23 Prozent der Schmuckstücke hat der Luzerner Kantonschemiker beanstandet. (Symbolbild: Flickr/Naomi King)
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23 Prozent der Schmuckstücke hat der Luzerner Kantonschemiker beanstandet. (Symbolbild: Flickr/Naomi King)

Hauptsache billig: Es ist nicht alles schmuck, was glänzt

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Achtung gefährlich: Fast ein Viertel des Billigschmucks aus Luzerner Geschäften ist bei einer Kontrolle des Kantons durchgefallen. Er gab Nickel ab – was Allergien auslöst – oder enthielt umweltschädliche Stoffe. Darunter befand sich auch eine regelrechte «Bombe».

Jeder vierte Ohrring oder Armreif mangelhaft: Bei einer Kontrolle hat der Luzerner Kantonschemiker einen Viertel des untersuchten Modeschmuckes beanstandet und vom Markt genommen. Grund: Die Produkte enthielten zu viel Nickel oder andere Schwermetalle.

Die Luzerner Dienststelle Lebensmittelkontrolle und Verbraucherschutz nimmt regelmässig «verdächtige» Schmuckstücke unter die Lupe. Letztes Jahr wurden insgesamt 30 Proben kontrolliert. Besondes verdächtig ist laut dem Luzerner Kantonschemiker Silvio Arpagaus billiger Schmuck aus Asien. Dieser sei oft aus minderwertigen Legierungen hergestellt und enthalte entsprechend viele Verunreinigungen.

23 Prozent der erhobenen Proben fielen im kantonalen Test durch. Sieben Prozent der Schmuckstücke gaben so viel Nickel ab, dass sie eine Allergie auslösen können. Die Folgen: Rote oder geschwollene Haut, Blasen oder sogar Ekzeme. Und das betrifft so manchen Schweizer: Fast jeder Zehnte reagiert überempfindlich auf Nickel, wie aus einer Mitteilung des Kantons hervorgeht. Die Nickelallergie gehört damit zu den häufigsten Allergien hierzulande. Von Gesetzes wegen darf Modeschmuck, der mit der Haut in Berührung kommt, deshalb kein Nickel abgeben.

Einfache Tests

Überrascht vom Resultat ist Kantonschemiker Silvio Arpagaus nicht. «Seit Jahren ist die Beanstandungsquote höher, als wir es uns wünschen würden.» Arpagaus stellt aber einen «Trend zum Besseren» fest. Noch vor zwei Jahren fielen zehn Prozent der Proben durch den Nickeltest. «Vielen Betrieben war früher nicht bewusst, dass sie eine Eigenverantwortung haben und dafür sorgen müssen, dass die gesetzlichen Anforderungen eingehalten werden. Inzwischen konnten wir sie für das Problem sensibilisieren.»

«Via Internet kann jeder günstig ein Kilo Schmuck aus China bestellen – genau bei solchen Quereinsteigern besteht Handlungsbedarf.»

Silvio Arpagaus, Luzerner Kantonschemiker

Denn die Läden können etwas tun, um das Problem zu vermeiden. Einerseits, indem sie von den Lieferanten Zertifikate einfordern, die belegen, dass die Produkte nickelfrei sind. Andererseits gibt es laut Arpagaus einfache Schnelltests, mit denen man messen könne, ob ein Produkt Nickel abgibt. «Es gibt immer mehr Betriebe, die das nutzen.»

Viele der im Labor untersuchten Schmuckstücke hielten den Richtwerten nicht stand.
Viele der im Labor untersuchten Schmuckstücke hielten den Richtwerten nicht stand. (Bild: zvg)

Dennoch gibt sich Argapaus keinen Illusionen hin: «Via Internet kann jeder günstig ein Kilo Schmuck aus China bestellen.» Mancher wittert dabei offenbar ein gutes Geschäft – und verkauft den Schmuck. «Genau bei solchen Quereinsteigern gibt es Nachholbedarf.»

Worauf muss man achten?

Meldungen von geschädigten Konsumenten gehen beim Kanton trotz allem selten ein. «Wohl aus dem einfachen Grund, dass die meisten das Produkt wegwerfen und ihr Problem damit meist gelöst ist», mutmasst Arpagaus.

Dem Problem aus dem Weg zu gehen, sei für die Konsumenten relativ schwierig, weil man dem Schmuck nicht ansieht, was er enthält. Arpagaus rät, in den Läden nachzufragen, ob die Schmuckstücke nickelfrei sind und entsprechende Zertifikate vorliegen. Zudem gebe der Preis grundsätzlich Aufschluss über das Risiko. «Das heisst nicht, dass ein teures Produkt nie Nickel enthalten wird. Aber die Wahrscheinlichkeit für gefährliche Inhaltsstoffe ist bei sehr billigen Produkten sicher höher.»

Umwelt noch viel schlimmer dran

Kantonschemiker Silvio Arpagaus.
Kantonschemiker Silvio Arpagaus. (Bild: zvg)

Die Tests des Kantons hatten beim Modeschmuck indes nicht nur die gesundheitlichen Aspekte im Visier, sondern auch mögliche Umweltschäden. Und hier war die Quote noch schlechter: 15 Prozent der Proben enthielten zu viel Blei oder Cadmium. «Beides sind toxische Schwermetalle, die zwar nicht aus dem Schmuck in den Körper übergehen, aber für die Umwelt schädlich sind, wenn sie im Abfall landen», sagt Silvio Arpagaus. In einem Schmuckstück wurde der Cadmiumhöchstwert gar um das 700-fache überschritten. «Das war eine richtige Bombe – das Produkt bestand zu einem grossen Teil aus Cadmium, sodass sogar gesundheitliche Schäden nicht auszuschliessen sind.»

Die betroffenen Betriebe müssen die Kosten der Untersuchung berappen und Massnahmen ergreifen, damit der verkaufte Schmuck künftig in Ordnung ist. «Je schlechter ein Betrieb seine Eigenverantwortung wahrnimmt, umso öfters kontrollieren wir ihn.» Im Wiederholungsfall reiche die Dienststelle eine Strafanzeige wegen Gesundheitsgefährdung ein, sagt Arpagaus. Das sei auch 2016 in Einzelfällen vorgekommen.

 

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