Zuger und Luzerner Sportklubs werden auf sporttotal.ch vorgestellt – mit den Klubs haben die Artikel aber zeitweise wenig am Hut. (Bild: Screenshot / Montage: lob)
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Zuger und Luzerner Sportklubs werden auf sporttotal.ch vorgestellt – mit den Klubs haben die Artikel aber zeitweise wenig am Hut. (Bild: Screenshot / Montage: lob)

«Sporttotal»: Abstruse Vereinsporträts erhitzen die Gemüter

7min Lesezeit

Das Zuger Portal «Sporttotal» präsentiert die Schweizer Sportwelt – und will damit fleissig Inserate verkaufen. Nur: Die porträtierten Klubs aus Zug und Luzern wurden von den Autoren nie kontaktiert. Das kommt bei den Vereinen nicht gut an. Die Urheber aus Zug hüllen sich in Schweigen.

«Auf einen Klick» will sporttotal.ch Sportgeschichten, Resultate und Vereinsporträts von Profi- sowie Amateurvereinen bieten. Gerade die letztere Kategorie machte kürzlich Mitglieder stutzig.

Ein Beispiel ist das Porträt des Unihockey-Vereins Eintracht Beromünster, welches sich auf der Website des Zuger Unternehmens findet. Wobei – um den Verein geht es auf den ersten Blick so gut wie gar nicht.

In Verbindung gebracht wird der Klub in der Einleitung erst mal mit Eintracht Frankfurt – als Titelbild erblickt der Leser die Freiheitsstatue in New York. Weshalb, wird erst nach einer Weile aufeglöst: Der Unihockeyclub ist dem STV Beromünster angegliedert – Gründungsjahr 1886. Im selben Jahr wurde auch die Freiheitsstatue enthüllt.

Ein Ausschnit aus dem Porträt über die Eintracht Beromünster.
Ein Ausschnit aus dem Porträt über die Eintracht Beromünster. (Bild: Screenshot sporttotal.ch)

Wie ein Mitglied des Vereins gegenüber zentralplus berichtet, habe das Porträt mächtig für Stirnrunzeln gesorgt. Keiner der Mitglieder oder Funktionäre sei jemals von den Autoren kontaktiert worden, und wie seriöse Berichterstattung wirke das schon gar nicht. Dafür seien daneben gleich drei Werbeinserate von einheimischen Firmen platziert.

Werbung steht im Vordergrund

Gegründet wurde die Sporttotal.ch GmbH im Jahr 2016. Den Sitz hat sie in Zug. Dass die Werbung als Hauptgeschäft im Vordergrund steht, machen die Betreiber auf der Website klar: «Unsere Kunden, KMU aus der Deutschschweiz, rühren auf sporttotal.ch die Werbetrommel für ihre Produkte und Dienstleistungen.» Zu «unschlagbar günstigen Konditionen», heisst es dort.

Im Handelsregisterauszug ist unter dem Geschäftszweck allerdings zu lesen, dass der Betrieb eines Online-Portals, welches insbesondere über das Sportgeschehen in der Schweiz sowie über Aktivitäten im Freizeit- und Tourismusbereich berichtet, angestrebt wird. Über den Inhalt der Berichte lässt sich jedoch – zumindest in einigen Fällen – streiten. Vielleicht auch über die literarischen Ergüsse.

Pelé muss als Aufmacher für das Porträt über den FC Rotkreuz herhalten.
Pelé muss als Aufmacher für das Porträt über den FC Rotkreuz herhalten. (Bild: Screenshot sporttotal.ch)

Rotkreuz und Pelé?

Auf der Website findet sich auch ein Eintrag über den FC Rotkreuz. Dies zu merken, ist allerdings nicht ganz einfach, lächelt einen erst mal der brasilianische Jahrhundertfussballer Pelé an. Und erst nachdem sein Tor im WM-Final 1958 behandelt wird – inklusive Youtubevideo –, geht es dann auch um den Rotkreuzer Fussballklub.

