Die Mall of Switzerland ist zuweilen ziemlich leer. (Bild: pze)
Wirtschaft

Die Mall of Switzerland ist zuweilen ziemlich leer. (Bild: pze)

Verkäuferinnen berichten von leeren Ladenkassen in Mall-Shops

7min Lesezeit

Das Publikum in der Mall ist jünger als erwartet. Das hat Folgen: Verkäuferinnen berichten von leeren Shops und dürftigem Umsatz. Speziell Modegeschäfte leiden nach dem Weihnachtsgeschäft unter der Flaute in der Mall of Switzerland. Doch es gibt auch eine erfreuliche Nachricht.

Nach 30 Betriebstagen zog man bei der Centerleitung der Mall of Switzeralnd eine positive Bilanz – alles sei auf gutem Weg, war die Botschaft (zentralplus berichtete). Doch das Bild hat sich eingetrübt – das zweitgrösste Shoppingcenter der Schweiz zieht nicht alle an. Experten haben bereits im Vorfeld einen schwierigen Geschäftsgang prognostiziert.

Es herrsche Flaute unter der Woche, berichtet eine Verkäuferin einer internationalen Ladenkette in der Mall of Switzerland in Ebikon. Es seien auch schon weniger als 100 Franken in ihrer Kasse liegen geblieben nach einem Tageseinsatz. Also praktisch nichts. «Und bei uns läuft es verhältnismässig gut, in anderen Geschäften geht noch weniger», sagt sie anonym. Man habe Arbeitseinsätze der Mitarbeiter gestrichen, weil zu wenige Kunden kamen.

«Man sucht regelrecht nach Arbeit»

Gleiches hat eine ehemalige Mitarbeiterin des jungen Modelabels Bershka erlebt. Eines der Geschäfte also, das laut Mall-Sprecher Werner Schaeppi eines der besonders beliebten Geschäfte sei. Besonders an Wochentagen sei der Umsatz dort sehr schlecht.

Rund 4000 Franken Umsatz sollen an einem durchschnittlichen Montag zusammenkommen, doppelt so viel an übrigen Werktagen, berichtet sie. Das sei ihrer Erfahrung nach sehr wenig. «Wenn so wenig Leute kommen, geht die Zeit nicht vorbei. Man sucht regelrecht nach Arbeit.» Zuvor war die Detailhandelsangestellte im Emmen Center für ein Modegeschäft tätig, da sei es viel besser gelaufen.

Bershka habe aufgrund des schlechten Geschäftsganges einfach Leute heimgeschickt oder gar entlassen. Dem widerspricht Shop-Manager Amir Sadiku. «Wir liegen über den Erwartungen beim Umsatz. Und wir haben auch niemanden wegen dem Geschäftsgang entlassen – tatsächlich suchen wir noch Personal.» Sadiku bestätigt jedoch, dass die Mall ein sehr ruhiger Ort geworden ist an den Wochentagen. «Insbesondere die beiden Abendverkäufe am Donnerstag und Freitag sind wenig besucht», sagt Sadiku. Die Mall müsse sich eben noch etablieren in der Region.

Gut laufen würde nur gerade die Drogerie-Kette Müller. Ansonsten sei ausser am Samstag wenig los im neuen Einkaufstempel.

Centerleitung zeigt sich zufrieden

«Es ist uns bewusst, dass der Umsatz bei gewissen Mietern unter den Erwartungen liegt», sagt Sprecher Werner Schaeppi. Betroffen seien unter anderem einzelne Modegeschäfte, deren Brand in der Schweiz noch wenig bekannt ist.

Der Gastronomiebereich verzeichne hingegen sehr gute Umsätze. Funktioniert hat offenbar auch der Pop-up-Store des kalifornischen Elektroauto-Herstellers Tesla. Dieser hat laut Schaeppi seinen ursprünglich für zwei Monate befristeten Mietvertrag für einen der Pop-up-Stores in der Mall verlängert.

