Der Hauptsitz von EF Education im Luzerner Hotel National: Schöne Aussicht, aber der Platz wird langsam eng. (Bild: zvg)
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Der Hauptsitz von EF Education im Luzerner Hotel National: Schöne Aussicht, aber der Platz wird langsam eng. (Bild: zvg)

Weltkonzern wollte in Luzern ausbauen – konnte aber nicht

5min Lesezeit

Die internationale Sprachschule «EF Education» wollte ihren Firmensitz in Luzern stark ausbauen. Luzern guckte aber in die Röhre, denn die gewünschten Büroflächen waren schlicht nicht aufzutreiben. Der Konzern expandiert jetzt nach Zürich. 

Vor Jahren wurden hinter den Kulissen Gespräche geführt: Das nach eigenen Angaben weltweit grösste Sprachschul-Unternehmen, die EF Education, wollte ihren Sitz in der Stadt Luzern stark auszubauen. Dies ergaben Recherchen von zentral+. Der Hauptsitz der EF Education befindet sich im Hotel National, wo auch der schwedische Inhaber Bertil Hult seit Jahren wohnt.

Das Unternehmen hält sich mit Angaben zurück, was strategische Pläne und die Bekanntgabe von Zahlen betrifft. Doch klar ist: Während anderthalb Jahren prüfte Firmenboss Hult verschiedene Optionen für die Erweiterung seiner Büroflächen in Luzern. Doch daraus wurde, wie man sieht, nichts. Zürich kam stattdessen zum Handkuss, und seit 2009 konzentriert sich EF Education vermehrt auf diesen Standort. Luzern ging folglich leer aus – nicht zum ersten Mal (siehe Artikel vom Mittwoch).

Entscheidend bei der Standortwahl war: Hult wollte die Immobilien gleich kaufen. Und die von ihm gewünschte Bürofläche war in der Stadt Luzern nicht aufzutreiben. Die Rede ist von 10’000 Quadratmetern. Der Unternehmer habe darüber hinaus ein repräsentatives Gebäude an schöner Lage gesucht. 

In Zürich wird investiert

«Wir wachsen sehr stark», sagt Yvonne Kolar, Sprecherin der EF Sprachschulen, «und wir wollen unsere Standorte in der Schweiz weiter ausweiten». Zürich sei ein international bedeutender Wirtschaftsstandort, der sowohl für Familien als auch Singles attraktiv ist. «Zudem bietet der neue Firmensitz optimale Voraussetzungen, um auch weiterhin in einem wichtigen europäischen Markt zu wachsen.» Dort will EF weiterhin investieren und expandieren.

«Geeignete Immobilien zu finden ist für unser Unternehmen entscheidend.»

Yvonne Kolar, Sprecherin EF Sprachschulen

Tausende Mitarbeiter

Das Sprachschul-Unternehmen EF Education bezeichnet sich selbst als weltweit grössten privaten Veranstalter im Bereich der internationalen Bildung. Mit Zahlen geizt das heute operativ von drei Söhnen der Hult-Familie geführte Unternehmen.

EF Education betreibt ein Netzwerk von rund 500 Schulen und Büros auf der ganzen Welt mit Tausenden von Mitarbeitern. Der steuerliche Hauptsitz des Unternehmens ist seit 2002 in Luzern. Das Unternehmen wird in den jeweiligen regionalen Märkten von London, Hongkong und Boston aus geführt. 

EF-Inhaber Bertil Hult gilt als umtriebiger Geschäftsmann, und er sei stets auf der Suche nach Gebäuden, sagt Kolar. «Geeignete Immobilien zu finden ist für unser Unternehmen entscheidend.» Details will das Unternehmen keine bekanntgeben. Nur so viel: «Der Hauptsitz wird in Zukunft weiterhin in Luzern bleiben», verspricht Kolar.

In Luzern sind laut Branchenkenner zwischen 500 und 1000 Mitarbeiter beschäftigt. «Luzern ist als Arbeitsort attraktiv», sagt Kolar. In Zürich sei es allerdings möglich, die Tätigkeiten in der Schweiz weiter zu expandieren. 

Die Zürcher Niederlassung befindet sich zurzeit an der Bärengasse. Dort ist auch die Schweizer Vertriebsgesellschaft untergebracht. Bald zieht EF in das Gebäude an der Zürcher Selnaustrasse ein, auch bekannt als «Neue Börse», in der Zürcher Innenstadt gelegen. Dazu wurde vor ein paar Wochen das Baurecht erworben. Die Schweizer Börse wird noch bis 2017 in dem Gebäude bleiben. «Nach dem Auszug wird EF den Innenraum renovieren und für den Einzug von 1'000 Mitarbeitenden im Frühjahr 2018 vorbereiten», so Kolar. 

Peter Bucher, Wirtschaftsförderer der Stadt Luzern, hätte den Ausbau einer solch grossen Firma liebend gern gesehen. «Eine Expansion bringt in der Regel Steuereinnahmen mit sich und schafft Arbeitsplätze.» Zudem sei es für Luzern wichtig, grössere Player zu haben, weil davon auch die vielen kleinen und mittleren Unternehmen in der Stadt als Zulieferer profitieren könnten. Ferner sei es gut fürs Image der Stadt.

«Eine solch grosse Bürofläche war schlicht nicht da.»

Peter Bucher, Wirtschaftsförderer der Stadt Luzern

«Leider ist es uns nicht gelungen»

Bucher möchte zu den besagten Gesprächen mit EF Education keine Einzelheiten bekanntgeben. «Wir hätten einen Ausbau der Büros in der Stadt Luzern gerne ermöglicht», sagt er. «Leider ist uns das nicht gelungen. Eine solch grosse Bürofläche war schlicht nicht da.»

Für die Wirtschaftsförderung ist die fehlende Verfügbarkeit von Büroflächen ein Hauptproblem. «In Zug und Zürich gibt es ausreichend fertiggestellte, bezugsbereite Büros zu attraktiven Preisen. Die Gefahr besteht, dass Firmen auf diese oder andere Standorte ausweichen», wird die Wirtschaftsförderung ferner in einer Antwort des Stadtrates zitiert. 

«Wir sind regelmässig mit Anfragen nach grösseren Büroflächen konfrontiert, die wir nicht erfüllen können.»

Peter Bucher, Wirtschaftsförderer der Stadt Luzern

Als Beispiel nennt die Wirtschaftsförderung auch das Forschungsinstitut GFK, welches von Hergiswil weg wollte und gern in die Stadt Luzern gezügelt wäre, dort aber keinen Sitz mit Platz für 200 Mitarbeiter finden konnte. Und welches nun in Rotkreuz fündig geworden ist. Das Beispiel EF widerspiegelt die Realität gut: «Wir sind regelmässig mit Anfragen nach grösseren Büroflächen konfrontiert, die wir nicht erfüllen können», so Bucher. 

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