«Nomen est omen? Nicht beim FC Rotkreuz. Die Mathis-Jungs treten nicht auf wie das Rote Kreuz, sondern wie richtige Haudegen», heisst es da unter anderem. Man erfährt neben dem Gründungsdatum weiter kurz, wie die Saison verlaufen und wie es um die Vereinsstruktur bestellt ist. Und die munteren Wortspiele gehen weiter: «Mit 32 Strafpunkten sind sie das drittböseste Team der Liga. Die Diagnose ist rasch gestellt: Rotkreuz leidet an Gelbsucht.»

«Jubiläumsartikel» kam nicht gut an

Zum 60. Jubiläum erschien auch ein Artikel über den FC Ebikon. Wieder dient Pelé als Aufmacher, wieder geht es zuerst um die beiden Treffer von 1958. Daneben: sieben Werbeinserate aus der Region.

«Natürlich wäre es schön gewesen, wenn wir kontaktiert worden wären.»

Marina Bühlmann, Kommunikationsverantwortliche FC Aegeri

Beim Verein war man nur mässig erfreut darüber. Nicht der Klub, sondern einige Sponsoren seien angegangen worden, lässt der FC Ebikon gegenüber zentralplus verlauten. Um mit dem Aufhänger «60 Jahre FC Ebikon» Inserate zu verkaufen, vermutet man. Von einem Porträt habe man nichts gewusst, und über das Vorgehen sei man dementsprechend nicht glücklich gewesen.

Diesen Eintrag über den FC Ebikon postete Sporttotal vor einiger Zeit auf Facebook – auch hier taucht Pelé wieder auf.

Kontaktaufnahme wäre gewünscht gewesen

«Die Konkurrenz aegerit sich grün und blau», wird hingegen der Text über den FC Aegeri eingeleitet. Der kommt ohne Verweise auf berühmte Spieler oder Vereins-Namensvetter aus, auch das Bild zeigt ein Spiel des Fussballklubs. Was hält der FC Aegeri vom Artikel? «Wir hatten bisher keine Kenntnis von diesem Porträt», sagt die Kommunikationsverantwortliche Marina Bühlmann.

Bild und Titel zum Porträt des FC Aegeri: Hier erfährt man vergleichsweise viel vom Klub.
Bild und Titel zum Porträt des FC Aegeri: Hier erfährt man vergleichsweise viel vom Klub. (Bild: Screenshot sporttotal.ch)

«Da im Grunde nichts Negatives steht, würden wir jetzt nicht dagegen vorgehen.» Begeistert davon sei man beim FC Aegeri aber auch nicht. «Natürlich wäre es schön gewesen, wenn wir kontaktiert worden wären», so Bühlmann weiter. «So hätten wir Zitate und auch aktuelle Fotos liefern können – das Verwendete ist nämlich gut drei Jahre alt.»

Kein Kommentar aus Zug

Die Texte erwecken den Eindruck, von Laien geschrieben worden zu sein, die eher in Ostdeutschland als in Zug zuhause sind. Von regionaler Verbundenheit ist mit Ausnahme einiger mehr oder weniger kreativer Wortspiele nichts zu spüren. Dass Werbeinserate im Vordergrund stehen, ist eines. Dennoch wäre der Aufwand, die Vereine zu kontaktieren, überschaubar. Die Frage, warum dies nicht getan wird und wieso die Lokalvereine mit möglichst vielen berühmten Sportlern, Ereignissen und Klubs in Verbindung gebracht werden – sie bleibt unbeantwortet. Trotz diverser Kontaktversuche liegt von Sporttotal bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme vor.

Auch über die Kantonsgrenzen hinaus werden die Gemüter erhitzt. Dass die Gründung des FC Urdorf 1968 mit sowjetischen Panzern bebildert wird, geht einem Facebook-Nutzer gehörig gegen den Strich:

Die Bezugnahme auf den sowjetischen Einmarsch in Prag für das Gründungsjahr des FC Urdorf findet dieser User gar nicht lustig.
Die Bezugnahme auf den sowjetischen Einmarsch in Prag für das Gründungsjahr des FC Urdorf findet dieser User gar nicht lustig. (Bild: Screenshot Facebook)

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