So gross war der Andrang in der Mall of Switzerland in den ersten Tagen nach der Eröffnung. (Bild: zvg/Manuel Lopez)
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So gross war der Andrang in der Mall of Switzerland in den ersten Tagen nach der Eröffnung. (Bild: zvg/Manuel Lopez)

Mall of Switzerland: Guter Umsatz, zufriedene Mieter, leerer Dachstock

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Chaos auf der Strasse oder leere Geschäfte. Das waren die Negativ-Prognosen für die Mall of Switzerland. Doch nach etwas mehr als einem Monat scheinen sich Mall, Mieter und Kanton einig: Die Mall ist auf Kurs, das Geschäft brummt und das Verkehrschaos blieb aus. Doch es gibt immer noch zu wenig Mieter – und unerwartete Probleme.

Rund ein Monat ist es her, seit Tausende Shopping-Begeisterte die Mall of Switzerland stürmten. Im Vorfeld wurde ein Verkehrschaos befürchtet und die durch das Mall-Management angepeilten 50'000 Besucher pro Tag als sehr sportlich eingeschätzt. Am ersten Samstagen kam es tatsächlich zu tumultartigen Zuständen im Mall-Parking und die Verkehrsbelastung war auch für die Anwohner unangenehm. Doch wie sieht die Situation nach den ersten 30 Tagen tatsächlich aus?

Hauptmieterin Migros scheint rundum zufrieden. Sie betreibt neben dem Supermarkt und dem integrierten Do it + Garten ein Restaurant, einen Sport XX, einen Micasa sowie einen Melectronics im Einkaufstempel: «Die Eröffnungstage waren sehr erfolgreich und die Zahlen nach einem Monat entsprechen unseren Erwartungen bei all unseren Formaten», sagt Migros-Luzern Sprecherin Antonia Reinhard.

Besucher sind gut verteilt

Die Kunden schätzten besonders, dass nun auch in Stadtnähe von Luzern ein MMM-Supermarkt-Sortiment angeboten wird. Derzeit profitierten alle Sparten von guten Umsätzen in der Mall. Die Genossenschaftsunternehmung blickt deshalb zuversichtlich in die Zukunft: «Nach dem gelungenen Start sind wir sehr positiv und erwarten ein erfolgreiches Weihnachtsgeschäft», so Reinhard.

«Wir hoffen auf eine baldige Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten.»

Jan Wengeler, Mall of Switzerland

Mall-Direktor Jan Wengeler kann sich im Rückblick noch gut erinnern an den Eröffnungstag: «Es war eine gewisse Spannung da, ob alles klappt und ob es ankommt. Dann zu sehen, wie tausende Menschen in die Mall kommen, war bestimmt eine Erleichterung.» «Der Ansturm während den Eröffnungstagen vom 8. bis 11. November seien enorm gewesen, die angestrebte Besucherzahl von 150'000 wurde übertroffen.» Auch in den darauffolgenden Wochen sei die Besucherfrequenz in der Mall nach wie vor hoch.

Wo ist die Migros?

Laut Wengeler gab es nur wenige Probleme in der Anfangsphase – Gedränge habe es kaum gegeben: «In der Gesamtbetrachtung hat das meiste sehr gut funktioniert, beispielsweise die Verteilung der Besucherfrequenzen auf alle Etagen.» Auch das gastronomische Angebot komme sehr gut an.

Trotzdem fanden nicht alle Besucher Weg an den Ort ihres Begehrens: «Einige hatten Mühe, die riesige Migros im Erdgeschoss zu finden. Deshalb haben wir bei der Beschilderung nachträglich noch Massnahmen eingeleitet.»

Wie funktioniert dieser Lift?

Ein weiterer Stolperstein sind die futuristischen Aufzüge im Center. Sie haben in der Kabine kein Tableau mehr, auf dem man mit Knöpfen das Stockwerk anwählen kann. Viele Besucher sind deshalb ratlos und müssen warten, bis dass der Lift von sich aus auf der gewünschten Ebene hält. Wengeler verspricht: «Wir haben die Bedienung der hochmodernen Lifte optimiert.»

«Bereits am ersten Tag ist die Hälfte aller Besucher mit dem öV angereist»

Jan Wengeler, Mall of Switzerland 

Grossandrang am Wochenende 

Woher die Besucher kommen, wird laut dem Mall-Direktor in den kommenden Monaten untersucht. Nebst den Besuchern aus der Region seien auch viele aus dem erweiterten Einzugsgebiet Zürich, Bern oder Basel gekommen. Wengeler sagt, die meisten Mieter seien sehr zufrieden. Schwierigkeiten hatte offenbar die Einkaufspromenade «La Strada» mit teuren Marken: «Hier wird sich das Bedürfnis noch entwickeln», sagt Wengeler.

