René Koller, Chef der Sörenbergbahnen, sieht eine rosige Zukunft. (Bild: bic)
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René Koller, Chef der Sörenbergbahnen, sieht eine rosige Zukunft. (Bild: bic)

Geld und Schnee in Mengen: Doch kommen auch die Gäste?

7min Lesezeit

Es wird kräftig investiert in Sörenberg. Der Geschäftsführer der Sörenbergbahnen ist deshalb überzeugt, dass im Entlebuch noch viele Jahre Ski gefahren wird. Vor allem die Familien sollen es richten. Doch auch die Politik meint es gut.

Grau in grau zeigt sich das Wetter an diesem Vormittag in der Stadt Luzern. Doch wenn man den Raum betritt, in welchem die Innerschweizer Skigebiete gemeinsam ihre neusten Angebote und Attraktionen präsentieren, ist die Tristesse schnell verflogen. Die fantastischen Livebilder der Webcams tragen ihren Teil dazu bei: Sonne, blauer Himmel und jede Menge Schnee.

Wie jedes Jahr treffen sich die Vertreter der Skigebiete Sörenberg, Klewenalp, Stoos, Brunni, Engelberg-Titlis, Sattel-Hochstuckli, Andermatt-Sedrun, Meiringen-Hasliberg, Melchsee-Frutt und Mythenregion pünktlich zum Saisonstart für eine gemeinsame Medienorientierung. Der frühe Schnee führt derzeit zu Hochstimmung. Die Freude auf den Saisonstart ist mit Händen greifbar, man spürt die Euphorie. Am Wochenende geht’s vielerorts los.

Grosse Investitionen sollen Zukunft sichern

Die anwesenden Vertreter der Skigebiete scheinen voller Tatendrang. Den Herausforderungen durch die sich verändernden klimatischen Bedingungen will man sich mit aller Kraft entgegenstellen. Dies wird spätestens klar, als der Verband auf die in den vergangenen Jahren in der Innerschweiz getätigten Investitionen zu sprechen kommt.

Sieht die Zentralschweizer Skigebiete für die Zukunft gerüstet: Sepp Odermatt, Präsident des Verbandes der Innerschweizer Transportunternehmen.
Sieht die Zentralschweizer Skigebiete für die Zukunft gerüstet: Sepp Odermatt, Präsident des Verbandes der Innerschweizer Transportunternehmen. (Bild: bic)

Rund 75 Millionen wurden in der Innerschweiz in den letzten Jahren in Schneekanonen der neusten Generation und in neue Hochleistungslifte gesteckt. Auch neue Events wie spezielle Rennen, Hüttengaudis und Konzerte sollen die Menschen in Scharen in die Berge locken. An einigen Orten wurde Geld in ein besseres Gastroangebot investiert. Denn auch Spaziergänger sollen ihren Beitrag zur Finanzierung der Anlagen leisten.

«Die Krise in den Skigebieten wird oft und gerne herbeigeredet», sagt Sepp Odermatt, Präsident des Verbandes der Zentralschweizer Transportunternehmen. Die Innerschweizer Bergbahnen sind hier zusammengeschlossen. Tatsächlich sei man aber bestens für die kommenden Herausforderungen wie den Klimawandel gerüstet.

Private und öffentliche Investoren

Ein grosser Teil der Investitionen fällt alleine im Luzernischen an. Nicht weniger als 36 Millionen Franken werden in Sörenberg bis 2021 in drei Etappen in die Erweiterung und die Modernisierung der Skiarena im hintersten Winkel des Kantons gepumpt. «Das Geld stammt hauptsächlich aus privaten Quellen», sagt René Koller, Chef der Sörenbergbahnen. Mindestens die nächsten 20 Jahre soll im Entlebuch Ski gefahren werden.

Den grössten Teil steuert ein Entlebucher Bankenkonsortium bei. «Die Investoren sehen in Sörenberg auch in Zukunft grosses Potenzial. Daher war es nicht schwierig, sie ins Boot zu holen», so Koller. Der Kanton Luzern beteiligt sich mit einem zinsfreien Darlehen von 1,8 Millionen an der Entwicklung des Skigebiets. Hinzu kommt eine Bürgschaft von 4,6 Millionen Franken. 9 Millionen steuern die Sörenbergbahnen selber bei.

Familien als Zielgruppe

Doch wer soll zukünftig überhaupt in der neuen Skiarena anzutreffen sein? Darauf hat Koller eine klare Antwort: «Unser Zielpublikum sind vor allem die Familien», erklärt er. Insbesondere kommen viele Eltern mit ihren Kindern nach Sörenberg, die selber an diesen Hängen ihre ersten Versuche auf den Skis gemacht haben. Diese Gäste seien enorm wichtig. «Es besteht quasi ein Generationenvertrag», so René Koller. 97 Prozent der Gäste stammen aus der Schweiz.

