Versuchen etwas Neues: Linda Schürmann und Fabian Reinhard bei der Arbeit an 5vorZmittag.ch. (Bild: zVg/Montage zentralplus)
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Versuchen etwas Neues: Linda Schürmann und Fabian Reinhard bei der Arbeit an 5vorZmittag.ch. (Bild: zVg/Montage zentralplus)

Neue Zmittag-App: Luzerner legt sich mit Zürcher Branchenprimus an

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Pasta, Pizza, gutbürgerlich oder lieber etwas Gehobenes? IT-Unternehmer und FDP-Präsident Fabian Reinhard hat ein Mittagessen-Internetprojekt gestartet. Ziel: schnell rausfinden, was es in der Stadt wo zu essen gibt. Problem: Da gibt’s schon jemanden, der das Gleiche anbietet.

Luca Wolf

Es ist fünf vor zwölf, der Magen knurrt. Zeit fürs Mittagessen. Aber wo in den über 320 Restaurants der Stadt finde ich, was ich suche? Um diese Frage ruckzuck zu beantworten, hat der Luzerner IT-Unternehmer und Präsident der städtischen FDP, Fabian Reinhard, diese Woche ein Pilotprojekt gestartet. Auf der Webseite www.5vorZmittag.ch sollen die Nutzer sofort sehen können, welche Beiz welches Menü anbietet. Derzeit sind erst 17 Restaurants aus Luzern und eins aus Horw aufgeführt. Aber schon bald sollen es mehr werden.

Vorsätzlicher Schnellschuss

«Ich und meine Freundin Linda haben uns kürzlich überlegt, was für ein Startup wir gründen könnten. Dabei sind wir auf die Idee für 5vorZmittag gekommen», erzählt Reinhard, Mitbegründer und Inhaber der Luzerner Softwareschmiede seantis GmbH. Bei der Umsetzung setzt Reinhard auf ein spezielles Konzept namens Leanstartup. Die Idee dahinter: ohne viel Aufwand, umfangreiche Analysen und teure technische Tüfteleien einfach mal loslegen und schauen, ob sich jemand dafür interessiert. «Wir haben die Webseite innerhalb einer Woche erstellt und aufgeschaltet, allen Freunden und Bekannten davon erzählt und nun wollen wir erste Erfahrungen und Feedbacks sammeln.»

So sieht die Webseite 5vorZmittag.ch aus.
So sieht die Webseite 5vorZmittag.ch aus. (Bild: Printscreen)

Wie rassig das Projekt entstanden ist, zeigt sich auch an folgenden Punkten: Die bislang 18 aufgeführten Restaurants wissen noch gar nichts von ihrem Glück. Reinhard hat sie einfach mal aufgelistet. Zudem müssen er und seine Freundin am Wochenende die ganzen Wochenmenüs der Beizen allesamt selber auf ihre Webseite laden. Zwar wäre es möglich, speziell dafür ein Programm zu entwickeln. Aber das sei sehr aufwendig und teuer.

«Mit Werbung können wir erst Geld verdienen, wenn wir sehr viele Nutzer haben.»

Fabian Reinhard, IT-Unternehmer

Mit der Zeit, so die Idee, sollen die Gastronomen ihre Menüs selber auf der Webseite eintragen. «Das wäre in ihrem Interesse, auf diese Weise könnten sie neue Gäste anlocken.» 

Und natürlich sollte sich der Aufwand für Reinhards Pilotprojekt irgendwann mal rechnen. Etwa, indem die Restaurants Inserate auf der Webseite schalten oder für speziell hervorgehobene Angebote etwas zahlen. Er gibt sich aber zurückhaltend: «Mit Werbung könnten wir erst Geld verdienen, wenn wir sehr viele Nutzer haben.» Doch das zu erreichen, sei ohne grosses Budget nicht einfach. Und die Gastronomen seien wohl erst für eine Zusammenarbeit zu gewinnen, wenn sie einen spürbaren Mehrwert davon hätten.

Als «grundsätzlich gut» bezeichnet auch Ruedi Stöckli das Projekt von Reinhard. Stöckli ist Präsident des Verbandes Gastro Luzern und sagt: «Gerade in der Stadt Luzern mit den vielen Arbeitsplätzen und Touristen sind solche Angebote absolut sinnvoll.» Allerdings dürften diese nicht zu viel kosten, da es schwierig sei, Aufwand und Ertrag zu berechnen.

