Von links: Pierino Bonetti, Patric Fasel und Fabian Jung. (Bild: pze)
Wirtschaft Essen und Trinken

Von links: Pierino Bonetti, Patric Fasel und Fabian Jung. (Bild: pze)

Hier wird die Kunst des Bierbrauens zelebriert

7min Lesezeit

Die Emmer Kleinbrauerei «MN Brew» hat 50'000 Franken in eine professionelle Brauanlage gesteckt. Die fünf Luzerner Bierbrauer experimentieren mit verschiedenen Zutaten und entwerfen ganz eigene Geschmackssorten. Aus Hobby wird schrittweise Beruf – doch die Jungbrauer haben noch viel grössere Träume.

Pascal Zeder

Nach kurzer Suche findet man den Eingang zur Verkaufszentrale von «MN Brew» an der Gerliswilstrasse. Man betritt den Raum und ist überrascht: Hier, im Keller des Wohngebäudes, steht eine heimelig eingerichtete Bar. In der Ecke ein Aquarium, an der Wand ein Bild der Viscosistadt – gemalt von der Luzerner Künstlerin Marina Lutz. Hier hat die erste Brauerei der Gemeinde Emmen ihren Firmensitz.

Amerikaner bringt Bier-Knowhow in die Schweiz

Die fünf Jungunternehmer zelebrieren das Bier. Deshalb stand der Gerstensaft am Anfang der Geschichte. «Die Leidenschaft für das Bierbrauen hat uns zusammengeführt. Vor dem Projekt haben wir uns nicht gekannt», erklärt Fabian Jung, Verantwortlicher für den Verkauf bei MN Brew. Jeder sei aus Liebe zum Bier zum Projekt «MN Brew» gestossen. Jung sagt: «Aus der gemeinsamen Passion sind Freundschaften gewachsen.»

Die «Classic»-Reihe von MN Brew.
Die «Classic»-Reihe von MN Brew. (Bild: pze)

Das Knowhow stammt aus dem Geburtsland des Self-Made-, oder eben «Craft»-Biers: den Vereinigten Staaten. In persona von Braumeister Pierino Bonetti wanderte vor 13 Jahren ein Haufen Bier-Wissen von der Westküste der USA in die Schweiz ein. «Ich habe gemerkt, dass es in der Schweiz kaum gutes Craft-Bier gibt. Deshalb habe ich beschlossen, selbst welches zu brauen», sagt der bärtige Amerikaner. 

Degustationen bei MN Brew

Für Gruppen ab sechs Personen bietet die Luzerner Kleinbrauerei MN Brew Degustationen an. Nach der Verkostung seien die Teilnehmer laut den Emmer Brauern in der Lage, Biere von anderen Brauereien einzuordnen und nach persönlichem Geschmack auszuwählen. Die Degustation kostet 25 Franken pro Person, bei grösseren Gruppen ab zwölf Personen noch 20 Franken.

Mit fünfzehn Jahren habe er mit Freunden angefangen, in seiner Garage Bier zu brauen. Schliesslich kann man in den USA erst ab 21 Alkohol im Laden kaufen, da muss man sich irgendwie zu helfen wissen. Heute ist er bei MN Brew für die Produktion verantwortlich.

Betrieb soll professioneller werden

Zum Interview servieren die Unternehmer selbstgebackenes Brot. Es sei aus sogenanntem Treber gebacken, dem Nebenprodukt beim Bierbrauen, erklärt Fabian Jung. Bestrichen wird das Gebäck mit einer süssen Ale-Konfitüre. Altes, selbstgebrautes Bier diene als Grundlage. «Ohne Kühlung entwickelt sich immer mehr Kohlensäure im Bier. Der Konsum ist völlig unproblematisch, aber als Getränk ist es nicht mehr brauchbar.» So machen die Jungbrauer aus dem flüssigen Abendgenuss halt einen gelungenen Start in den Tag.

Die fünf Teilhaber der Firma haben eine flexible Arbeitsteilung. Das ist nötig, da sie MN Brew nicht hauptberuflich betreiben. Die Emmer nennen sich ein «Kollektiv aus Kulinarik, Technik und Kunst». Die GmbH ist aus einem Koch, einem Künstler, einem Primarlehrer, einem Techniker und einem «All-Rounder» zusammengesetzt – eine bunte Mischung verschiedener Kompetenzen.

