Nigerianische Kost von «The Jungle Kitchen». (Bild: Anja Glover)
Wirtschaft

Nigerianische Kost von «The Jungle Kitchen». (Bild: Anja Glover)

«Die einzige Sprache, die wir alle sprechen»

7min Lesezeit

Zum zweiten Mal findet in der Eishalle im Tribschen das Luzerner Street-Food-Festival statt. Trotz DJ Antoine aus den Boxen und gesalzenen Preisen: Unsere Autorin ist begeistert von so viel Gürklein-Zelebriererei.

Unter dem müden Himmelsgrau signalisieren bunte Flaggen, für die Street-Food-Festivals bekannt sind, dass es hier etwas Gutes gibt. Trotz trübem Nass erinnert die heitere Menschenmasse, die sich an liebevoll herausgeputzten Food-Trucks vorbeidrängelt, an ein Sommerfest, ein Zusammenkommen unter Gleichgesinnten.

Das Gaumenfreude-Erlebnis ist im vergangenen Jahr als Trend eingeschlagen wie ein Blitz in eine alte Scheune. In Luzern gibt es gleich zwei Street-Food-Anlässe: Das Streat an der Lindenstrasse (zentralplus berichtete) und das Street-Food-Festival in der Eishalle im Tribschen. Zweiteres findet dieses Wochenende zum zweiten Mal statt.

Das Street-Food-Festival findet in der Eishalle statt. (Bild: Anja Glover)

Aus den Boxen röhrt DJ Antoine

In der Luft liegt der Duft nach fremden Ländern, gegrilltem Fleisch und gebratenen Champignons. Von den Dächern tropft der Regen und aus den Lautsprechern hört man abwechslungsweise Rihanna und DJ Antoine. Eigentlich komisch, denn Mainstream gehört so wenig hierher wie Fleisch auf den Teller eines Vegetariers. Street-Food-Festivals sollen originell und einzigartig sein, jedes Gürklein wird hier zelebriert und hat eine gewisse Anerkennung verdient.

Es werden frische Kartoffelchips geröstet, asiatische Nudelsuppen gekocht, Steaks gebraten und Teigtaschen gedämpft. Wer noch keinen Hunger hat, kriegt ihn hier schnell. All diese Leckereien kann man frisch zubereitet auf einem Pappteller oder einem Pflanzenblatt verzehren.

«Die Leute nehmen sich Zeit für etwas, das sonst häufig zu kurz kommt.»

Dani Bajunovic, Burger-Brater

Ein Street-Food-Festival ist eine Art städtisches Kulturfest, ein Anlass, an dem sich die Besucher von den Köstlichkeiten verschiedener Food-Trucks verwöhnen lassen. Food-Trucks sind keine simplen, fahrenden Küchen, wie wir das von der Luga kennen – wobei sich die eine oder andere dennoch ans Food-Festival verirrt haben dürfte –, sondern liebevoll restaurierte Truckanhänger. Ein Seifenkistenrennen mit Einbauküchen, bei denen gekocht und verkauft wird.

Gesalzene Preise für ausgefallene Speisen

Die Besucher begeben sich beim Schlemmen auf eine kleine Reise der Geschmäcker, entdecken Teile von Asien und Amerika. Und wenn’s ihnen nicht schmeckt, ziehen sie einfach weiter. Die kleinen Häppchen und teilweise sogar grosszügigen Probiererchen machen es möglich. Und probieren, das sollte man wirklich: Die Aussteller servieren keine herkömmliche Kost, sondern wetteifern um die noch kunstvolleren Handgriffe, die noch ausgefalleneren Burger und die noch niedlicheren Cupcakes.

Für die aufwendige und liebevolle Zubereitung der Speisen am Trendanlass bezahlt der Konsument aber auch seinen Preis. 30 Franken muss mindestens ausgeben, wer mit einem vollen Magen nach Hause gehen will.

Obwohl sich der Strassen-Food vom Fast-Food deutlich distanzieren möchte, dürfte der Burger einmal mehr die Hauptrolle übernehmen. Er tritt in jeglichen Farben, Formen und Grössen auf, setzt sich gekonnt in Szene und überrascht dennoch mit Neuem. «Das Fleisch in unseren Burgern war bis zu zwanzig Stunden im Ofen», erklärt zum Beispiel Dani Bajunovic von BBQ Catering. Und warum schmeckt es auf der Strasse besser? «Die Leute schätzen die Kunst des Zubereitens und nehmen sich für etwas Zeit, das sonst häufig zu kurz kommt», meint der 32-Jährige.

Dani Bajunovic (mitte) von BBQ Catering.
Dani Bajunovic (mitte) von BBQ Catering. (Bild: Anja Glover)

Aber auch für die Zuckermäuler reicht das Angebot von zuckersüssen Cupcakes über hausgemachte Schokolade bis hin zu farbigen Rüeblitorten. Für kulinarische Vielfalt ist ohne Zweifel reichlich gesorgt, die durstigen Besucher mit Anspruch auf Originalität dürften allerdings etwas zu kurz kommen. Auffallend ist etwa der Aperol-Ausschank, der im orangen Antlitz die Sonne zu ersetzen versucht. Sonderlich viel Neues gibt es nicht zu trinken.

«Essen ist die einzige Sprache, die wir alle sprechen.»

Fauzia Candrian, Truck-Inhaberin

Trendige Angelegenheit

Vor ein paar Jahren berichtete man jeweils nach Städtetrips schwärmend über den Street-Food, heute ist er selber so «in» wie der Fjällräven-Rucksack bei den Studenten. Die Anglizismen weisen darauf hin: Es ist ein Trend. Strassen-Essen würde ja wirklich sehr uncool klingen.

Ausserdem scheinen einige Köche nur die besten Absichten zu haben: «Es geht uns auch darum, mit dem Essen das Interesse für neue Kulturen zu wecken. Essen ist die einzige Sprache, die wir alle sprechen», meint Truck-Inhaberin Fauzia Candrian, während sie Gerichte aus Punjab (Indien) schöpft. Candrian hat es sich deshalb zum Beruf gemacht, in ihrem Truck um die Schweiz zu reisen und die Menschen mit indischer Kulinarik zu verwöhnen. «Für die Speisen werden ausschliesslich natürliche und lokale Zutaten verwendet.» Das sei ebenfalls Teil der Street-Food-Kultur, Nachhaltigkeit werde grossgeschrieben.

Truck-Inhaberin Fauzia Candrian und Beat Rüegsegger.
Truck-Inhaberin Fauzia Candrian und Beat Rüegsegger. (Bild: Anja Glover)

Der Regen scheint für die Essliebhaber vernachlässigbar zu sein, das Angebot zu gut, um ins Wasser zu fallen. Gegen 18 Uhr, wenn der Durchschnittsschweizer essen will, wird es dann ein bisschen eng. Zahlreiche Hungrige drängen sich zwischen den Trucks hindurch, wer nicht Schlangen stehen will, sollte sich einen anderen Zeitpunkt aussuchen. Manche sind hier, weil sie nichts mehr im Kühlschrank haben, für andere ist es ein lang ersehnter Anlass und bestimmt für alle gibt es jedes Mal etwas Neues zu entdecken. Schon Goethe soll gesagt haben: «Wenn ihr gegessen und getrunken habt, seid ihr wie neu geboren.» In diesem Sinne, en Guete!

Info: Das Street-Food-Festival findet noch bis Sonntag um 20.00 Uhr beim Eisfeld statt. Der Eintritt ist kostenlos, ein Grossteil ist überdacht.

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Wirtschaft