Grosser Andrang in der Messe Luzern am ersten Start-up-Tag.  (Bild: Ronny Baumann)
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Grosser Andrang in der Messe Luzern am ersten Start-up-Tag.  (Bild: Ronny Baumann)

Beste Geschäftsidee: Babyfood räumt ab

7min Lesezeit

Wieso nicht sein eigener Boss sein? Damit scheinen in der Zentralschweiz viele zu liebäugeln. Am ersten Start-up-Tag auf der Luzerner Allmend wurden die Organisatoren förmlich überrannt. Und es wurde der beste Businessplan ausgezeichnet – für innovativen Babyfood.

Irgendwann selbstständig zu sein, ist das Berufsziel von so manchem arbeitstätigen Menschen. Dafür tüfteln viele an Ideen, präsentieren diese, arbeiten stundenlang während der Freizeit und tun vor allem eines: nicht aufgeben.

Am gestrigen Dienstag lud die Innerschweizer Start-up-Szene zum ersten Mal zum Zentralschweizer Start-up-Tag in die Messe Luzern ein. Entrepreneurs und solche, die es werden wollen, trafen dabei auf Gleichgesinnte und Experten sowie Investoren. Sie lernten Geschichten von bereits realisierten Start-ups kennen.

Andreas Schürmann präsentiert seine Idee für digitale Werbeanzeigen.  (Bild: Ronny Baumann)
Andreas Schürmann präsentiert seine Idee für digitale Werbeanzeigen.  (Bild: Ronny Baumann)

Initiiert wurde der Anlass gemeinsam von der Gewerbetreuhand AG, der Luzerner Wirtschaftsförderung, der Hochschule Luzern, dem Technopark, dem microPark Pilatus, Genilem Zentralschweiz und weiteren Organisationen. Das sind einige Players, und die Frage ist berechtigt, ob das Angebot für Start-up-Hungrige nicht längst im Überfluss vorhanden ist? Eine Frage, die sich nicht abschliessend beantworten lasse, meint Organisatorin Valentina Fontana (33) von der Hochschule Luzern: «Es sind viele, und es werden immer mehr Organisationen. Es ist für einen Start-up-Interessierten manchmal schwierig, den Überblick zu behalten. Es fehlte aber bisher ein Anlass, der all die Förderorganisationen der Zentralschweiz abbildet.» Mit dem Start-up-Tag wollen die Organisationen nun diesem Manko entgegenwirken. Das Resultat sei sicherlich ausbaufähig, aber irgendwo müsse man ja beginnen, so Fontana.

Doppelt so viele Besucher wie erwartet

Valentina Fontana von der Hochschule Luzern sagt: «Es war Zeit für diesen Anlass.»  (Bild: Ronny Baumann)
Valentina Fontana von der Hochschule Luzern sagt: «Es war Zeit für diesen Anlass.»  (Bild: Ronny Baumann)
Aus der deutlich unterschätzten Besucherzahl lässt sich schliessen, dass es sich damit tatsächlich um ein Bedürfnis handelt. Laut Organisationskomittee zählte der Anlass rund 300 Besucher, gerechnet hatte man mit gerade mal der Hälfte. Unter den Besuchern waren Schüler und Studierende, aber auch viele andere, die sich mit einer eigenen Geschäftsidee beschäftigen.

Die Gäste konnten einerseits von Workshops und Fachvorträgen profitieren und sich an den zahlreichen Ständen in persönlichen Gesprächen direkt informieren. «Ein wichtiger Aspekt ist das Networking. Wir erhoffen uns natürlich, dass wir die Community zu stärken vermögen und dass sich ganz viele neue Kontakte ergeben. Vielleicht findet auch jemand einen Geldgeber, es sind ja einige Investoren da», meint Fontana.

Ob es was bringt?