Die Etiketten der «Limited Editions» wurden von Luzerner Künstlern entworfen.
Die Etiketten der «Limited Editions» wurden von Luzerner Künstlern entworfen. (Bild: pze)

Dennoch könne jeder alles machen. «Wir haben uns einen Grundstock an Basisfähigkeiten zugelegt», erklärt Jung. So könne jeder die alltäglichen Arbeiten durchführen, das sorge für eine gewisse Flexibilität. 

«Wir haben eine geeignete Braustätte gefunden und sind daran, die Abläufe zu strukturieren», führt Jung aus. Die Brauer wollen nach rund drei Jahren ihr Unternehmen auf ein neues Level heben. Dafür investieren sie in professionelles Equipment. Eine dampfbetriebene 500-Liter-Anlage, eine Abfüllstation und vier Gärtanks sind gerade in Produktion. Dazu wurde ein Kühlraum für die Lagerung des Biers installiert. «Mit der neuen Anlage können wir effizienter arbeiten», sagt Jung.

Kürbis-Bier für den Herbst

Schaut man sich MN Brew genauer an, fällt einem vor allem auf, wie viel Kreativität darin steckt. Angefangen beim Bier selber. Jung: «Neben unseren vier Classics probieren wir immer wieder neue Rezepte aus. Diese Kreationen verkaufen wir als Limited Editions.» Die Experimente ergeben dann Produkte wie beispielsweise ein Bier mit Kaffee- oder Rosmaringeschmack. Die Etiketten werden von lokalen Künstlern entworfen.

Die Emmer Brauerei «MN Brew» stellt verschiedene Craft-Biere her.
Die Emmer Brauerei «MN Brew» stellt verschiedene Craft-Biere her. (Bild: pze)

«Das ist unser neues Saison-Bier», sagt Jung und öffnet eine Flasche. Er schenkt für jeden am Tisch ein Glas ein. «Pumpkin-Ale», erklärt er. Und tatsächlich, das Bier hat einen leicht süsslichen Kürbisgeschmack – ansonsten schmeckt es leichter als erwartet.

Das Innere eines Kürbisses prangt auf dem Etikett. Gestaltet hat es Patric Fasel selber. Er ist für die Gestaltung zuständig. Die klassischen Biersorten stellten «den industriellen Charakter Emmens» dar, so der Künstler. «Als erste Brauerei in der Gemeinde sind wir auch im Charakter mit dem Ort verbunden.» 

Bier nur in ausgewählten Bars 

Bisher gibt es das erste Emmer Bier erst ab Direktverkauf in der Zentrale oder an speziellen Events wie dem Luzerner Bierfestival. Auch arbeitet die Mikrobrauerei mit Luzerner Künstlern zusammen. Beispielsweise werden die Etiketten von Spezialbieren von Luzerner Kunstschaffenden designt.

Für Kunden öffnen die Jungunternehmer ihr Lokal jeden Freitag. 15 Franken kostet ein Sixpack, dafür kann man es aus verschiedenen Bieren zusammenstellen.

Die Biere sind eng verbunden mit lokalen Künstlern. Im Hintergrund: ein Bild von der Luzernerin Martina Lutz.
Die Biere sind eng verbunden mit lokalen Künstlern. Im Hintergrund: ein Bild von der Luzernerin Martina Lutz. (Bild: pze)

Der Rampenverkauf ist erst der Anfang. Sobald im Frühling die professionelle Anlage in Betrieb sei, wolle man auch Gastronomie-Betriebe beliefern, erklären die Brauer. «Aber es werden nur ausgewählte Partner sein, vielleicht jemand, der unser Bier auf spezielle Art und Weise präsentieren will», so Jung.

Der Traum eines eigenen Lokals 

In ferner Zukunft liegt für die Jungunternehmer eine ambitionierte Vision. Jung erklärt: «Ziel wäre, ein eigenes Lokal zu eröffnen.» Braumeister Pierino Bonetti ergänzt: «Da würden wir nicht bloss unser Bier servieren, sondern eine Auswahl von Produkten aus Schweizer Mikro-Brauereien.» Der erste Schritt dazu ist getan: Seit einem Jahr hat Fabian Jung das Wirtepatent.

Optimal wäre, wenn sich ihre Produktion, Zentrale und der Gastrobetrieb an einer einzigen Stätte befinden würden, sind sich die Unternehmer einig. Doch das ist Zukunftsmusik. «Erst einmal wollen wir das investierte Geld wieder einnehmen», sagt Jung.

Noch scheint das Bierbrauen Spass zu machen. Die drei Braufreunde öffnen je ein hauseigenes Bier und stossen an. Wenn das Büro eine Bar ist, kann man nach getaner Arbeit etwas länger verweilen.

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