabliert sich mit den Zuger Bieren «Böckli», «Chlösterli», «Storchi» oder eben dem Pale Ale «Eichefrässer». Die Einhorn-Brauerei bringt neu das «Muneli» auf den Markt: ein Coffee Ale, das in Zusammenarbeit mit dem Kaffeesommelier Willy Zemp entstand.

«Wir freuen uns über 20 Prozent Zuwachs jedes Jahr.»

Freddy Niklaus von der Hünenberger Einhorn Bräu GmbH

Seit 2009 braut Freddy Niklaus in Hünenberg rund 4000 Liter naturbelassenes Bier pro Monat. Zwei Medaillen hat er dieses Jahr eingesackt. Niklaus sagt stolz: «Wir freuen uns über 20 Prozent Zuwachs jedes Jahr. Wir sind uns jedoch bewusst, dass trotz der hohen Anzahl Brauereien der Kuchen nicht grösser wird, sondern einfach durch noch mehr Kleinbrauereien geteilt werden muss.»

Einer der kreativen Brauer der Region: Freddy Niklaus von der Hünenberger Einhorn Bräu.
Einer der kreativen Brauer der Region: Freddy Niklaus von der Hünenberger Einhorn Bräu. (Bild: zvg)

Die Zukunft werde zeigen, wie sich die Situation auf dem Biermarkt verändere. Niklaus: «Für uns ist nicht die Steigerung der Quantität, sondern der Qualität der entscheidende Weg.»

Über 150 Bierstile

Es gibt weltweit über 150 verschiedene Bierstile, mehr als 130 Hopfensorten, deren Aromatik darüber hinaus vom Anbaugebiet abhängt, und eine Vielzahl an Malzen und Hefen – die Variationsmöglichkeiten sind also unbegrenzt. 

«Man könnte noch natürliche Zutaten wie Früchte, Gewürze oder Kräuter hinzufügen.»

Roland Singer, Zuger Biersommelier und Braukursleiter

Der diplomierte Biersommelier und Braukursleiter Roland Singer (51), der im normalen Leben in Rotkreuz als IT-Unternehmer arbeitet, sagt: «Ganz davon abgesehen, dass man auch noch natürliche Zutaten wie Früchte, Gewürze oder Kräuter hinzufügen könnte.»

Grosser Bierkenner: der Zuger Biersommelier und Braukursleiter Roland Singer.
Grosser Bierkenner: der Zuger Biersommelier und Braukursleiter Roland Singer. (Bild: zvg)

Ideal passen Pale Ales zu Burgern oder Salaten. Zu Kuchen oder gegrillten Früchten trinken sich diese bleichen Ales ebenso easy. Oder ganz einfach solo.

Biertasting: Mach's wie beim Wein!

Um das Bier mit allen Sinnen zu geniessen, empfehlen Biersommeliers wie Roland Singer, alle Sinnesorgane zu gebrauchen. Klar, beim Anblick eines frischen, kühlen Bieres ist die Verlockung gross, gleich den Durst zu löschen. «Schauen Sie sich den Inhalt des Glases an, nehmen Sie den Duft mit Ihrer Nase auf, erst dann sollten Sie einen Schluck nehmen. So nehmen Sie all die verschiedenen Aspekte des Bieres wahr», sagt Roland Singer.

Ein Biertasting ähnelt demjenigen beim Wein: Das Auge löst bereits bestimmte Erwartungen aus. Unser Geruchssinn unterscheidet mehrere tausend Geruchseindrücke und gibt sie an unser Hirn weiter. Nach dem ersten Schluck nehmen wir die Grundgeschmacksrichtungen süss, sauer, bitter oder salzig wahr. Wonach schmeckt das Bier? Wie bitter ist es? Welcher Geschmack bleibt?

Wie beim Wein kann sich der Eindruck des Bieres durch Sauerstoff- und Temperaturzunahme nach einiger Zeit noch verändern. Erst aus diesem Zusammenspiel wird deutlich, welche enorme Vielfalt in einem Bier steckt. Und: Auch die Trinktemperatur ist wichtig. Je nach Sorte sollte das Bier mit einer Temperatur zwischen sieben und zwölf Grad Celsius getrunken werden.

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