Sein Laden an der Pfistergasse läuft gut und wird jetzt grösser: Mitinhaber Walter Beer vor dem «Co-Mix Remix». (Bild: Christine Weber)
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Sein Laden an der Pfistergasse läuft gut und wird jetzt grösser: Mitinhaber Walter Beer vor dem «Co-Mix Remix». (Bild: Christine Weber)

«Risiko ist geil und spornt an!»

5min Lesezeit

Das Lädelisterben in der Stadt Luzern greift um sich. Aber es gibt auch das Gegenteil: Der «Co-Mix Remix» an der Pfistergasse baut aus und verdoppelt seine Fläche. Das gibt viel Platz zum Schmökern: Ab Oktober gibt es die Bücher und LPs für Liebhaber und Sammlerinnen auf zwei Stockwerken.

Angefangen hat alles mit ein paar Kisten und etwas Startkapital. Walter Beer und Benno Schärli gingen das Wagnis ein und eröffneten gemeinsam den Laden «Co-Mix Remix» in der Kleinstadt. Das war vor zehn Jahren. Unterdessen platzen die Kisten und Regale voller Bücher und Platten längst aus allen Nähten.

Analog versus digital

«Der Laden läuft gut, unser Lager ist voll und wir bauen aus!», sagt Walter Beer alias Wab. Aktuell hat der Laden im Erdgeschoss eine Fläche von 80 Quadratmetern. Neu kommen jetzt 70 Quadratmeter im Obergeschoss dazu, das zurzeit dafür parat gemacht und Mitte Oktober eröffnet wird. «Das passt doch bestens zu unserem 10-Jahres-Jubiläum», freut sich der 34-Jährige Comix- und Plattenliebhaber, der eine Ausbildung als Buchhändler gemacht hat.

«Wir sind eine Nische für Sammler und Fans. Die sind auch bereit, für ihr Hobby etwas auf den Tisch zu legen.»

Walter Beer, Mitinhaber Co-Mix Remix

Während in Luzern viele Lädeli und Fachgeschäfte ums Überleben kämpfen (zentralplus berichtete), schreibt der Comix-Laden mit seinem sehr spezifischen Angebot Erfolgsgeschichte. Möglich ist das gemäss der beiden Geschäftsbetreiber aus mehreren Gründen. «Wir sind eine Nische für Sammler und Fans. Die sind auch bereit, für ihr Hobby Geld auf den Tisch zu legen», sagt Beer und im gleichen Moment kommt ein Kunde mit einem ganzen Stapel Bücher auf dem Arm zur Kasse. «Ich brauche Nachschub», sagt der junge Typ und lacht. Geschätzt werde hier, dass die Auswahl gross sei und zum Schmökern einlade. «Es ist auch eine Gegenbewegung zum Digitalen: Hier ist alles richtig analog und zum Anfassen. Das ist ein viel authentischeres Erleben als bei den virtuellen Sachen», sagt Beer.

Der LP- und Comics-Fan Walter Beer ist auch als DJ WAB  bekannt.
Der LP- und Comics-Fan Walter Beer ist auch als DJ WAB  bekannt. (Bild: Christine Weber)
Die Kunden würden immer öfters im Internet einkaufen, weil im Euroraum die Preise tiefer sind, klagen insbesondere die Buchhandlungen. Nicht so der Comicsladen: «Wir orientieren uns an einem eher tiefen Eurokurs und sind darum nur wenig teurer als Amazon & Co.» Der leichte Preisunterschied werde von den Kunden ohne Knurren akzeptiert, weil hier die Auswahl und auch die Fachkompetenz der Verkäufer stimme. «Obschon: Viele Kunden von uns kennen sich extrem gut aus in ihren Sammelgebieten und können sich locker mit uns auf Fachsimpelei einlassen», lacht Beer.

Bequemer erreichbar als die Altstadt

Ein grosser Vorteil sei die Lage in der Kleinstadt: zentral und sogar mit der Möglichkeit zum Kurzzeitparkieren vor der Ladentür. «Das ist für unsere Kunden viel bequemer als ein Gang in die Altstadt.» Laufkundschaft ist nicht unerwünscht, aber auch nicht zwingend: Hier geben sich junge und alte Sammler, DJs und leidenschaftliche Bücher- oder Plattenfreaks die Klinke in die Hand. «Die sehr durchmischte Kundschaft kommt meist extra vorbei und stolpert nicht zufällig nach dem Shopping in unseren Laden.»

«Unser Vermieter könnte mehr verlangen. Aber er findet unser Geschäft cool und will uns nicht den Boden unter den Füssen wegziehen.»


Auch die Mieten sind in der Pfistergasse grösstenteils viel günstiger als in den überteuerten Lagen wie am Grendel oder der Weggisgasse. «Unser Vermieter könnte mehr verlangen. Aber er findet unser Geschäft cool und will uns nicht den Boden unter den Füssen wegziehen», sagt Beer. Darum ist es jetzt auch möglich, den Laden zu vergrössern und im Obergeschoss Fläche dazuzumieten. Geplant ist, dass die LPs und Utensilien für Sprayer oben untergebracht sind und alles rund um die Comics im Erdgeschoss. «Über die Jahre haben wir einen riesigen Stock an Büchern und Platten aufgebaut. Dafür braucht es entsprechend Platz.»

Restrisiko als Adrenalinkick

Auswirkungen hat die Vergrösserung auch auf das Personal: Ab Oktober stellen die beiden Inhaber eine weitere Person in einem Teilzeitpensum an. Sind die höheren Miete und die zusätzlichen Personalkosten nicht ein Risiko für die bisherige Erfolgsstrategie, die auf dem Motto «klein und fein» basiert? «Das wächst alles schön gleichmässig miteinander und bewährt sich ja gerade darum», gibt sich Beer überzeugt und ergänzt dann lachend: «Ein Restrisiko gibt es als Selbstständige immer. Das ist auch geil und spornt an!»

Die Palette von Comics und LPs wird noch breiter und ist bald auf zwei Stockwerken untergebracht.
Die Palette von Comics und LPs wird noch breiter und ist bald auf zwei Stockwerken untergebracht. (Bild: Christine Weber)

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