Vor wenigen Monaten fand in Root bereits das Luzerner Start-up-Weekend statt (zentralplus berichtete). Damals ging es darum, seine Idee vorzustellen und auszuarbeiten. Der jetzige Anlass sei als Ergänzung zu betrachten und vertrete ein komplett anderes Konzept, erklärt Fontana: «Das hier ist eine Ausstellung, bei der man sich Informationen beschafft und Vorträge anhört.» Trotzdem hat man den Eindruck, dass man immer wieder auf die gleichen Menschen trifft. Fontana begründet die Beobachtung damit, dass die Start-up-Szene in der Zentralschweiz noch aktiver sein könnte, allerdings hätte sich in den letzten paar Jahren einiges getan. «Deshalb war ein solcher Anlass an der Zeit», sagt sie.

«Man lernt, sein Geschäftsmodell nicht mit Schweizer Zurückhaltung, sondern mit amerikanischer Überzeugungskraft zu präsentieren.»

Valentina Fontana, Hochschule Luzern

Aber gibt es denn wirklich so viele Menschen, die sich selbständig machen wollen? Erhebungen lassen diese Tendenz erkennen. Die Frage stellt sich, ob ein Start-up-Tag dabei helfen kann. «Uns hat es auf jeden Fall weitergebracht. Einerseits sind heute viele Investoren anwesend, welche unseren Pitch hören werden, andererseits gibt der Anlass uns die Möglichkeit, unser Vorhaben erneut und vertieft zu präsentieren und Experten-Feedbacks zu erhalten», erklärt Patrick Roos (29). Zusammen mit Andreas Schürmann (28) präsentierte er seine Geschäftsidee «adhook.io» – und stiess damit auf Begeisterung. «Wir reduzieren den Zeitaufwand, um digitale Werbeanzeigen über Social-Media-Kanäle zu verteilen», erklärt Schürmann.

Patrick Roos (links) und Andreas Schürmann haben da so eine Idee ...  (Bild: Ronny Baumann)
Patrick Roos (links) und Andreas Schürmann haben da so eine Idee ...  (Bild: Ronny Baumann)

Auch Referent Ueli Grüter weist auf die Nützlichkeit des Anlasses hin: «So günstig wie heute können Sie selten mit einem Rechtsanwalt sprechen.» Beantwortet werden nicht nur Fragen um die Start-up-Gründung, sondern auch Fragen rund ums Scheitern. So würden die meisten Start-ups statistisch gesehen nämlich nicht reüssieren. «In diesen Fällen ist es wichtig, dass man sich um rechtliche und finanzielle Fragen vorher gekümmert hat», so Grüter.

Der Höhepunkt: Businessplan-Contest

Der Höhepunkt des Anlasses war der Businessplan-Contest, bei welchem Teams oder Einzelpersonen mit Bezug zur Zentralschweiz vorgängig ihre Geschäftsidee eingereicht hatten. Von 100 Personen waren 14 erkoren worden, welche in den Vormonaten ein Pitching-Training absolvierten. «Dabei lernten sie, ihr Geschäftsmodell nicht mit Schweizer Zurückhaltung, sondern mit amerikanischer Überzeugungskraft zu präsentieren», so Fontana.

Für den Start-up-Tag blieben schliesslich noch sechs Finalisten übrig, welche um Ehre und Ruhm, 2000 Franken und ein professionelles Coaching kämpften. Überzeugt hat letzten Endes die Geschäftsidee von Yamo Babyfood. Das Team um Tobias Gunzenhauser, José Amado-Blanco und Luca Michas entwickelt und produziert hochwertigen und natürlichen Babyfood mit einer neuen Zubereitungstechnik. Die Mahlzeiten werden mittels einer neuen schonenden Technologie pasteurisiert und direkt an Familien geliefert.

Vorgesehen ist, dass der Anlass nächstes Jahr wieder stattfindet; das rege Interesse und positive Echo würden dafür sprechen. «Ein nächstes Mal müssten wir jedoch sicherlich grössere Räumlichkeiten dafür in Anspruch nehmen,» sagt Fontana zufrieden.

Mehr Bilder vom Start-up-Tag in der Galerie:

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