Eine moderne Architektur mit viel Tageslicht dominiert die Mall.
  (Bild: pze)
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Eine moderne Architektur mit viel Tageslicht dominiert die Mall.   (Bild: pze)

Die Mall gibt ihr – noch karges – Innenleben preis

8min Lesezeit

Die Mall of Switzerland hat zum Presseanlass inklusive Baustellenbegehung geladen. Obwohl noch intensiv gearbeitet wird, veranschaulichte der Rundgang das Ausmass des Hochglanz-Einkaufstempels. Um die Kundschaft bei Laune zu halten, werden offensichtlich keine Kosten gescheut.

«Mall of Switzerland», das sei ein Versprechen. Das erklärten die Projektverantwortlichen am Donnerstag gegenüber rund 20 Medienschaffenden im Showroom der Projektentwicklerin Freo. Die Swissness wird betont: Bereits das M im Logo des Einkaufstempels ist eine Abwandlung des Schweizer Kreuzes, führt Innenarchitekt Richard Wörösch aus. Zudem beruhen gewisse grafische Elemente auf den Wappentieren der Kantone.

Ziel: Lange Aufenthaltsdauer

So weit, so gut. Doch damit ist noch lange nicht genug der symbolischen Kraft. Grundlage für das Konzept des Innenlebens des riesigen Areals sei ein Kaleidoskop, sagt Wörösch. In einem Kaleidoskop spiegeln sich die Gegenstände mehrfach, sodass ein symmetrisches farbiges Muster sichtbar wird, das sich beim Drehen ändert.

Diese Vielfalt sei das Stichwort und präge die Marke Mall of Switzerland. Das zeige sich etwa in den unterschiedlichen Materialien: So wird neben Stahl und Beton auch viel Holz verwendet. Man habe zudem in ein wohnliches Inneres investiert. So wird es beispielsweise viele Sitzgelegenheiten mit integrierten Ladestationen geben.

Man will alles tun, damit die «Erlebenden» – werberisch für Kunden – möglichst lange auf dem Areal verbleiben. Und möglichst viel konsumieren. Die Zeiten sind vorbei, als die Gäste nur für den Einkauf kamen – sie werden nun rundum unterhalten. Dafür sollen Angebote wie das grosse Kinderland, die stehende Welle von Jochen Schweizer oder das grosse Pathé-Kino sorgen.

Innenarchitekt Richard Wörösch stellt das Gestaltungskonzept der Mall vor.
Innenarchitekt Richard Wörösch stellt das Gestaltungskonzept der Mall vor. (Bild: pze)

Keine weiteren Verzögerungen

Keine Frage: Die Verantwortlichen geben sich während der Präsentation euphorisch. In rund einem halben Jahr, am 8. November, ist die Eröffnung geplant. Der ursprüngliche Termin Ende September musste verschoben werden (zentralplus berichtete). Dieses Mal werde es mit Garantie klappen, es komme zu keiner weiteren Verzögerung, versichern die Verantwortlichen.

Auf die Theorie folgt die Praxis. Nach den Ansprachen und einem Mittagessen geht es endlich los mit der Führung durch die Baustelle. Es ist eine kurze Fahrt vom D4-Business-Village in Root bis zum Empfangs-Container bei der Mall. Helme und Stiefel angelegt, marschiert man nach einer kurzen Sicherheitsinstruktion in Richtung Areal.

Tageslicht dominiert die Mall

Erste Station ist das Parkhaus mit seinem neuartigen Parkleitsystem. Je nach Verkehrslage um die Mall reguliert es die Ein- und Ausfahrt. Das Parkhaus befindet sich noch im Rohbau. Nach einigen Worten zur geplanten Gestaltung des Parkings geht es sportliche sechs Stockwerke im Treppenhaus nach oben. Ein breiter Korridor auf jedem Parkhaus-Stockwerk erlaubt den direkten Zugang zu den Etagen der Hauptmall.

Sofort fällt das viele Licht auf, das die oberste Etage des Einkaufszentrums flutet – insbesondere von den Dachfenstern. Ein Blick in die Ferne verdeutlicht die enormen Ausmasse des Hauptgebäudes. Wo ab Herbst Kleider, Schmuck oder Parfüm verkauft werden, wird intensiv gearbeitet. Doch auch die Leere fällt auf: Rund sechs Monate vor der Eröffnung wirken die zukünftigen Shopping-Flächen kahl. Vom hochgelobten Innenarchitekturkonzept ist noch nicht viel zu sehen.