Dass insbesondere Familien angesprochen werden sollen, habe aber auch rein betriebswirtschaftliche Gründe, so Koller. «Wir können beim Preiskampf nicht mit anderen Skigebieten mithalten. Angebote wie in Saas-Fee sind für uns nicht möglich», sagt er. Saas-Fee hatte mit einer Saisonkarte für 222 Franken Schlagzeilen gemacht. In Sörenberg kostet sie für Erwachsene 720 Franken.

«Die Zweitwohnungsinitiative kommt uns entgegen.»

René Koller, Geschäftsführer Sörenbergbahnen

Solche Skigebiete hätten viel grössere Kapazitäten, weshalb sich diese Angebote rechnen würden. Sörenberg kann pro Tag höchstens 10’000 Gäste bewirtschaften. Zu wenig, um Schleuderpreise anbieten zu können. Jugendliche und junge Erwachsene würden zudem generell eher die grossen Skigebiete bevorzugen. Ein normaler Betriebstag kostet die Bergbahnen rund 65’000 Franken.

Zu viele kalte Betten

Potenzial sieht Koller in Zukunft auch bei Gästen, die in Sörenberg ihre Ferien verbringen. Zurzeit habe man hauptsächlich Tagestouristen. «Wir hätten es gerne, wenn die Leute etwas länger bei uns verweilen würden», sagt er. Zurzeit gebe es in Sörenberg aber zu viele kalte Betten.

Denn die grosse Mehrheit der Ferienhäuser sei in Privatbesitz. Man arbeite aber daran, die Besitzer davon zu überzeugen, dass sie ihre Wohnungen mehr vermieten. «Das würde uns sehr helfen», sagt René Koller. Die Zusammenarbeit mit allen Playern im Umkreis sei aber sehr gut, betont er. Denn alle würden vom Erfolg profitieren.

Zugute komme Sörenberg in diesem Zusammenhang die vor fünf Jahren angenommene «Zweitwohnungsinitiative». Denn aufgrund der neuen Bestimmungen könnten nun nur noch Wohnungen gebaut werden, die ständig vermietet werden. «Genau was wir wollen», zeigt sich Koller erfreut. Entsprechende Projekte seien am Laufen. «Es gibt einen Masterplan», so Koller.

Neuer Sessellift aufs Rothorn

Neben neuen, softwaregesteuerten Schneekanonen, die je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit den jeweils exakt richtigen Schnee produzieren, ist der sich im Bau befindende Sessellift auf das Brienzer Rothorn René Kollers grosser Stolz.

Der 1973 erstellte Lift wird künftig für eine bessere Verbindung des Gebietes Rothorn mit dem Dorf Sörenberg verwendet. Die Skifahrer können in Zukunft direkt auf der Piste ins Dorf fahren. Der neue Sessellift am Rothorn wird etwas weiter nach oben führen als der alte. Das Brienzer Rothorn, der höchste Punkt des Kantons Luzern, liegt auf 2’350 Metern über Meer.

An etwa zwölf Wochenenden im Jahr können die Anlagen in Sörenberg betrieben werden. Im Vergleich zu anderen Skigebieten nur kurz. Der Gletscher auf dem Titlis wird während acht Monaten befahren. Die neuen Anlagen wurden also nötig, um auch in Zukunft zu überleben.

«Im Moment haben wir fast zu viel Schnee.»

René Koller, Geschäftsführer Sörenbergbahnen

Durch die neuen Anlagen könne man den Leuten stets ideale Bedingungen für das Skifahren bieten. Man sei mittlerweile weniger vom Wetter abhängig. «Fünf bis sechs Traumwochenenden reichen uns, um die wirtschaftlichen Minimalziele zu erreichen», sagt Koller. Er ist überzeugt, dass dies in Zukunft klappen wird.

Der Start der neuen Anlage ist für den 23. Dezember geplant. Ob der Betrieb dann aber tatsächlich aufgenommen werden kann, kann Koller nicht garantieren. Es komme darauf an, wie schnell die Bauarbeiten am Sessellift voranschreiten. «Man darf es fast nicht sagen. Aber im Moment haben wir fast zu viel Schnee, um rasch voranzukommen», sagt Koller lachend. Spätestens im Januar soll es aber losgehen.

Wie viele Skifahrer und Snowboarder künftig im Entlebuch ihre Schwünge ziehen, wird sich weisen müssen.

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