Das Pathé-Kino in der Mall of Switzerland vermietet seine Säle für Kongresse und Seminare. (Bild: zvg)
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Das Pathé-Kino in der Mall of Switzerland vermietet seine Säle für Kongresse und Seminare. (Bild: zvg)

Mall macht dem Verkehrshaus einen Kongress streitig

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Das Kino in der Mall of Switzerland schnappt dem Verkehrshaus der Schweiz einen attraktiven Event weg: Der zweite Mobilitätskongress findet nicht am Vierwaldstättersee statt, sondern im Rontal. Damit tritt Pathé offiziell als Raumanbieter in den Wettkampf um das lukrative Seminar- und Kongressgeschäft.

Mit der Eröffnung der Mall of Switzerland mischt ein neuer Kongress- und Seminarraumanbieter den Markt auf: Das Pathé-Kino vermietet seine Räumlichkeiten tagsüber. Wenige Monate nach der Eröffnung darf das Kino eine prestigeträchtige Veranstaltung beherbergen.

Der Luzerner Regierungsrat Robert Küng (FDP) lädt am 31. Januar 2018 im Rahmen des zweiten Mobilitätskongresses Gäste aus Politik und Wirtschaft ein, in den roten Kinosesseln Platz zu nehmen. «Wir erwarten rund 300 Gäste an der Veranstaltung», sagt Mirija Weber Kommunikationsverantwortliche des Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements (BUWD).

Thematische Gründe für den Tapetenwechsel

Zu den Referenten zählen Flixbus-Geschäftsführer André Schwämmlein, der Nidwaldner Ständerat Hans Wicki sowie Amag-Importeur Bernhard Soltermann. Ex-Arena-Moderatorin Sonja Hasler führt durch die Veranstaltung (siehe Box). Das Nachsehen hat das Verkehrshaus der Schweiz: Denn im Museum fand der erste Nachhaltigkeitskongress unter Ägide des Kantons Luzern im vergangenen Jahr statt.

«Wir würden uns freuen, wenn der Kongress das nächste Mal wieder bei uns stattfindet.»

André Küttel, Verkehrshaus der Schweiz

Der Grund für den Tapetenwechsel ist laut Mirija Weber thematischer Art – nicht finanzieller Art: «Die Kosten für die Veranstaltung bewegen sich im gleichen Rahmen wie im vergangenen Jahr», sagt Weber. Die Region Luzern Ost ist ein Mobilitätshotspot. Die Mall of Switzerland in Ebikon als Austragungsort passt deshalb gut zu unseren Kongressthemen.» Wie viel der Kanton für den Kongress ausgibt, verrät Weber nicht. Die Veranstaltung wird allerdings nicht allein vom Kanton finanziert, sondern von verschiedenen Sponsoren und Partnern mitgetragen.

Kino bleibt Hauptgeschäft

Das Rontal kämpft seit Jahren mit zunehmendem Stauaufkommen, die Problematik verschärft sich mit der Mall-Eröffnung (zentralplus berichtete). «Mobilität ist für die Mall ein wichtiges Thema», sagt auch Mall-Sprecher Schaeppi. Er zeigt sich deshalb erfreut über die Durchführung in Ebikon.

Obwohl Pathé Raum für private Veranstaltungen bietet, bleiben Filmvorführungen das Hauptgeschäft, sagt das Kino auf Anfrage. Ähnliche Angebote bietet Pathé auch in anderen Städten bereits seit 15 Jahren.

Regierungsrat Robert Küng (Mitte) und die Referenten des diesjährigen Mobiliätskongress.
Regierungsrat Robert Küng (Mitte) und die Referenten des diesjährigen Mobiliätskongress. (Bild: zvg / Kanton Luzern)

Dass der Zuschlag für den Event an die neue Konkurrenz aus der Agglo geht, nimmt Verkehrshaus-Marketingchef André Küttel gelassen: «Wir würden uns freuen, wenn der Kongress das nächste Mal wieder bei uns stattfindet.» Das Geschäft mit Grossveranstaltungen ist attraktiv. Der Kongressbereich trägt laut Marketingchef Küttel zum wirtschaftlichen Erfolg des Verkehrshauses bei.

