Traumhafte Aussichten vom Sonnenberg hinab nach Kriens und auf die Voralpenkette im Hintergrund. (Bild: Natalie Ehrenzweig)
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Traumhafte Aussichten vom Sonnenberg hinab nach Kriens und auf die Voralpenkette im Hintergrund. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

Luzerner Wanderführer führt in die Sackgasse

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Wieso in die Ferne schweifen? Man kann auch einfach zur Tür hinaus und loswandern. Vor allem wenn es in der Höhe so schön blau ist wie gerade jetzt. Der eben erschienene Wanderführer «Luzern – einfach wandervoll» bietet sieben Routen in und um Luzern. Unser Testfazit: Eine gute Idee, die schön gestaltet daherkommt, doch auch an Genauigkeit zu wünschen übrig lässt.

«Luzern – einfach wandervoll» ist nach Bern, Zürich und Basel das vierte urbane Wanderbuch des Werd-Verlags. Die Wanderungen sind in sieben Etappen aufgeteilt, total 72 Kilometer in und um Luzern. Die Routenbeschreibungen sind mit Fun-Facts und Tipps gespickt. Wir testen an einem sonnigen Tag nach Weihnachten die Etappe 5: die Sagenhafte. Diese Wanderung haben wir aus praktischen Gründen ausgewählt: Sie beginnt quasi vor der Haustüre der Autorin, bei der Bushaltestelle Frohburg im Reussbühl.

«Luzern – einfach wandervoll» führt wanderfreudige Luzerner um die Stadt und manchmal in die Sackgasse.
«Luzern – einfach wandervoll» führt wanderfreudige Luzerner um die Stadt und manchmal in die Sackgasse. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

Routenbeschreibung führt in die Sackgasse

Auf 12 Kilometern soll uns die Wanderung über den Zimmereggwald und den Sonnenberg nach Kriens und dann zum Bahnhof Horw bringen. Doch bevor es losgeht, empfehlen die Autoren Beat Losenegger und Jevgenij Fuchs den Besuch der Kirche Philipp Neri. Wir steigen die Treppe hoch und sind erfreut: Die Kirche ist geöffnet. Doch wir wollen uns nicht zu lange in der Kirche aufhalten, denn die Sonne scheint und wir sollten uns nach den üppigen Weihnachtsmahlzeiten bewegen.

Das Wanderweg-Schild ist nicht immer einfach zu finden im Udelboden-Quartier.
Das Wanderweg-Schild ist nicht immer einfach zu finden im Udelboden-Quartier. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

Dem Beschrieb folgend gehen wir der Hauptstrasse entlang Richtung Seetalplatz, schenken der Riesenbaustelle aber keine Beachtung, da wir sie ja täglich in der Nachbarschaft haben. Dafür geht es beim Bürowarenhändler links den Hügel hinauf. Im Quartier beim Rothenwald stehen wir mit der Beschreibung aber an, landen in Sackgassen, fragen uns, welches Haus gemeint ist, wenn da steht «am Haus mit braunem Dach vorbei». Mehr oder weniger braun sind hier eigentlich alle Dächer.

App lässt Wanderer im Stich

Jetzt könnte die zur Buchreihe gehörende App helfen, denn da soll es Karten geben. Doch leider ist die App nicht aktualisiert, Luzern ist noch nicht verfügbar. Zum Glück kennen wir uns aus und wissen ungefähr, wo wir hinmüssen. So erreichen wir also das Ruopigenzentrum, das uns wieder ratlos über den richtigen Weg lässt. Die erwähnte Passerelle ist nie rechts. Aber egal: Da wir wissen, dass wir zur Zimmeregg-Badi müssen, lassen wir uns nicht beirren. Ausserdem kennen wir das von anderen Wanderführern: Je urbaner es ist, umso schwieriger ist es oft, den Weg zu finden. Ein Schild verpasst, und schon ist man falsch. In der Natur gibt es meist weniger Auswahl an Wegen und die Wahl ist dann klarer.

Wem es bis jetzt zu viele Häuser hatte, der kommt nun in den Genuss eines Waldes – dafür muss man diesen erklimmen. Auf der anderen Seite geht es hinunter nach Littau und gleich wieder leicht ansteigend hoch ins Udelboden-Quartier. Obwohl der Wegbeschrieb uns die Schubi-Treppe hinunterschickt, zögern wir, denn es sieht so aus, als ob wir in einem Hauseingang landen.

Doch wir entdecken das Wanderweg-Schild. An der Bernstrasse diskutieren wir, ob es nun rechts oder links geht. Und wir sind uns einig: Die Beschreibungen könnten präziser sein – vor allem, weil man keine Karte hat, nach der man wandern kann.

Völkerwanderung am Sonnenberg

Nun geht es auf den Sonnenberg. Es geht bergauf, deshalb hat es wohl nicht zu viele Leute. Doch anders sieht das auf dem Krienser Hausberg oben aus: Natürlich haben das schöne Wetter und der Feiertag eine Völkerwanderung ausgelöst. Deshalb verzichten wir auf den Tipp, die Ruhe und den Ausblick beim Spielplatz zu geniessen.

Blick auf das Schloss Schauensee in Kriens, das prominent über der Gemeinde thront.
Blick auf das Schloss Schauensee in Kriens, das prominent über der Gemeinde thront. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

Das Bergpanorama ist tatsächlich sehr beeindruckend. Der Weg führt uns nun durch ein witziges Quartier hinunter nach Kriens, durch den Bellpark, zur Kirche hinauf, am Pilatus-Bähnli vorbei. Langsam ziehen Wolken auf. Die Schlundstrasse führt uns dann vorbei an der Krienser Badi, am Stadion Kleinfeld weiter durch die Quartiere bis zum Bahnhof Horw, von wo wir mit Zug und Bus wieder nach Hause fahren.

Autoren finden gutes Gleichgewicht

In unserem Fazit sind wir uns einig: Es ist eine coole Idee, Wanderungen in und um Luzern zu beschreiben. So entdecken wir unsere Umgebung auf eine neue Weise. Statt der doch sehr blumigen Ausführungen – etwa über die glücklichen Krienser und Horwer – sollten die Angaben präziser sein. Wenn die Autoren der Meinung sind, der Text käme sonst zu kurz, wären noch mehr Fun-Facts und Tipps für unterwegs sehr willkommen gewesen. Denn darüber haben wir uns köstlich amüsiert: Wie kam Littau zu seinem Namen? Wo steht der weltweit höchste Schleuderbetonmast?

Die Frage ist wohl, ob der Wanderführer für Einheimische oder für Auswärtige gedacht ist. Je nachdem erübrigt es sich, zu erklären, was es mit dem Geisslechlöpfe auf sich hat. Doch hier haben die Autoren ein gutes Gleichgewicht gefunden. Wir warten jetzt mal auf die Aktualisierung der App und testen dann eine andere Route.

Das Buch kann für 36 Franken unter www.wandervoll.ch bestellt werden.

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