Die Besucher kommen in der Mall erwartungsgemäss an den Abendverkäufe am Donnerstag und Freitag sowie an den Samstagen. Und Wengeler erwartet Unterstützung aus der Politik, um den Wettbewerbsnachteil mit Centern in anderen Kantonen ausgleichen zu können: «Wir hoffen natürlich auf eine baldige Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten, besonders am Samstag.»

Anbindung als Achillesferse

In der Mall sind aktuell 102 Geschäfte in Gastro- und Retailbereich vermietet. Dies entspricht zurzeit über 80 Prozent der Verkaufsflächen. Aktuell werden noch laufend weitere Geschäfte eröffnet, wie beispielsweise diese Woche Hunkemöller oder nächste Woche Mango. Grosse Mieter wie Old Wild West und einem Eiscafé im Mall Herz 1 folgen demnächst. Noch immer sind im obersten Geschoss Mietflächen unbesetzt. Bis wann ist die Mall voll vermietet? Dazu gibt es von Wengeler noch keine klare Antwort.

Wechsel im Mall-Management

Der Zentralschweizer Ronnie Hürlimann, Marketing Manager der Mall of Switzerland, tritt wenige Wochen nach der Eröffnung der Mall of Switzerland zurück. Zu den Gründen seines Abgangs wurde laut dem «Anzeiger Luzern» Stillschweigen vereinbart. Ad Interim wird für ihn Werner Aebi übernehmen. Hürlimann wird noch bis Anfang Februar für die Mall arbeiten.

Indes will Wengeler weiter auch auf die Strategie setzen, Ladenfläche vorübergehend zu vermieten. Pull-up-Stores heissen die Shops, die sich nur für 6 oder 12 Monate einmieten und von denen es auch in Ebikon einige gibt. Das Konzept ermöglicht es einerseits Unternehmen unter Mail-Bedingungen Produkte und Dienstleistungen zu testen. Für die Mall sind sie andererseits attraktiv, weil sie zusätzliche Marken zum Angebot beisteuern und ein sich veränderndes Element im Einkaufstempel darstellen.

Verkehr wird erst im Januar beurteilt

Die Strategie, die Leute per öV in die Mall zu bringen, sei gelungen: «Bereits am ersten Tag ist die Hälfte aller Besucher mit dem öV angereist», berichtet Wengeler. Die gute Verkehrsanbindung der Mall sei sowohl ein Vorteil als auch eine Achillesferse – denn die Anreise per Auto gestaltet sich so einfach wie beim öV. Und wer den Weg mit seinem Vehikel trotzdem nicht findet, dem helfen mittlerweile an Wochenenden auch Verkehrskadetten weiter.

In Bezug auf den Verkehr und allfällige Stauprobleme liegen noch keine offiziellen Zahlen vor. Klar ist: Gemeinden wie Ebikon, Dierikon und Root verzeichnen laut Mirija Weber, Sprecherin im Bau-, Umwelt- und Verkehrsdepartement (BUWD), «ein erhöhtes Verkehrsaufkommen» in den ersten Wochen des Mall-Betriebs. Doch im Kanton hält man sich zurück bezüglich Rückschlüssen: «Wir können frühestens Ende Januar 2018 eine Aussage dazu machen, auf welchem Niveau sich der Verkehr einpendeln wird», sagt Weber. Das aktuelle Verkehrsaufkommen sei nicht repräsentativ, lässt der Kanton verlauten.

Anreise per öV funktioniert

Gemäss Astra kam es auf der Autobahn zu den Spitzenzeiten zu einem leicht erhöhten Verkehrsaufkommen. «Zudem meldeten uns einige Anwohner Schleichverkehr im Quartier, das sich aber laut Quartierverein im überschaubaren Rahmen hielt», berichtet Wengeler. Nichtsdestotrotz würde die Mall diese Entwicklung im Auge behalten. An den Werktagabenden können Rückstaus auftreten, wovon der grösste Teil auf dem Parkareal der Mall aufgefangen werden könne.

Viele Besucher sind mit dem öffentlichen Verkehr angereist. Die wohl auch dank den Vergünstigungen (zentralplus berichtete). Rund die Hälfte kam mit Bus, Bahn oder Velo. Das mit dem Kanton vereinbarte Ziel waren 40 Prozent öV und 60 Prozent Auto. «Insofern sind wir mit den 50 Prozent mehr als zufrieden.»

Ein Controlling-Gremium unter der Leitung des regionalen Entwicklungsträgers Luzern Plus, dem neben den zuständigen kantonalen Dienststellen die betroffenen Gemeinden und die Betreiber der Mall of Switzerland angehören, beobachtet die Entwicklung der Verkehrszahlen und damit die Einhaltung des Fahrtenkontingents, erklärt Weber. Je nach Ergebnis dieses Monitorings beschliesse das Gremium entsprechende Massnahmen.

 

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