Verschiedene Labels: Doch was bedeuten sie überhaupt? (Bild: Emanuel Ammon/AURA/Montage zentralplus)
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Verschiedene Labels: Doch was bedeuten sie überhaupt? (Bild: Emanuel Ammon/AURA/Montage zentralplus)

O Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter wirklich?

9min Lesezeit

Heiligabend naht und der Kauf des Christbaumens steht an. Längst soll der Baum nicht mehr nur möglichst gerade und buschig sein. Ökologisch muss er ebenfalls sein. Doch was heisst bei Weihnachtsbäumen überhaupt «grün», was bedeuten die Labels und wo kommt man in Luzern und Zug an die Tannen?

Grün war der Christbaum schon immer. Seine farbliche Pracht wird sogar in einem wohl jedem bekannten Weihnachtslied besungen. Doch längst hat das Wort «grün» noch eine weitere Bedeutung erlangt und ist Teil unseres Alltages geworden. Möglichst auch an Weihnachten.

Der Ökotrend ist folglich auch an Konsumenten, Produzenten und Händlern von Christbäumen nicht vorbeigegangen. Viele der Christbäume sind heute mit einem Label ausgezeichnet. IG Suisse Christbaum, FSC und Bio Suisse sind drei davon. Doch was sagen sie über die Qualität und die Art der Produktion aus?

Mehrheit kommt aus dem Ausland

Rund 1,2 Millionen Christbäume werden in der Schweiz jedes Jahr verkauft. Davon stammen aber nur gut 500’000 aus heimischer Produktion. Der Förderung des Anbaus und des Absatzes von heimischen Nadelbäumen hat sich deshalb die IG Suisse Christbaum angenommen.

«In jeder Stube ein Schweizer Christbaum», lautet das gemeinsame Credo der angeschlossenen Christbaumproduzenten. In den Kantonen Zug und Luzern sind 4 beziehungsweise 25 Produzenten Mitglied der IG. Einen Überblick über die regionalen Produzenten finden Sie hier. Neben dem Direktverkauf vor Ort bieten sie ihre Bäume auch auf zahlreichen regionalen Christbaummärkten an. Eine Nachfrage beim entsprechenden Händler schafft Klarheit über die Herkunft der Tannen. 

Schweizer Bäume sind grundsätzlich ökologischer

Während die Bäume mit dem IG-Suisse-Label einerseits Qualitätsstandards bezüglich Höhe, Farbe, Frische und Form erfüllen müssen, setzt sich die IG andererseits dafür ein, dass die Bäume möglichst nahe beim Konsumenten gedeihen. Kurze Transportwege sind eines der Hauptanliegen.

Das Label «Suisse» suggeriert zudem, dass ein heimischer Baum in den allermeisten Fällen bereits «grüner» ist als eine Tanne aus dem Ausland. Grund dafür ist, neben den Richtlinien der IG Suisse Christbaum und weiterer Labels, das schweizerische Waldgesetz.

Strenges Waldgesetz

Die Schweiz hat eines der strengsten Waldgesetze der Welt. Der Einsatz von Dünger oder Pestiziden sowie die Bewirtschaftung und Nutzung des Waldes sind in der Schweiz vergleichsweise streng reguliert.

«Das FSC-Label garantiert eine ökologisch verantwortungsvolle und sozial förderliche Waldbewirtschaftung.»

Hubertus Schmidtke, FSC Schweiz

Ania Biasio von Bio Suisse erklärt, weshalb. «Der Anbau von Christbäumen ist in der Schweiz in der Regel weniger intensiv als im Ausland.» Zudem müssten die Bäume für den Transport nicht gekühlt werden. Wenn man einen Christbaum kauft, der «nur» aus einem Wald in der Schweiz stammt, jedoch nicht zusätzlich zertifiziert ist, hat man der Umwelt folglich bereits einen Dienst erwiesen.

Wem dies allerdings nicht genügt, der geht auf Nummer sicher und kauft sich einen mit dem FSC- oder Knospenlabel zertifizierten Christbaum. Es sei deshalb wichtig, sich über die Art der Produktion zu informieren, sagt Biasio.

FSC noch strenger als Gesetz ...

FSC hat zehn Prinzipien und 56 Kriterien festgelegt, die eine ökologische Waldnutzung auszeichnen. Diese sind international gültig und definieren grundlegende Umwelt- und Sozialstandards. «Bei Bäumen aus dem Wald ist davon auszugehen, dass sie ‹wild› aufgewachsen sind und keinerlei Dünger oder Pestizide verwendet werden», sagt Hubertus Schmidtke von FSC Schweiz.

Da jedoch die nationalen Gesetze verschieden sind, sind die Standards folglich nicht überall gleich. «Sowohl das Schweizerische Waldgesetz gilt als eines der strengsten als auch der schweizerische FSC-Standard», sagt Schmidtke.

Somit sind FSC-zertifizierte Christbäume aus der Schweiz meist ökologischer als zertifizierte Tannen aus dem Ausland. Die Kriterien werden in der Schweiz zurzeit von einer Arbeitsgruppe, die sich aus Vertretern aus Wirtschaft, Umwelt und Soziales zusammensetzt, überarbeitet. 

... gilt aber nur für den Wald

Drei Viertel der Christbäume aus der Schweiz stammen heute aus Baumschulen. Diese stehen oft auf landwirtschaftlichen Flächen. Folglich fällt die Aufzucht hier nicht unter das Waldgesetz. «Das FSC-Label kann hier nicht vergeben werden», erklärt Schmidtke.

