Der Bitcoin-Automatendieb ist immer noch flüchtig. (Bild: Montage sib)
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Der Bitcoin-Automatendieb ist immer noch flüchtig. (Bild: Montage sib)

Bitter für «Crypto-Valley»: Zuger Bitcoin-Automat gestohlen

5min Lesezeit

Zug, respektive das hier ansässige «Crypto Valley», machen weltweit Furore. Hier steht seit 2014 auch einer der wenigen Schweizer Bitcoin-Automaten. Oder besser: stand. Aktuell ist man hier man automatenlos, in einer Nacht- und Nebelaktion wurde das Gerät gestohlen. Generiert der Täter nun zuhause im Keller munter Bitcoins?

Um die 90 Kilogramm wiegt ein Bitcoin-Automat, Modell BitXatm. Es ist also eigentlich kein Gerät, das man mal soeben unter den Arm klemmt und damit durch die Gegend läuft. Doch genau so ein Bitcoin-Automat wurde am 20. Oktober aus dem Lakeside Business Center in Zug entwendet. Frank Kleiner, Mediensprecher der Zuger Polizei, bestätigt die zentralplus vorliegenden Informationen. Es sei Anzeige erstattet worden wegen eines gestohlenen Automaten. «Der Fall ist noch nicht abgeschlossen», der Täter flüchtig, ergänzt er.

Einen BitXatm vom Hersteller BitXatm Technology aus München kann man für umgerechnet rund 4’000 Franken erwerben. Kein Pappenstiel also auch für die BITC Sàrl and Bity SA.

Die Firma aus Tavannes im Berner Jura war die Betreiberin des Automaten in Zug. Und nicht etwa die Värdex AG als grösstes Bitcoin-Automaten-Netzwerk der Schweiz ausgerechnet mit Sitz in Zug (zentralplus berichtete). Nuno Pinto, CEO von BITC Sàrl, möchte sich auf Anfrage nicht detailliert zum Thema äussern. Er verweist darauf, dass der Fall momentan bei der Polizei liege.

Der Automat sollte längst ersetzt werden

Laut Pinto sei geplant gewesen, den Automaten bereits kurz nach dem Abhandenkommen zu ersetzen. Jedoch verzögere sich die Lieferung. In den nächsten Wochen soll es endlich soweit sein. Lange sollte das Crypto Valley Zug also nicht mehr ohne Bitcoin-ATM auskommen müssen. Ob das gestohlene Gerät versichert war, will Nuno Pinto nicht verraten.

«Wenn jemand das Gefühl hat, man könne einfach reinspazieren, den Automaten unter den Arm klemmen und wieder rauslaufen, dann hat er ein völlig falsches Bild.»

Mathias Ruch, Managing Partner der Lakeside Partners AG

Wir haben bei Christian Mäder von Bitcoin News Schweiz nachgefragt, wie lukrativ ein solcher Raub überhaupt sein kann. «Es hängt vom Modell ab, ob sich so ein Diebstahl lohnt. Ich kenne lediglich die Maschinen von der Firma Lamassu gut.»

Bitcoins vom Automaten, so geht es in Luzern.

Dort sei es so, dass die Diebe gar nicht an die Private Keys der Bitcoins herankämen. «Dies liegt daran, dass nicht der ganze Key lokal im Gerät gespeichert ist, sondern nur ein Teil davon. Ich denke, das ist beim Model BitXatm nicht anders», so Mäder. «Und selbst wenn der Key lokal auf dem Android-Tablet drauf ist, welches sich in den meisten ATMs befindet, ist er dennoch stark verschlüsselt.»

Es lockte das Bargeld

Hatten die Diebe wohl Kenntnis davon, dass sie nicht an die privaten Schlüssel herankommen würden? «Ich denke, sie wussten dies nicht. Oder was viel wahrscheinlicher ist, sie hatten es lediglich auf das darin enthaltene Bargeld abgesehen», vermutet Mäder.

«Je nach Modell befindet sich ein mehr oder weniger grosser Bargeldbehälter in dem Gerät. Jedenfalls bei den Zweiweg-Wechselautomaten, wie sie BitXatm herstellt. Bei diesem Gerät kann man ja nicht nur Bitcoins kaufen, sondern auch verkaufen und erhält dann Bargeld aus dem Automaten.»

So sah er aus: Der Bitcoin-Automat im Lakeside Business Center in Zug, bevor er entwendet wurde.
So sah er aus: Der Bitcoin-Automat im Lakeside Business Center in Zug, bevor er entwendet wurde. (Bild: zvg)

Diebstahl war kein Spaziergang

Stellt sich noch die Frage, wie schwierig es ist, einen Bitcoin-ATM zu stehlen. Einer, der es wissen muss, ist Mathias Ruch. Er ist Managing Partner der Lakeside Partners AG und betont, dass der Diebstahl alles andere als ein Spaziergang war.

«Auf den Bildern der Überwachungskamera sieht man, dass der Täter stundenlang am Werk war, bis er die Kabel alle gelöst und den Automaten freibekommen hatte. Wenn also jemand das Gefühl hat, man könne einfach reinspazieren, den Automaten unter den Arm klemmen und wieder rauslaufen, dann hat er ein völlig falsches Bild.»

Mindestens drei Türen aufgebrochen

Der Dieb sei über die Einstellhalle eingedrungen und habe mindestens drei Türen aufgebrochen. «Für das Lakeside Business Center ist also ein erheblicher finanzieller Schaden entstanden», so Ruch. Das Bürogebäude sei elektronisch abgeschlossen und selbst für die Garage brauche es Badges. «Aus unserer Sicht ist das Gebäude schon sehr sicher», sagt Ruch. Aber in ein Bürogebäude komme man halt immer irgendwie rein, wenn man wolle. Und wenn es mit dem Brecheisen ist.

Bis der neue Bitcoin-Automat endlich den Weg nach Zug findet, bleibt die leise Ironie, dass ausgerechnet das vielzitierte Crypto Valley Zug seit Monaten ohne Bitcoin-Automaten dasteht. Zum Vergleich: Alleine in Zürich stehen deren fünf. Schweizweit sind es um die 20.

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