Starke Konkurrenz aus Zürich

Die Idee zu Reinhards Prototyp tönt zwar interessant. Allerdings ist das Konzept nicht neu. Mit lunchgate.ch etwa kann Reinhards Mini-Webseite nicht konkurrenzieren. Das 2009 gestartete Zürcher Unternehmen bietet für Restaurants vorab in der Deutschschweiz einen umfassenden Überblick: Nicht nur übers Menü, sondern auch über die Ausstattung, oft ergänzt mit 360-Grad-Panoramafotos. Restaurantbewertungen fehlen genauso wenig wie die Möglichkeit, direkt einen Tisch zu reservieren. Rund 1,7 Millionen Abfragen verzeichnet lunchgate.ch laut Geschäftsführer Martin Weisskopf pro Monat.

So sieht es aus, wenn man bei lunchgate.ch auf die Webseite geht und «Luzern» eintippt.
So sieht es aus, wenn man bei lunchgate.ch auf die Webseite geht und «Luzern» eintippt. (Bild: Printscreen)

Das Portal finanziert sich laut Weisskopf über Beiträge der Restaurants. Diese zahlen je nach Angebot zwischen 360 und 2400 Franken pro Jahr. Derzeit weist lunchgate.ch knapp 1000 zahlende Kunden auf. «Die Mehrheit stammt aus Zürich, dort sind wir am stärksten. Dann folgen die Regionen Basel, Bern und Ostschweiz.» Und dann sagt Weisskopf, was Fabian Reinhard wohl gerne hört: «In der Zentralschweiz sind wir noch nicht so verbreitet.» Womöglich habe das mit der noch nicht so weit fortgeschrittenen Digitalisierung in der Region zu tun.

Kein einfaches Pflaster

Zwar sind auf lunchgate.ch über 200 Luzerner Restaurants aufgeführt, die meisten aus der Stadt. Zahlende Kunden sind laut Weisskopf jedoch nur wenige darunter – aus der gesamten Region Zentralschweiz seien es knapp 140. Die meisten Stadtprofile hat das Zürcher Portal selbst erstellt: Ohne dass sich die Beizen daran beteiligen, jedoch mit der Hoffnung, dass sie das dereinst werden.

«Der Markt ist durch uns besetzt.»

Martin Weisskopf, Geschäftsführer lunchgate.ch

Laut Weisskopf sollte das Unternehmen mit seinen zehn Mitarbeitern dieses Jahr das beste Ergebnis seit Bestehen schreiben. Ob es allerdings auch erstmals in die Gewinnzone kommt, lässt er offen. Zur neuen (Mini-)Konkurrenz aus Luzern sagt Weisskopf: «Wir haben schon ein paar solche Versuche kommen und gehen sehen, zuletzt etwa Menü 2. Nebst uns konnte sich bislang aber niemand etablieren, wohl auch, weil wir einen gewissen Ruf und Bekanntheit haben. Der Markt ist durch uns besetzt.»

Einfacher – und gratis

Der Markt ist also besetzt, Fabian Reinhard? «Wir sind überzeugt, dass das Interesse an unserem Angebot vorhanden ist.» Auf  Firmenwebseiten etwa würden die Kantinenmenüs jeweils zu den am meisten angeklickten Seiten gehören. «Zudem ist mir als Gast lunchgate.ch fast zu kompliziert. Die Plattform will viel mehr als 5vorZmittag.ch, wo es ausschliesslich ums Mittagessen geht.» Auch sei die Zürcher Plattform für viele Luzerner Beizer zu teuer – und 5vorZmittag gratis.

Als Nächstes will Reinhard nun die Marketingaktivitäten verstärken und sein Angebot noch bekannter machen. Ob dann tatsächlich etwas Langfristiges draus wird, entscheidet sich in den nächsten Wochen und Monaten.

Linda Schürmann und Fabian Reinhard werkeln Zuhause an ihrem Gastro-Projekt.
Linda Schürmann und Fabian Reinhard werkeln zu Hause an ihrem Gastro-Projekt. (Bild: zVg)

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