«Ein Blick auf die Knospe genügt. Dann wissen Sie, dass Ihr Weihnachtsbaum aus nachhaltiger Produktion in der Schweiz stammt.»

Ania Biasio, Bio Suisse

Wer einen zertifizierten Baum aus einer Zucht ausserhalb des Waldes will, muss deshalb auf ein anderes Label achten. Hier kommt die Knospe von Bio Suisse zum Zug. «Beim Anbau auf dem Feld gibt es grosse Unterschiede zwischen dem konventionellen und dem Bio-Anbau», sagt Ania Biasio von Bio Suisse. Etwa zehn Prozent der auf Plantagen produzierten Christbäume würden heute biologisch angebaut.

Biobäume erhält man bei Coop. Rund zehn Prozent der dort angebotenen Tannen sind biozertifiziert. Die Auswahl ist also eher beschränkt. Die Bäume gibt es in allen Bau+Hobby-Märkten sowie in den meisten grösseren Filialen. In der Stadt Luzern zum Beispiel beim Kasernenplatz. In Zug kann man die Biobäume bei der Filiale Neustadt, in Rotkreuz oder Cham Seehof erstehen. 

Die Biotannen von Coop sind mit dem Oecoplan-Label, ausgezeichnet. Auf die Auszeichnung und die Herkunft zu achten, sei insofern wichtig, da bei den Grossverteilern die überwiegende Mehrheit der Christbäume aus dem Ausland stammten, wie Schmidtke von FSC ergänzt.

Echt oder künstlich? Was ist «grüner»?

Diese Frage stellen sich viele Konsumenten jedes Jahr aufs Neue, ist der Anbau und der Transport von Christbäumen doch mit vielen Umweltbelastungen verbunden. Wie verschiedene Studien zeigen, ist der Verzicht auf eine echte Tanne aus Sicht des Klimas indes keine Option. Denn der Kauf eines künstlichen Baumes nur schon alle zehn Jahre sei schlechter für die Umwelt, als jedes Jahr eine echte Tanne zu kaufen, so der Tenor. Um eine ausgeglichene Ökobilanz zu erreichen, müsste das künstliche Bäumchen gut 20 Jahre im Einsatz stehen.

Keine Chemie

Was für die Forstwirtschaft das FSC-Label ist, ist für die Landwirtschaft die Knospe. Um neben der Herkunft Schweiz und den kurzen Transportwegen auch betreffend Anbaumethoden ein möglichst umweltfreundliches Produkt anbieten zu können, mache es deshalb Sinn, diese biologisch zu kultivieren, so Biasio.

«Auf konventionell betriebenen Plantagen werden oft synthetische Dünger und Wachstumsförderer eingesetzt.» Auch werde mit Herbiziden gegen den so genannten Unterwuchs wie Gras und andere Bodenpflanzen vorgegangen.

Zudem würden auch in der Schweiz chemische Mittel für einen geraden Wuchs und ein kräftigeres Grün zum Einsatz kommen, sagt Biasio. «Die Herkunft Schweiz schliesst dies sowohl im Wald als auch auf der Plantage nicht aus.» Der Einsatz von chemisch-synthetischen Herbiziden ist auf Bioplantagen indes verboten. Dies zeichnet die Bäume als ökologisch aus.

Schafe als Rasenmäher

Viele Biobetriebe mähen das Gras folglich auf natürliche Art. Denn dessen Entfernung ist für ein gutes Wachstum der Tannen auch in Biobetrieben wichtig. Dafür lassen viele Produzenten Schafe zwischen den jungen Tannen grasen. Von den weltweit gut 800 Rassen kommt dafür indes nur eine einzige in Frage.

Die eingesetzten Shropshire-Schafe stammen ursprünglich aus einer englischen Grafschaft an der Grenze zu Wales. Das Besondere an dieser Art ist, dass sie nur das Gras, nicht aber die Tannen in den Baumschulen fressen. Ein Betrieb, der auf diese Anbauvariante setzt, ist der Matthof von Beni Langenegger aus Inwil bei Baar (zentralplus berichtete). Die Bäume verkauft er auch direkt ab Hof.

In der Schweiz gibt es rund 60 Betriebe, die eine biologische Christbaumproduktion betreiben. In den Kantonen Zug und Luzern sind es laut Ania Biasio von Bio Suisse zusammen gut zehn. Die Nachfrage nach Biobäumen sei in der ganzen Schweiz ansteigend. 

Shropshire-Schafe bei der Arbeit auf einer Plantage.
Shropshire-Schafe bei der Arbeit auf einer Plantage. (Bild: zvg)

Bio nicht grüner als FSC

Ein Blick auf die verschiedenen Labels lohnt sich allemal. Es gilt dabei zu beachten, dass Bio nicht unbedingt ökologischer sein muss als FSC. Die Labels geben einen Hinweis auf den Ort des Anbaus von Christbäumen.

Bio Suisse und FSC Schweiz sagen folglich unabhängig voneinander, dass die beiden Labels nur bedingt miteinander verglichen werden können. Sie ergänzen sich aber gegenseitig. So sagt Hubertus Schmidtke von FSC Schweiz über Bio Suisse: «Bei Plantagen werden Dünger und Pestizide eingesetzt. Dort ist das Knospenlabel wichtig.» Alle Schweizer Christbäume sind im internationalen Vergleich also relativ «grün». Speziell zertifizierte Pflanzen sind aber noch weitaus ökologischer als solche aus konventionellem Anbau.

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