Der Blick in die Tief. Nach oben geht es mit Schindler-Rolltreppen.
Der Blick in die Tiefe. Nach oben geht es mit Schindler-Rolltreppen. (Bild: pze)

Aussenterrasse im Obergeschoss

Neben den bekannteren Unternehmen, die in der Regel Verträge für 10 bis 15 Jahre abschliessen, sollen auch sogenannte Pop-up Stores einziehen. Bei diesem Format können alternative Konzepte getestet werden – mit kürzeren Mietverträgen. Damit möchte man weniger bekannte und lokale Geschäfte anziehen. Wie die Verkaufsflächen und die Gänge aussehen werden, ist im derzeitigen Ausbaustadium nur abstrakt wahrnehmbar. Derzeit werden Lichtkonzepte erprobt – an der Decke hängen unterschiedliche Designerlampen.

Nach einigen Schritten erreicht man den Gourmet-Bereich mit rund 5’000 Quadratmetern Fläche, der sich in der Gestaltung vom Rest der Mall abhebt. Im obersten Stockwerk befindet sich ausserdem eine Aussenterrasse. Sie bietet Aussicht auf den Pilatus, das Rontal und die umliegenden Siedlungen. Unten bewegen sich Baumaschinen sowie Arbeiter um das angrenzende Freizeit-Center – es wird emsig gebaut, während oben die Journalisten fleissig fotografieren.

Die Terasse ist noch nicht so gemütlich.
Die Terrasse ist noch nicht so gemütlich. (Bild: pze)

«Ebisquare» als verbindendes Element

Danach geht es wieder hinab und nach draussen auf den «Ebisquare». Auf dem zentralen Platz sind Events und Veranstaltungen geplant: So seien beispielsweise ein Tennismatch oder Live-Musik vorstellbar. Dieser offene Bereich ist ausserdem das verbindende Element der gesamten Mall und erlaubt einen gesamtheitlichen Blick auf die enormen Dimensionen des Areals.

Ganz in Weiss gekleidet erinnert die Fassade der Mall-Obergeschosse an die Münchner Allianz-Arena. Verantwortlich für den Effekt ist eine spezielle Folie. Sie nimmt am Tag die Stimmung aus der Umgebung auf, was etwa Wetter und Tageslicht betrifft. Bei Nacht wird sie in dezentem, weissem Licht von innen beleuchtet – mit Rücksicht auf die Nachbarschaft.

So soll der zentrale Vorplatz Ebisquare in Zukunft aussehen.
So soll der zentrale Vorplatz Ebisquare in Zukunft aussehen. (Bild: Visualisierung / Mall of Switzerland)

Vom Haupteingang aus rechts befindet sich das kleinere, rund 15’000 Quadratmeter grosse Freizeitzentrum. Diese Fassade ist in den oberen Stockwerken, wo das Pathé-Kino mit 12 Sälen Platz findet, in dunkler Farbe gehalten und wellenförmig. Eine Hommage an das Erdgeschoss, wo sich Jochen Schweizer mit seiner stehenden Surfwelle inklusive Restaurant einmietet. Im Gegensatz zu den Kinogängern geniessen die surfenden Gäste im Parterre keinen Sichtschutz – lediglich eine Glasfront trennt sie dereinst vom Vorplatz.

Arbeiten an der Fassade des Mall-Hauptgebäudes.
Arbeiten an der Fassade des Mall-Hauptgebäudes. (Bild: pze)

Erschöpfender Rundgang

In den Innenräumen dominiert Beton-Grau, wo in etwas mehr als 170 Tagen sowohl Anfänger als auch Profis auf der Welle reiten werden. Ein kritisch dreinblickender Bauarbeiter beobachtet die geschalte Besuchergruppe. Einer der Gäste tritt auf den frisch gemachten Boden – und erhält dafür einen eindringlichen Warnruf.

Nach mehr als drei Stunden Präsentationen und Rundgang ist die Presse-Entourage erschöpft und begibt sich quer über die Baustelle hinweg zurück an den Ausgangspunkt.

In einem halben Jahr sollen hier Tausende dem Einkaufserlebnis frönen. Ob die Kundschaft über die ausgeklügelten Raumkonzepte, die Geschäfte und das Freizeitangebot gleich euphorisch sein wird, wie es die Verantwortlichen bereits sind, wird sich zeigen.

Video aus dem Innern der Mall:

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