Künftig werden keine Produkte der Bäckerei Hug mehr durch die Pistor vertrieben. (Bild: zvg)
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Künftig werden keine Produkte der Bäckerei Hug mehr durch die Pistor vertrieben. (Bild: zvg)

Wegen Migros: Pistor streicht Luzerner Bäckerei aus Sortiment

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Nicht mit uns: Die Pistor will keine Produkte der Bäckerei Hug mehr vertreiben. Hintergrund sind die neuen Besitzverhältnisse der Luzerner Traditionsbäckerei. Denn dort zieht ein Grossverteiler im Hintergrund die Fäden. Und das ist gar nicht im Sinne der Pistor-Erfinder.

Seit letztem Jahr gehört die Luzerner Traditionsbäckerei Hug zur Mehrheit der Migros-Tochter Jowa. Mit ihren Produkten belieferte Hug bis anhin auch die Bäcker-und-Gastronomie-Lieferantin Pistor in Rothenburg. Damit ist nun Schluss. Die Pistor streicht alle Produkte der Luzerner Bäckerei Hug aus ihrem Sortiment. «Pistor hat die Geschäftsbeziehung zu Hug als unsere Lieferantin per Ende 2017 beendet», sagt Mediensprecherin Andrea Fischer. 

Bäcker gründeten das Unternehmen Pistor vor über hundert Jahren, um von den Vorteilen eines gemeinsamen, konzentrierten Einkaufs zu profitieren. Bei den Gründern mit dabei war auch Josef Hug-Schmid von der Luzerner Traditionsbäckerei Hug. Die Pistor belieferte damals die Bäckereien mit Backzutaten. 

Die Pistor wuchs und begann auch Halbfabrikate in ihr Sortiment aufzunehmen. Dadurch wurde die Pistor für einige grössere Bäckereien auch zum Absatzkanal. So war die Bäckerei Hug aus Luzern über Jahre mit Produkten im Pistor-Sortiment vertreten. Doch nun ist's vorbei mit der Liebesgeschichte.

 «Das Vertreiben von Backwarenprodukten eines Grossverteilers passt nicht zu unserer Firmenphilosophie.»

Andrea Fischer, Pistor-Mediensprecherin

Im vergangenen Jahr wurde die Mehrheit der Bäckerei Hug von der Migros-Tochter Jowa übernommen. Die Pistor bedauert diese Übernahme. Fischer: «Jeder Unternehmer entscheidet selbst über die zukünftige Ausrichtung der Firma. Leider hat sich die Bäckerei Hug für eine Übernahme durch Jowa entschieden.» Die Branche bedauert es grundsätzlich, wenn Migros oder Coop selbständige Unternehmen aufkaufen. «Dadurch geht die Vielfalt der Betriebe sowie das Handwerk verloren», sagt Fischer.

Migros-Tochter äussert sich nicht

Beobachter der Branche vermuten, Jowa wolle damit insbesondere auch die Stellung im Backwarenhandel stärken. Doch das war im wahrsten Sinne ein Schuss in den Ofen. «Das Vertreiben von Backwarenprodukten eines Grossverteilers passt nicht zu unserer Firmenphilosophie und entspricht nicht dem Interesse des Gewerbes», begründet Pistor-Sprecherin Fischer nun die Trennung. Ziel und Zweck der Einkaufsgesellschaft hätten sich seit der Gründung nicht verändert. 

«Unsere Geschäftsbeziehungen basieren auf rationalen Überlegungen.»

Paul Philipp Hug

Hat sich die Jowa bei der Übernahme also verspekuliert? Bei der Migros-Tochter gibt man sich wortkarg und verweist lediglich auf die Pressemitteilung, als die Übernahme vonstatten ging. Zu weiteren Fragen gebe man keine Auskunft. «Wir äussern uns nicht zu unseren Geschäftsbeziehungen», lässt eine Sprecherin auf Nachfrage verlauten.

Familie Hug spielt in Pistor-Geschichte eine Hauptrolle

Pikant: Paul Hug, Vater des aktuellen Hug-Verwaltungsratspräsidenten Paul Philipp Hug, ist der bisher einzige Ehren-Verwaltungsratspräsident der Pistor, er stand dem Rat von 1992 bis 2007 vor. «Die Übernahme der Bäckerei Hug hat nichts mit dem früheren Eigentümer und unserem Ehrenpräsidenten Paul Hug zu tun», so Pistor-Sprecherin Fischer.

Die Familie Hug habe über Jahrzehnte eine wichtige Rolle innerhalb der Pistor-Unternehmensentwicklung eingenommen. «Wir haben auch heute noch ein gutes Verhältnis zur Bäckerei Hug und freuen uns über den jeweiligen guten Austausch mit unserem Ehrenpräsidenten», sagt Fischer.

«Es kann ja nicht sein, dass die Pistor den Grossverteilern noch unter die Arme greift.»

Josef Kreyenbühl, Bäckermeister

Für den aktuellen Inhaber Paul Philipp Hug spielen diese Episoden der Vergangenheit keine Rolle: «Unsere Geschäftsbeziehungen basieren auf rationalen Überlegungen. Für mich persönlich gibt es in diesem Fall keine emotionale Ebene», lässt er verlauten. Und verweist für alle weiteren Fragen an die Jowa-Medienstelle, die nichts zum Thema sagen will.

Bäckerverband ist froh über Rausschmiss

Der Stadtluzerner Bäcker Josef Kreyenbühl ist Präsident des Verbands der Luzerner Bäcker und Confiseure. Er erklärt: «Die Pistor war ursprünglich eine Selbsthilfeorganisation für alle Bäckereien.» Sie ist Hauptlieferant für Rohmaterial und Halbfabrikate – Nüsse, Butter oder Marzipan zum Beispiel. «Ein wichtiger und zuverlässiger Partner für viele Bäckereien und Confiserien», lobt Kreyenbühl. 

Solche Halbfabrikate hat Pistor eben auch von der Bäckerei Hug bezogen. Im Sortiment war etwa ein Tiefkühl-Butterzopf:

 

Dass die Pistor nun keine Produkte der Bäckerei Hug respektive der Jowa mehr vertreibt, bezeichnet Kreyenbühl als konsequent. «Migros, Coop, Aldi und Lidl besetzen 60 Prozent des Brotmarkts. Es kann ja nicht sein, dass die Pistor den Grossverteilern noch unter die Arme greift.» Selbstverständlich versuche die Migros-Tochter im Backwarenhandel Fuss zu fassen. «Attraktiv ist es, Restaurants und Hotels beliefern zu können. Dort mischen nebst der Pistor auch Unternehmen wie Howeg oder Scana mit.» 

Kreyenbühl vermutet, die Migros-Tochter wusste bei der Übernahme der Mehrheit der Bäckerei Hug, dass das Risiko eines Rausschmisses aus dem Pistor-Sortiment besteht. «Dass die Pistor keine Produkte der Migros-Tochter Chocolat Frey vertreibt, ist ja auch logisch», so der Bäckermeister. Nicht gross kommentieren will er den Entscheid der Bäckerei Hug, mit Jowa gemeinsame Sache zu machen. «Jede Firma braucht eine Zukunft», sagt er. Aber unter den Bäckern sei jedenfalls niemand unglücklich darüber, künftig nicht mit diesen Produkten beliefert zu werden.

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