Am 23. Dezember kam die Brauanlage in Sursee an. Sie diente vier Jahre in einer Gaststätte in Koblenz. (Bild: PD)
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Am 23. Dezember kam die Brauanlage in Sursee an. Sie diente vier Jahre in einer Gaststätte in Koblenz. (Bild: PD)

Das «Soorser Bier» ist auf der Zielgeraden

6min Lesezeit

Bald können sich die Surseer mit einem neuen stadteigenen Bier zuprosten. Die Brauanlage ist vor Weihnachten eingetroffen, und der frisch engagierte Braumeister ist vom Fach. Die Gründer der «Soorser Bier AG» sind deshalb optimistisch, dass sie Anfang 2016 loslegen können.

«Coming Soo.N!» steht seit einer ganzen Weile auf der Webseite der Soorser Bier AG (zentral+ berichtete). Doch jetzt kommt Bewegung in die Sache: «Im Frühling 2016 werden wir anfangen zu brauen. Ein offizielles Datum für den Start haben wir noch nicht festgelegt», sagt Geschäftsführerin Karin Wagemann.

«Das Aktienkapital ist sogar um 80’000 Franken überzeichnet worden.»
Karin Wagemann, Geschäftsführerin Sorseer Bier AG

Aktienkapital erhöht

In den letzten Monaten sind wichtige Vorarbeiten geleistet worden, damit die Premiere klappt. 100'000 Franken schossen die Initianten als Startkapital ein. «Ende August wurde eine ordentliche Aktienkapitalerhöhung um 400’000 Franken beschlossen. Das Aktienkapital ist sogar um 80’000 Franken überzeichnet worden», freut sich Wagemann. So konnte die Aktienkapitalerhöhung der Soorser Bier AG im November offiziell ins Handelsregister eingetragen werden. 390 Aktionäre, die meisten aus Sursee, stehen hinter der Idee. «Doch auch Bierliebhaber aus anderen Gegenden und einige Heimweh-Surseer sind dabei.»

Besichtigung des Raums, wo das Sorseer Bier gebraut werden soll. Die Verwaltungsräte Adrian Schöpfer (l.) und Robert Schmidlin (r.) diskutieren mit Braumeister Andreas Quendt (M.).
Besichtigung des Raums, wo das Sorseer Bier gebraut werden soll. Die Verwaltungsräte Adrian Schöpfer (l.) und Robert Schmidlin (r.) diskutieren mit Braumeister Andreas Quendt (M.).

Brauanlage reiste von Koblenz nach Sursee

Mit dem Kapital im Rücken konnten die künftigen Bierbrauer nun auch endlich die nötige Brauanlage anschaffen. Sie wurde am 23. Dezember per Lastwagen in Sursee angeliefert und in die künftige Kleinbrauerei gebracht – ein Raum in einer neuen Gewerbeliegenschaft an der Kornfeldstrasse 1 in der Gewerbezone Münchrüti.

Brauerei Brunner 1894 verkauft

Die lokale Biervielfalt wächst und wächst. Neben dem geschilderten Projekt gibt es eine weitere lokale Kleinbrauerei: Die Braustation Sursee startete im Juli 2015 mit der Produktion von «6210 Mild Ale» und weiteren Spezialitäten. Die Initianten von Soorser Bier haben ausserdem im Stadtarchiv die Geschichte der Biertradition erforscht. Die vorletzte eigenständige Produktionsstätte war demnach die Brauerei Brunner. Brauereibesitzer Xaver Brunner war ein angesehener Mann in Sursee. In den Räumlichkeiten seiner Brauerei wurde 1876 die Fasnachts-Zunft «Heini von Uri» gegründet, Brunner wurde zum ersten Heinivater gewählt. Brunner braute von 1830 bis 1894 ein regionales Bier mit einem Absatz von zirka 520 Hektolitern jährlich. 1894 verkaufte er seine Kleinbrauerei an die Luzerner Brauerei Spiess, die später von Eichhof übernommen wurde.

Mancher Surseer meinte schon, es gäbe bereits das erste Soorser Bier zu kaufen, als er die Brauanlage erblickte. Doch so schnell geht es dann doch nicht: Zuerst müssen die Abflüsse installiert werden und der Raum an der Kornfeldstrasse wird ausgebaut, damit die Hygiene gewährleistet ist. Zirka im März wird die Brauanlage in Betrieb gehen.

