Das Baarer Panorama-Restaurant in luftiger Höhe hat seit Kurzem wieder geschlossen – bis auf Weiteres. (Bild: woz)
Wirtschaft Gastgewerbe Essen und Trinken

Das Baarer Panorama-Restaurant in luftiger Höhe hat seit Kurzem wieder geschlossen – bis auf Weiteres. (Bild: woz)

Baars Panorama-Restaurant hat plötzlich wieder zu

5min Lesezeit

Ist jetzt schon wieder Schluss mit «Dolce Vita»? So heisst das italienische Restaurant in 40 Metern Höhe im Zentrum von Baar. Eigentlich war das Lokal mit Aussicht beliebt und man konnte dort gut und zu normalen Preisen essen. Nun ist es kurzfristig geschlossen worden. Gäste hegen einen Verdacht.

Wolfgang Holz

«Das Restaurant Baarcity La Dolce Vita bleibt vorübergehend wegen technischer Probleme geschlossen. Gerne informieren wir Sie über das Wiedereröffnungsdatum sobald wie möglich.» So steht es auf der Webseite des italienischen Lokals.

Auch an der Eingangstür des Hochhauses an der Bahnhofstrasse 7, wo das Lokal in 40 Metern Höhe den Gästen eine grandiose Aussicht zu Pizza und Pasta gewährt, hängt ein gleich lautender Zettel.

«Die Bevölkerung sollte ja wissen, was da los ist. Es kursieren jetzt schon genug Gerüchte.»

Gast des «Dolce Vita»

Gäste, die das Lokal regelmässig und gerne besuchen, machen sich offensichtlich Sorgen. «Wir waren noch am Freitag sehr gut essen und wurden verabschiedet mit den Worten: Bis nächste Woche», lässt ein Gast zentralplus wissen. Kurz darauf sei dann das Lokal geschlossen worden.

«Die Bevölkerung sollte ja wissen, was da los ist», fordert der Gast. «Es besteht doch schliesslich eine Auflage des Baarer Stimmbürgers, dass der 10. Stock des Baarcity-Hochhauses eine öffentliche Nutzung bieten soll. Es kursieren jetzt schon genug Gerüchte.»

Bebauungsplan 2007 sieht öffentliche Nutzung vor

In der Tat hat die Baarer Bevölkerung im Frühjahr 2007 dem entsprechenden Bebauungsplan für das 40-Millionen-Projekt Neumühle/Bahnhofstrasse mit Hochhaus nur unter dieser Bedingung zugestimmt. Sprich: für eine öffentliche Nutzung der obersten Etage. 

Doch mit dem geplanten Panorama-Restaurant, das in dem Bauvorhaben des Multimillionärs Günter Zobel aus Oberägeri realisiert werden sollte, harzte es von Anfang an.

Erst drei Jahre nach Fertigstellung des Hochhauses – das bekanntlich die beiden hellblauen Getriedesilos ersetzte –, wurde im April 2013 ein Pächter für das Panorama-Restaurant inklusive Dachterrasse gefunden. Grund: Zum einen musste zuerst eine Fensterfront repariert werden, weil es reinregnete. Zum anderen hatte der Bauherr mit dem Innenausbau der Lokalität so lange gewartet, weil er gehofft hatte, einen Pächter zu finden, der diesen mitbezahlt. Doch diese Rechnung ging nicht auf.

Gourmettempel kam bei den Baarern nicht an

Der erste Pächter hatte dann den Ehrgeiz, einen Gourmettempel in luftiger Höhe zu etablieren. Doch dieses Konzept mit saftigen Preisen kam bei der Baarer Bevölkerung gar nicht an. Auch ein Betreiberwechsel brachte keine höheren Umsätze. Im März 2016 wurde das Feinschmeckerlokal schliesslich geschlossen.

Andrea Rosi ist seit fünf Jahren in der Schweiz. Seit Anfang Oktober 2016 führt er gemeinsam mit seiner Frau das «Dolce Vita» im Baarcity.
Andrea Rosi ist seit fünf Jahren in der Schweiz. Seit Anfang Oktober 2016 führt er gemeinsam mit seiner Frau das «Dolce Vita» im Baarcity. (Bild: wia)

Sechs Monate stand das Lokal dann leer – bis Günter Zobel mit Andrea Rosi und seinem «Dolce Vita» am Baarer Büelplatz ein gut gehendes Lokal mit normalen Preisen ausfindig gemacht hatte. Der italienische Wirt eröffnete das Panorama-Restaurant im Oktober 2016 unter gleichem Namen 40 Meter höher beim Bahnhof und stiess mit seiner Bella-Italia-Menükarte zu normalen Preisen auf die Gegenliebe vieler Baarer (zentralplus berichtete).

«Dolce Vita» erhielt gute Noten auf tripadvisor.ch

Auch auf dem Bewertungsportal tripadvisor.ch hat das «Dolce Vita» schon sehr gute Noten erhalten. «Durchwegs war alles bei unserem ersten Besuch an einem Samstagabend sehr positiv», schreibt ein Gast im Internet. Und weiter lobt er: «Angenehme, moderne Atmosphäre und absolut feines, mit Liebe zum Detail serviertes Essen, höfliches Personal. Dieses Restaurant ist auf jeden Fall empfehlenswert!»

Da sollte eigentlich nichts anbrennen. Doch nun ist das Lokal kurzfristig geschlossen worden. Warum?

«Wir machen bald wieder auf.»

Dieter Zobel, Geschäftsführer der Zobel Verwaltungs GmbH

Baars Bauchef Paul Langenegger hat zwar von der Schliessung «um einige Ecken herum erfahren», beteuert aber, sonst nichts über die Hintergründe zu wissen. Dieter Zobel, Sohn von Günter Zobel und Geschäftsführer der Zobel Verwaltungs GmbH in Baar, möchte sich zu den Gründen der Schliessung nicht näher äussern. «Wir machen aber bald wieder auf», versichert er gegenüber zentralplus.

Ist es tatsächlich bloss ein Wasserschaden?

Wer die Nummer des «Dolce Vita» wählt, wird nach einigen Sekunden mit dem Seminarhotel in Unterägeri verbunden. Diese Gästeunterkunft gehört ebenfalls den Zobels. «Das Dolce Vita ist wegen Wasserschadens geschlossen», sagt ein Angestellter. «Wann es wieder aufmacht, ist noch nicht bekannt.»

Ist es also wirklich nur ein Wasserschaden? Oder sind die Restaurant-Umsätze womöglich wieder ins Stocken geraten?

Andrea Rosi, den Wirt des «Dolce Vita», der anscheinend auch für das Seminarhotel gekocht hat, war für zentralplus nicht zu erreichen. «Er ist schon seit Wochen nicht mehr bei uns im Seminarhotel angestellt», sagt die Dame an der Rezeption.

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Wirtschaft