Insgesamt sei man zufrieden mit dem Geschäftsgang, auch wenn unter der Woche nicht so viele Besucher kommen. «Wir haben mit diesen Frequenzen gerechnet.» Generell hat es an den Nachmittagen mehr Gäste als an den Vormittagen. «Die Eröffnungstage und Weihnachten waren erfolgreich, derzeit ist es tatsächlich etwas ruhiger», sagt Schaeppi. Der Rückgang sei saisonal bedingt: «Die Saure-Gurken-Zeit ist nicht repräsentativ für die generelle Entwicklung.»

Werner Schaeppi, Kommunikationsbeauftragter der Mall of Switzerland, klärt über notwendige Erfordernisse auf.
Werner Schaeppi, Kommunikationsbeauftragter der Mall of Switzerland. (Bild: les)

Geschäfte müssen selbst für Kunden sorgen

Die Gründe für die Probleme bestimmter Betriebe könnten laut Schaeppi auch mit dem Durchschnittsalter der Besucher zusammenhängen: «Das Zielpublikum ist etwas jünger, als wir erwartet haben.» Deshalb würden gewisse Konzepte nicht so gut funktionieren. Durchaus im Sinne des Konzeptes der Mall ist, dass die Leute auch zum «Lädelen» in die Mall kommen, und nicht nur um gezielte Einkäufe zu tätigen.

«Wir erheben die Parkgebühren nicht freiwillig. Dies entspricht den Auflagen der Behörden.»

Werner Schaeppi, Sprecher Mall of Switzerland

Im Schnitt verbringen die Mall-Besucher rund drei Stunden vor Ort. Die Detailhändler in der Mall müssten sich laut Schaeppi an die Chancen dieses Konsumverhaltens anpassen.

Die Centerleitung versuche, den betroffenen Mietern mit der Ausrichtung der Werbung und gezielten Aktionen unter die Arme zu greifen, damit bestimmte Zielgruppen sich noch stärker angesprochen fühlen und generell mehr Kundschaft in das Center kommt. Doch Schaeppi nimmt auch einzelne Firmen in die Pflicht, für mehr Besucher in ihren Geschäften zu sorgen, indem sie zum Beispiel in den Bekanntheitsgrad ihrer Marken investieren.

50 Prozent der Besucher kommen mit öV

Für Unmut sorgt auch die Parkgebühr von zwei Franken – im nahen Emmen Center hingegen kostet das Parking nichts. Verliert die Mall deshalb potenzielle Kunden? «Das ist durchaus möglich», sagt Schaeppi. Mit zwei Franken pro Stunde sei man im Vergleich mit Parkhäusern tatsächlich im oberen Bereich. Schaeppi sieht das als Teil eines mit Behörden und Interessenverbänden ausgehandelten Mobilitätskonzepts. «Wir erheben diese Gebühren nicht freiwillig. Dies entspricht den Auflagen der Behörden.»

Damit soll ein Anreiz gesetzt werden, per Bus oder Zug anzureisen, damit die staugeplagten Strassen rund um die Mall entlastet werden. «Unser Ziel war, dass 40 Prozent mit dem öffentlichen Verkehr kommen, nun sind wir eher bei 50 Prozent. Das ist ein toller Erfolg», sagt Schaeppi.

Das Verkehrschaos der ersten Tage (zentralplus berichtete) habe sich später nur einmal wiederholt, als sich an einem Samstagnachmittag ausgerechnet bei Ladenschluss ein Unfall auf dem Autobahnzubringer Rontal ereignete, was zu Rückstaus beim Parkhaus führte.

Mietersuche dauert an

Angesichts der Umsatzsituation gestaltet sich in der Mall of Switzerland auch die Mietersuche schwierig. Immer noch sind rund 20 Prozent der Mietflächen nicht belegt. Das wird insbesondere im Obergeschoss gut sichtbar, wo weiterhin nur rund die Hälfte der Fläche vermietet ist.

So schnell wird sich das laut Schaeppi nicht ändern. «Wir stehen in Verhandlungen mit verschiedenen Interessenten. Bis diese einziehen, vergehen jedoch aber teilweise noch Monate.» Wie bereits Anfang Dezember weist Schaeppi darauf hin, dass man lieber auf einen guten Ladenmix setzt, statt möglichst schnell alle freien Quadratmeter zu vermieten.

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Wirtschaft