Occasions-Anlage gefunden

Die Brauanlage von der Marke Kaspar Schulz, Bamberg, konnten die Surseer günstig erwerben. Sie war bloss vier Jahre in Betrieb und stand bis vor Kurzem in einer Gasthausbrauerei in Koblenz. Zum bezahlten Preis will sich Wagemann nicht äussern. «Aber die Erstehungskosten waren etwa halb so hoch wie für eine neue Anlage.»

Deutschen Braumeister ins Boot geholt

Wagemann betont, dass das neue Soorser Bier qualitativ hochwertig werden soll. Um diese Qualität zu gewährleisten, ist fachmännisches Know-how gefragt. Deshalb hat man einen Profi engagiert. Am Dienstag, 28. Dezember, hat Andreas Quendt den Arbeitsvertrag unterzeichnet. Er wird im Februar 2016 anfangen bei Soorser Bier. Der Deutsche Quendt lebt seit fünf Jahren in der Schweiz und hat in Deutschland seine Fachausbildung absolviert: Er ist gelernter Brauer und Mälzer und hat später Braumeister studiert. Und zwar an der Hochschule Weihenstephan der Bayerischen Staatsbrauerei in einer ehemaligen Klosterbrauerei. Also ein Meister seines Fachs.

Die neue Kleinbrauerei in Sursee will zirka 1000 Hektoliter Bier im Jahr brauen. Das entspricht dem Ausstoss einer mittleren Kleinbrauerei. Zum Vergleich braut Luzerner Bier zirka 2000 hl jährlich. Das Bier soll in der Surseer Gastronomie erhältlich sein, bei Getränkehändlern, teilweise im Detailhandel. Wagemann: «Wichtig ist uns aber auch, dass man Sorseer Bier auch direkt ab Rampe beziehen kann.»

Nicht gedacht, dass das Projekt so einschlägt

Am Anfang war Soorser Bier ein kleines Projekt von drei Idealisten und Bierliebhabern, das im März 2015 begann. «Sursee ist eine Stadt mit Nachtleben, Brauchtum und zahlreichen Gastrobetrieben. Bisher fehlte aber das eigene Bier, das wollten wir ändern», sagt Wagemann. Neben Wagemann machen ihr Ehemann Alexander Oleschinsky sowie Herbert Blum mit. «Wir wollten unser eigenes Bier.»

«Wir wollten unser eigenes Bier.»
Karin Wagemann

Das Trio begann, für sein Projekt zu weibeln in Sursee, suchte Geldgeber. «Wir nahmen unseren ganzen Mut zusammen und wussten nicht, ob unsere Bieridee überhaupt ankommen würde.» Die Idee schlug ein wie eine Bombe. «Wir wurden vom Medieninteresse überrumpelt, ebenso gross war der Zuspruch aus der Bevölkerung», erinnert sich Wagemann.

Ex-Besitzer des «Chnuutener» Wassers dabei

Seit dem Start gab es auch Veränderungen im Management. Der Verwaltungsrat wurde nämlich um zwei Mitglieder aufgestockt. Er bestand vorher aus den Gründern, Karin Wagemann (Präsidentin), Alexander Oleschinsky und Herbert Blum. Als neuer Verwaltungsrat gewonnen wurde Robert Schmidlin (69), ehemaliger Geschäftsleiter und Besitzer der Knutwiler Mineralquelle, der pensioniert ist. Er ist ein profunder Kenner der Getränkebranche. Und das fünfte VR-Mitglied Adrian Schöpfer vertritt das Surseer Gewerbe. Der Verwaltungsrat ist also sehr breit abgestützt. Und das sind gute Voraussetzungen für die Lancierung des ersten lokalen Biers seit über 100 Jahren.

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Die Gründer von Sorseer Bier: V.l. Alexander Oleschinsky, Karin Wagemann und Herbert Blum.
Die Gründer von Sorseer Bier: V.l. Alexander Oleschinsky, Karin Wagemann und Herbert Blum. (Bild: PD)

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