Susanne Rüegger auf dem Weg zum Sieg am 10. Swiss City Marathon in Luzern. (Bild: Andy Mettler/Swiss Image)
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Susanne Rüegger auf dem Weg zum Sieg am 10. Swiss City Marathon in Luzern. (Bild: Andy Mettler/Swiss Image)

Wie Sporthändler in Luzern ums Überleben kämpfen

6min Lesezeit

Der Detailhandel befindet sich unter Druck – gerade im Sport- und Outdoorbereich kam es in Luzern jüngst zu vielen Veränderungen. Obwohl einige Geschäfte aufgeben mussten, wagt sich in Kriens ein neuer Einzelhändler auf den Markt. Service und Nischenstrategie sollen richten, woran andere gescheitert sind.

Eurokrise, Internet, Einkauftourismus, steigende Löhne und Mieten: Der Detailhandel und mit ihm die Sportgeschäfte stecken – nicht nur in Luzern – in der Krise. Die jüngsten Opfer des harten Wettbewerbs im Sport- und Funktionsbekleidungsmarkt forderte der vergangene Sommer: Das Traditionsgeschäft «Eiselin» an der Obergrundstrasse sowie «rockstore» in der Kleinstadt (zentralplus berichtete).

Gleichzeitig drängen neue Ketten auf den Markt – einerseits kommt «Blue Tomato» aus Deutschland nach Luzern (zentralplus berichtete) und «Transa» hat seine Ladenfläche erheblich ausgebaut (zentralplus berichtete). Kein einfaches Los für Einzelhändler.

Chance in der Nische

Trotz heftigen Gegenwindes wagt sich ein Einzelplayer auf den Markt – im Herbst eröffnete «Loolaba» an der Luzernerstrasse in Kriens. «Wir sind spezialisiert auf Triathlon – ich wollte bereits seit langer Zeit ein eigenes Geschäft eröffnen», so Inhaber Alex Ciherean, der sein Hobby zum Beruf machte. Der Italiener lebt seit rund dreieinhalb Jahren in der Schweiz und war zuvor in multinationalen Firmen tätig. «In der Schweiz gibt es meines Wissens nur ein einziges anderes Sportgeschäft, das sich auf Triathlon spezialisiert hat.»

Doch die allgemeine Lage ist nicht einfach: «Wir sind täglich am Kämpfen», bestätigt auch Mario Simmen, Geschäftsführer des Fachgeschäfts «Wirth-Sport». Er hat 2012 das erste Laufsportgeschäft der Schweiz aus dem Jahr 1979 von seinem Schwiegervater übernommen. Kurz darauf kam der Mindestkurs und Anfang 2015 dessen Aufhebung durch die Schweizer Nationalbank. Hinzu kommt die Konkurrenz aus dem Internet und fehlende Parkplätze würden der Familien-AG zu schaffen machen. Ein Problem sei auch der sogenannte Beraterklau, wenn potenzielle Kunden sich im Geschäft bei den Experten informieren, dann aber im Internet einkaufen. Man verzeichne ausserdem Umsatz- und Kundenfrequenzrückgänge.

Das neue Triatlohn-Geschäft «Loolaba» in Kriens.
Das neue Triathlon-Geschäft «Loolaba» in Kriens. (Bild: Loolaba / Facebook)

Harter Kampf

Doch nach Thalwil zu reisen, lohne sich für die Zentralschweizer nicht, deshalb sah er hier die Chance, eine potenzielle Marktlücke zu füllen.«Loolaba» wurde gar auf dem Community-Gedanken begründet: «Wir waren zuerst ein internationaler Club von Triathleten.» Er zählt inzwischen rund 60 Personen und organisiert regelmässig Veranstaltungen. Der Event-Kalender auf der Webseite ist pumpenvoll, beinahe jeden Tag findet ein Schwimm-, Lauf- oder Intervalltraining statt. Das Geschäft sei sehr gut angelaufen, erklärt Ciherean.

«Im Geschäft zu sitzen und auf die Kunden zu warten, reicht heute nicht mehr.»

Mario Simmen, Geschäftsführer Wirth-Sport

Um dem eisigen Wind entgegenzutreten, ist Engagement gefragt: «Im Geschäft zu sitzen und auf die Kunden zu warten, reicht heute nicht mehr», so Simmen. Stattdessen wird investiert – sowohl in Technologie als auch in die Community: «Wir arbeiten an der ersten Online-Laufschuhberatung der Schweiz.» In Zukunft soll es möglich sein, einen Online-Fragekatalog auszufüllen und die eigenen Laufaufnahmen mit Smartphone oder Tablet hochzuladen.

Anhand der Daten erfolgt eine Auswertung inklusive individueller Schuhempfehlung. Gleichzeitig lancierte Simmen ein Lauftraining, rund 30 Personen machen mit: «Wir bereiten uns gemeinsam auf den Lucerne Marathon vor.» Gar ein eigenes Laufteam kann er sich vorstellen. Das gemeinsame Erlebnis sei ein Faktor, um die Kunden an sich zu binden und den Kundenstamm auszubauen.

Bereits seit Jahrzehnten setzt das Traditionshaus «von Moos Sport und Hobby» auf die Zusammenarbeit mit Alpenclub und Sportveranstaltern. «Entscheidend ist die Beratung.» Je spezialisierter und beratungsintensiver die verkauften Produkte sind, desto besser, erklärt Urs Küttel, der bei von Moos für die Sportabteilung verantwortlich ist.

Beratung ist Trumpf

Wie Simmen bestätigt auch Küttel die Wichtigkeit des bestehenden Kundenstamms: «Viele kommen immer wieder zu uns, weil sie uns vertrauen.» Alltagsprodukte seien stärker betroffen vom Trend hin zum Online-Handel: «Wenn die Produkte einfach verglichen werden können und austauschbar sind, werden sie eher im Internet eingekauft.»

«Entscheidend sind Hartnäckigkeit und Engagement, gerade als einzelner Player.»

Urs Küttel, von Moos Sport und Hobby

Doch beim von-Moos-Sport-Sortiment gehe es oft um Sicherheitsfragen und um komplexere Problemlösungen, dann seien Fachkenntnis und Beratung gefragt. Offenbar mit Erfolg: «Wir können sehr viele Beratungen mit einem Geschäft abschliessen», so Küttel.

Vor über 337 Jahren gegründet

Man spüre eine gewisse Konzentration, der Druck steige. «In der Zentralschweiz sind wir etwas besser geschützt, denn der Einkauf im Ausland hängt stark mit der Distanz zusammen.» Einfacher hätten es die grossen Ketten nicht zwingend, meint Küttel: «Filialenbetriebe sind sehr komplex.» Das zeige das Beispiel Schild oder Herren Globus, beide Traditionsmarken werden vom Mutterkonzern Migros aufgegeben.

Für Küttel gilt: «Entscheidend sind Hartnäckigkeit und Engagement, gerade als einzelner Player.» Er muss es wissen – kaum ein anderes Unternehmen hat sich derart lange behaupten können: Das Geschäft am Kasernenplatz wurde bereits vor über 337 Jahren gegründet, damals als Eisenwaren-Geschäft.

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