Der Andrang bei der Anfahrt dürfte das Shoppingerlebnis in der Mall of Switzerland trüben. (Bild: Montage hae)
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Der Andrang bei der Anfahrt dürfte das Shoppingerlebnis in der Mall of Switzerland trüben. (Bild: Montage hae)

«50’000 Besucher am Tag – Achtung Stau vor der Mall of Switzerland!»

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Der Mall-Kenner Bruno Kunz gab der Mall of Switzerland vor der Eröffnung Vorschusslorbeeren. Doch bei den Besuchererwartungen der Mall-Investoren ist er skeptisch: Denn Kunz kennt die Verkehrsformel für die Besuchermassen. Er sagt auch, welche Läden die Massen anziehen.

Mathias Haehl

In ein paar Tagen geht die Mall of Switzerland auf. Achtung Staugefahr! Das vermutet Shopping-Center-Profi Bruno Kunz, sollten die von den Mall-Machern angepeilten 50’000 Besucher pro Tag wirklich in das neuste Center pilgern.

Die höchsten Frequenzen erreichte das bislang grösste Shopping Center der Zentralschweiz, dasjenige in Emmen, jeweils im Dezember zu den vorweihnächtlichen Einkäufen. 40’000 und mehr Kunden fuhren dann in das Center, das Bruno Kunz während zehn Jahren als Direktor leitete (zentralplus berichtete). Im Schnitt hatte sein Einkaufszentrum damals weit weniger als die Hälfte der in Ebikon erwarteten Besucher: unter 20’000.

2,2 Besucher pro Fahrzeug

In diesen Weihnachtszeiten kam das Emmen Center an seine Limiten, denn da kamen bis zu 20’000 Autos an einem Tag auf die kostenlosen 2’100 Parkplätze (zentralplus berichtete). Damals galt die Formel: Anzahl Autos multipliziert mit 2,2 ergibt die ungefähre Gesamtbesucherzahl.

Zehn Jahre im Emmen Center

Bruno Kunz (56) stammt aus Emmen, studierte Marketing an der HWV Luzern. Mit seiner Frau und dem 15-jährigen Sohn lebt er in Hellbühl. Kunz hatte diverse Jobs in Shopping-Centers und war als Direktor zehn Jahre lang Chef des Emmen Centers mit seinen rund 1’000 Angestellten. Seit 2012 leitet er das D4 Business Village in Root, auf dessen zirka 53’000 m2 Nutzfläche rund 2’000 Menschen tätig sind.

Zurück zur Mall: «Mehr als 40 Prozent via öffentlichen Verkehr anzuziehen, wird wohl derzeit noch nicht gelingen», sagt Kunz, der heute das D4 Business Village in Root mit mehr als 2’000 Angestellten leitet.

Standortnachteil Luzern

Auch einen weiteren Kritikpunkt hat Kunz, der den Mall-Machern in Ebikon im Vorfeld der Eröffnung gute Noten gegeben hat: «Luzern hat einen grossen Standortnachteil in der Schweiz. Und das ist unser Ladenöffnungsgesetz.»

Bruno Kunz freut sich auf die Eröffnung des schweizweit zweitgrössten Einkaufszentrums.
Bruno Kunz freut sich auf die Eröffnung des schweizweit zweitgrössten Einkaufszentrums. (Bild: Montage hae)

Freiburg und der Tourismuskanton Luzern sind die einzigen Kantone der ganzen Schweiz mit Ladenschluss um 16.00 Uhr an Samstagen. Eine sehr schwierige Situation für die Luzerner Shopping-Centers. Wer noch nicht genug geshoppt hat, fährt in den Kanton Zürich, wo oft bis 20 Uhr offen ist.

Bershka, Müller und Nespresso top

Immerhin findet Kunz, dass der Mietermix in der Mall of Switzerland gelungen sei: «Der Mix stimmt zu 70 Prozent.» Hart sei es für Ebikon, dass der begehrte spanische Kleiderladen Zara den Betreibern einen Korb gab. Aber andere Geschäfte hält er für sehr attraktiv: Bershka beispielsweise, das auch zum Zara-Mutterhaus Inditex gehört, Adidas, Bayard mit seiner 100-jährigen Familiengeschichte. Oder auch der Concept-Store Flying Tiger könnte sich gut etablieren.

«Dieses Interesse von innovativen Firmen zeigt doch, wie hip die Mall of Switzerland ist.»

Bruno Kunz zu den Läden Nespresso, Swarovski und Tesla

Als ideale Ergänzung betrachtet Bruno Kunz den Laden Müller, einen Drogeriefachmarkt mit grosser Auswahl und günstiger Preispolitik. Oder die Schweizer Surf-Arena sowie die Spielkiste, die auch Familien anlocken dürfte.

Solide sei, dass etwa H&M oder Migros im neuen Haus seien. Eher überraschend, aber auch sehr positiv seien die Engagements durch Geschäfte von Nespresso, Swarovski und vor allem Tesla. Bruno Kunz staunt: «Dieses Interesse von innovativen Firmen zeigt doch, wie hip die Mall of Switzerland ist.»

Bevor man sich aber in der neuen Mall verlustiert, gilt vermutlich die Devise: den öffentlichen Verkehr nutzen und allfällige Staus vermeiden.

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