Umkämpfter Markt

Der Markt ist hart umkämpft: Pathé muss gegen Konkurrenten wie KKL, Messe Luzern, Grand Casino, Hotel Schweizerhof oder eben das Verkehrshaus antreten. Im Verkehrshaus fürchtet man sich nicht vor der neuen Konkurrenz: «Jeder Veranstaltungsort hat seinen eigenen Charakter.» Mit dem Ambiente und der Lage am See könne sich das Museum gut im Markt positionieren. Die Anzahl der privaten Veranstaltungen in der Grössenordnung des Mobilitätskongress liegt laut Küttel im tiefen zweistellen Bereich.

«Wir sind in diesem Bereich sehr gut ausgelastet.»

Sebastian Maiss, KKL

Dass Pathé nun Kongresse anbietet, macht auch das KKL nicht nervös: «Der Kongress-Markt ist im Allgemeinen seit längerem umkämpft», sagt Marketingchef Sebastian Maiss. Im KKL machen Seminare und Kongresse ein Drittel der 31 Millionen Franken Jahresumsatz aus und sind ein lukrativer Geschäftszweig: «Es treten regional, national und international immer wieder neue Mitbewerber auf den Markt». Das Haus verfolge die Strategie, sich auf seine eigenen Stärken zu konzentrieren: «Wir bieten jegliche Dienstleistungen aus einer Hand.»

Vorlaufzeit von mehreren Jahren

Im Jahr 2016 fanden 521 Veranstaltungen im KKL Luzern statt, davon waren 169 Kongresse und Firmen-Events. «Wir sind in diesem Bereich sehr gut ausgelastet», sagt Maiss. Da ein Kongress immer auch Nebenräumlichkeiten beanspruche, müsse dies auf die komplette Programmation des Hauses abgestimmt werden. Bei grossen Kongressen hat das KKL somit oft eine Planungsphase oder Vorlaufzeit von mehreren Jahren.

Sebastian Maiss, Chief Sales   Marketing Officer des KKL Luzern.
Sebastian Maiss, Chief Sales Marketing Officer des KKL Luzern. (Bild: KKL / zvg)

Die Preise für Raummietungen sind im KKL sehr unterschiedlich. Für 24’500 Franken können Unternehmen den Konzertsaal für rund 1’300 Gäste während zehn Stunden mieten. Dazu gehören Technik, Mitarbeitende, Dienstleistungen und weitere Räume. Die Tagespauschale für den Luzerner Saal beträgt 13’500 Franken.

Zum Vergleich: Der Konferenzsaal Coronado im Verkehrshaus kostet pro Tag 3’200 Franken und bietet in der Seminarbestuhlung Platz für 250 Personen. Und das Auditorium Hans Erni schlägt pro Tag mit 1’620 Franken zu Buche. Hinzu kommen gegen 650 Franken für Beamer, Headset und Internetanschluss.

Im Kongressbereich steht das KKL laut Maiss nicht nur mit Luzern, sondern zuweilen mit der ganzen Schweiz in Konkurrenz. Immer neue Orte – zuweilen unkonventionelle – drängten auf den Markt: «Neben dem klassischen Kongresszentrum werden auch frühere Industriehallen zu Konzert- und Kongresshäusern umfunktioniert.»

Mobilitätskongress mit Fokus auf Bypass und Tiefbahnhof 

Nach dem ersten Mobilitätskongress im Frühjahr 2017 veranstaltet der Kanton Luzern im Pathé-Kino Ebikon am 31. Januar die zweite Ausgabe. Der Kanton erwartet rund 300 geladene Teilnehmer aus Wirtschaft und Politik. Themen sind die wachsende Agglomerationen, wirtschaftliche Dynamik und neue Mobilitätsbedürfnisse.

Laut der Kongress-Webseite erhofft sich Regierungsrat Robert Küng, durch den Anlass die Kräfte zu bündeln für die Weiterentwicklung der Mobilität in der Zentralschweiz. Im Fokus stehen dabei insbesondere die Projekte Durchgangsbahnhof und Bypass Luzern/Spange Nord. Der Mobilitätskongress sei dafür eine ideale Plattform.

Die Referenten:

  • Norbert Riesen, Lustat
  • Hans Wicki, Ständerat Kanton Nidwalden
  • André Schwämmlein, Flixbus
  • Bernhard Soltermann, Amag-Import
  • Gerhard Fehr, Fehr Advice & Partners
  • Sonja Hasler, Moderation
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